Überfall Marker Allee: Lange Haftstrafen für Täter

HAMM ▪ Zu Jugendstrafen zwischen dreieinhalb und fünfeinhalb Jahren unter anderem wegen erpresserischen Menschenraubs, schwerem Raub und Geiselnahme verurteilte das Jugendschöffengericht am Montag die vier Heranwachsenden aus Osnabrück, die am Abend des 16. Juni vorigen Jahres eine Hausbesitzerin an der Marker Allee überfallen und vier Stunden lang gequält hatten, um sich in den Besitz ihres Tresorschlüssels zu bringen.

Sie hatten damals zwar nicht die erhofften 100 000 Euro gefunden, sich aber mit dem erbeuteten Geld und Schmuck sowie dem BMW der 75-Jährigen davongemacht. Zwei von ihnen waren schon am folgenden Tag beim versuchten Verkauf des Autos festgenommen worden. Sie hatten ihre Mittäter umgehend benannt.

Die 20-Jährige, die von der Frau ins Haus gelassen worden war und ihr dann eine Pistole an den Kopf gehalten hatte, bekam eine Jugendstrafe von vier Jahren, da sie die Tat an vorderster Front ausgeführt und keinerlei Mitgefühl gezeigt habe. Ihr 18-jähriger Komplize, der mit ihr gemeinsam das Opfer in den Keller gebracht und dort gefesselt hatte, sitzt zur Zeit bereits in Strafhaft. Er erhielt unter Einbeziehung der bestehenden Strafe fünfeinhalb Jahre unter anderem auch wegen Körperverletzung. Er sei zwar weder Planer noch Organisator gewesen, habe aber an vorderster Front gehandelt und die Frau zusätzlich durch Äußerungen erniedrigt.

Weil er unter anderem durch vorzeitiges Verlassen des Hauses ein gewisses Mitgefühl mit der gepeinigten Frau gezeigt habe, wurde ein 20-jähriger Mittäter, der erst später in das Haus gekommen war, zu einer Jugendstrafe von drei Jahren und sechs Monaten verurteilt. Angehörige im Zuschauerraum brachen bei der Urteilsverkündung in Tränen aus.

Eine tragende Rolle erkannte das Gericht bei dem ebenfalls 20-jährigen Komplizen, der den Raubzug geplant und organisiert hatte, selbst aber nicht an den Quälereien beteiligt war. Er habe erkannt, wie schlecht es der Frau ging, aber weiter mitgemacht. Auch er soll für vier Jahre seine Freiheit einbüßen.

Tippgeber für die Tat soll ein Dachdecker gewesen sein, der an dem Haus tätig war und viel Bargeld gesehen haben soll. Gegen ihn, der sich zur Zeit wieder auf freiem Fuß befindet, wird es ein Verfahren am Landgericht in Dortmund geben. ▪ be

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