Digitale Angebote ohne Nachfrage

Trotz kreativer Angebote: Hammer Tanzschulen tanzen auf der Stelle

Abstände einhalten: Nicole Güth verteilt in ihrem Tanzstudio in Hamm Hütchen und Röckchen
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Abstände einhalten: Nicole Güth verteilt in ihrem Tanzstudio Hütchen und Röckchen

Während die ersten Schüler Ende April wieder in die Schulen zurückkehrten und Geschäfte ihre Türen unter Auflagen öffnen durften, mussten Tanzschulen auf weitere Lockerungen seitens der Regierung warten. Aus diesem Grund boten viele Tanzschulen ein digitales Angebot an – doch trotz der wieder steigenden Infektionszahlen nimmt kaum ein Tanzfreund die digitale Variante wahr.

Hamm – In der Tanzschule Pape-Eicker/Schmidt will kaum ein Mitglied das digitale Angebot nutzen. Geschäftsführer Markus Schmidt glaubt zu wissen, woran das liegt: „Beim Tanzen geht es um den Kontakt zu anderen und die Gesellschaft.“

Bei der Tanzschule Güth wurden im Lockdown Videos gedreht und den Mitgliedern zur Verfügung gestellt. Diese wurden nach der Öffnung der Tanzschule aber nicht mehr genutzt. „Das Angebot kam bei Kunden nicht so gut an“, sagt Nicole Güth, Inhaberin der Tanzschule. Ihre Kunden bevorzugen ebenfalls das Treffen vor Ort. „Kunden berichteten uns, dass sie die Atmosphäre und die Gesellschaft vermissen.“

Keine guten Nachrichten

Grundsätzlich laufe es bei der Tanzschule Güth eher schleppend. „Eine Zeit lang wurde es nach dem Lockdown besser, aber durch die gestiegenen Fallzahlen nimmt das Interesse wieder ab“, so Güth. Im Vergleich zum Vorjahr verzeichnet die Tanzschule einen erheblichen finanziellen Verlust. Auf eine genaue Zahl wollte sich Inhaberin nicht festlegen, eine erneute Schließung wäre jedoch existenzbedrohend. „Im Freizeitbereich sparen die Leute als erstes, also auch beim Tanzunterricht“, sagt Güth.

Corona werde noch langwierige Auswirkungen haben, ist sich die Tanzlehrerin sicher. Immerhin gebe es aktuell keine Kurzarbeit im Familienbetrieb. Aufgrund der Schließung von Kaufhof, in dessen Gebäude sich die Tanzschule befindet, gab es bei Kunden vermehrt Verunsicherungen. Aber: „Wir bleiben am Standort an der Gustav-Heinemann-Straße.“

Tanzkurse mit unterschiedlich hohen Anfragen

Auch in der Tanzschule Pape-Eicker/Schmidt laufe es nicht wie vor Corona. Abgesehen von den einzuhaltenden Schutzmaßnahmen, wird nun vermehrt im Haus des Tanzes an der Hüserstraße in Bockum-Hövel trainiert – und nur noch vereinzelt an der Bismarckstraße. Im Haus des Tanzes haben die Tänzer wesentlich mehr Platz. „Ich fühle mich im Haus des Tanzes sicherer als beim Einkaufen“, sagt Schmidt. „Die Jugendkurse laufen leider schleppend“, sagt Schmidt. Lediglich einer der Kurse sei so gefragt, dass einige Tänzer auf das nächste Jahr vertröstet werden mussten. Dies sei aber auf die verminderte Anzahl an Tanzpaaren zurückzuführen.

Markus und Tanja Schmidt tanzten während des Lockdowns vor, die Kursteilnehmer tanzten zuhause nach.

Viele Tanzkurse wie der Discofox kommen gar nicht erst zustande. Schmidt: „Niemand macht mehr Partys, deshalb lernt auch niemand mehr Discofox.“ Er musste wegen der ausfallenden Kurse einen Mitarbeiter wieder in Kurzarbeit schicken.

Bei der Tanzschule Güth fehlen vor allem die Hochzeitspaare, denn ohne Hochzeiten brauche man auch keinen Tanzkurs. Zudem bietet Güth auch Tanzkurse in Schulen an, die sind nun auch lange ausgefallen.

Fitnesskursteilnehmer und Tanzpaare

Besonders auffällig sei laut Güth, dass die Fitnesskursteilnehmer etwas anders mit dem Virus umgehen als Tanzpaare. Denn sie trauen sich auch jetzt noch in die Tanzschule. Diesen Eindruck teilt auch der Geschäftsführer Schmidt von Pape-Eicker/Schmidt. In Fitnesskursen wie Zumba bewege man sich wesentlich mehr und sei schneller außer Atem als beim Standardtanz, deshalb müsse auch mehr Abstand zwischen den Teilnehmern gewährleistet werden.

Gerade die Kinder im Alter von zweieinhalb bis fünf Jahren haben sich laut Tanzlehrerin Güth die Hygienemaßnahmen sehr gut verinnerlicht. Während des Trainings weisen sie sich gegenseitig auf Fehlverhalten hin und nehmen die Regeln sehr ernst. „Das hatte ich vorher nicht vermutet. Zu Beginn haben wir für den Abstand mit Hütchen gearbeitet, aber die brauchen wir nicht mehr“, sagt Güth.

Da auch die Abschlussbälle in diesem Jahr ausfallen, planen die Verantwortlichen der Tanzschule Pape-Eicker/Schmidt Abschlussabende mit bis zu maximal 90 Personen. „Das ist aber noch nicht spruchreif. Wir müssen die aktuelle Lage im Blick behalten“, sagt Schmidt. Aktuell macht die Tanzschule Ferien. Ob sie danach wieder öffnen kann, sei aufgrund der aktuell angespannten Lage noch ungewiss.

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