Viele Veranstaltungen fallen aus

Auch Hammer Türken von Corona-Folgen stark betroffen

Viel Platz beim Freitagsgebet In der Fatih-Camii-Moschee in Hamm-Pelkum.
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Viel Platz beim Freitagsgebet: In der Fatih-Camii-Moschee in Pelkum bringt jeder Gläubige seinen eigenen Gebetsteppich mit und trägt Maske.

Seit der türkischen Großhochzeit und dem daraus folgenden drastischen Anstieg der Corona-Zahlen in Hamm mischt sich zur Sorge über die Pandemie oft auch noch Wut auf die muslimischen Mitbürger. Dabei sind auch sie genauso wie jeder andere von der Pandemie betroffen.

Hamm - Belegt wurde diese Theorie zum Beispiel, als am Freitag das wichtigste Gebet der Woche um 13.30 Uhr in der Fatih-Camii-Moschee in Pelkum gehalten wurde. „Das Freitagsgebet ist noch relativ gut besucht, aber insgesamt ist die Zahl der Gläubigen viel geringer als vor der Corona-Pandemie“, sagt Bahattin Paydar, Vorsitzender der Moschee-Gemeinde. Er verstehe zwar die Verunsicherung rund um die aktuellen Schlagzeilen, aber letztlich sei noch nichts geklärt und seine Gemeinde sei, wie alle Mitbürger, von Corona betroffen.

„Zuerst hatten wir auch den totalen Lockdown“, erinnert Ismail Erkul, Vorsitzender des Integrationsrates der Stadt Hamm und aktives Gemeindemitglied. Inzwischen fänden zwar wieder die Gebetszeiten unter Einhaltung aller Auflagen statt, doch müsse die Gemeinde immer noch auf vieles verzichten. Zum Beispiel:

Waschräume geschlossen

„Nicht nur, dass die Waschräume geschlossen bleiben“, führt Paydar aus. Weitere Veranstaltungen müssten auch, trotz der großzügigen Räume, entfallen. Besonders habe das beim Ramadan geschmerzt, dem Fastenmonat. „Da ist das abendliche Fastenbrechen jedes Mal ein großes Ereignis, das nicht nur die Gemeinde untereinander feiert, sondern bei dem auch Bedürftige oder Flüchtlinge unter den gut 300 Gästen sind“, so Paydar. Es sei wirklich das erste Mal, dass die Gläubigen das so erlebt hätten.

Keine Koranschule

Auch die Koranschule sei derzeit geschlossen und nun bemühe man sich, den Unterricht der Jugend über Facebook fortzusetzen.

Zeitversetztes Gebet

Das enge Zusammenrücken sei da nur ein geringer Trost, so Erkul. Doch um allen Gläubigen die Religionsausübung im erlaubten Rahmen zu ermöglichen, habe man sich in Hamm sowie mit dem Ditib-Verband in Köln beraten. Nun führen die Gemeinden ihr Freitagsgebet zeitversetzt durch, damit jeder unabhängig vom Feierabend beten kann. Überall sind genügend Listen und Desinfektionsmittel bereit und sollte jemand seine Mund-Nasen-Maske vergessen haben, so werden auch diese von den Ehrenamtlern zur Verfügung gestellt.

Ausreichend Abstand

Um die Quadratmeter-Vorgabe für ausreichenden Abstand zwischen den Moscheebesuchern einzuhalten, könne es auch geschehen, dass einige Gläubige draußen ihr Gebet verrichten.

Ältere verunsichert

„Aber trotz allem spüren auch wir die Sorge unserer Mitglieder“, sagt Paydar. Man sei eben ein ganz selbstverständlicher Teil der Gesellschaft und wenn gerade die Älteren unsicher seien, so sei das normal. „Mein Vater nimmt 15 Tabletten am Tag, da ist es doch normal, dass er auf Nummer sicher geht“, so Paydar. Als kürzlich die beste Freundin seiner Frau geheiratet habe, seien sie der Feier ferngeblieben, und hätten ihre Geschenke später überreicht. „Wir hoffen nur, dass es bald einen Impfstoff gibt, diese Pandemie überstanden ist und die Gesellschaft sich nicht spalten lässt“, so Erkul.

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