Blutspenden beim DRK-Kreisverband Hamm

Überraschend hohe Zahlen: Blutspender trotzen der Corona-Krise

Blutspende des DRK-Kreisverbandes Hamm während Corona-Pandemie in Schützenhalle Kreuzkamphalle in Braam-Ostwennemar
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Neue Normalität beim Blutspenden: Eigentlich alles wie immer, sagen Blutspender, nur dass alle jetzt in der Coronakrise eine Mund-Nase-Bedeckung tragen müssen.

Braam-Ostwennemar – Die Zahl der Corona-Infizierten steigt. Besser zu Hause bleiben und das Ansteckungsrisiko verringern? Blutspender denken offenbar anders, wie das jüngste Beispiel zeigt.

Die Corona-Krise fordert Zugeständnisse und manche Abstriche, aber die Zahlen machen es deutlich: Trotz weniger Blutspendetermine in der Corona-Zeit verzeichnet das Deutsche Rote Kreuz beinahe die übliche Zahl an Spendern. Die Erwartungen des DRK werden übertroffen – wie am Montagnachmittag in der Kreuzkamphalle.

Ängste, sich anzustecken? „Ich gehe doch zur Blutspende und nicht auf eine Party“, sagt Jörg D. „Nein“, sagt Ingeborg Susok über mögliche Befürchtungen, „ich trage doch einen Mundschutz. Und vor so einem kleinen Piks, sollte keiner Angst haben.“ Die 73-Jährige ist überzeugt, dass das DRK alle Voraussetzungen für die erforderliche Hygiene erfüllt. „Man hat sich schneller beim Einkaufen infiziert, als bei einer Blutspende“, meint DRK-Kreisrotkreuzleiterin Angelika Wagner.

„Spenden ist Bürgerpflicht“

Viel wichtiger ist Ingeborg Susok der Grund ihres Kommens. In der Regel besucht sie vier Termine im Jahr. Mit 116 Spenden gehört sie zu den engagiertesten Teilnehmern. Sie hat eine seltene Blutgruppe und weiß um ihre möglicherweise lebensrettende Blutspende. „So lange ich gesund bin, mache ich das. Spenden ist Bürgerpflicht“, meint die Seniorin aus dem Hammer Osten. „Ich muss doch anderen helfen.“

Erst nach Anmeldung zum Termin

Das Helfen ist in der Coronakrise zeitweise kaum bis gar nicht möglich gewesen. Die Blutspendetermine fielen aus. Die bisherigen Standorte erfüllen zum Teil nicht die Sicherheits- und Hygieneanforderungen. Das gilt zum Beispiel für den Blutspendebus, in dem der erforderliche Sicherheitsabstand nicht eingehalten werden kann. Seit dem Pilotprojekt des DRK im Mai im Cineplex sind Blutspender aufgefordert, sich zu einem Termin online anzumelden. So sollen Warteschlangen verhindert und Sicherheitsabstände garantiert werden. Datenerfassung am Eingang, Abfragen zu etwaigen Infekten, Fiebermessen … all das verlängert eine jede Spende.

Das kam bei den Spendern trotzdem gut an, heißt es beim DRK. „Das stört nicht“, bestätigt Uwe Franzmann bei der Blutspende in der Schützenhalle in Braam-Ostwennemar. „Ich habe es schlimmer erwartet: mehr Formulare, mehr Belehrungen. Es verlief total reibungslos.“ Dabei hatte sich der 56-Jährige gar nicht angemeldet.

Spontan vorbeikommen - das geht auch

Er spendet regelmäßig und wollte schon vor Tagen einen Termin wahrnehmen. Am Montag hat er es endlich geschafft. Der Fahrradpendler hat von der Arbeit in Hamm auf dem Weg nach Hause in Welver einen Halt am Kreuzkamp eingelegt. Ja, auch spontan geht das. Mehr Blutspenden wurden schon vor der Coronakrise benötigt. So will das DRK jetzt erst recht auf keinen Spender verzichten. „Spontanspender“, nennt Angelika Wagner die Teilnehmer. Klar ist, Warteschlangen müssen vermieden und Sicherheitsabstände eingehalten werden. „Wir freuen uns aber über jeden Spender. Wenn jemand spontan kommt, kommt er auch dran“, sagt die DRK-Kreisrotkreuzleiterin. „Ich denke, keiner hat länger als fünf bis zehn Minuten warten müssen.“

So lange die Zahl der Spontanen übersichtlich bleibt und sich ein Großteil der Teilnehmer vorher anmeldet, kann es so weitergehen. Der Termin am Montag in der Kreuzkamphalle ist mit zweieinhalb Stunden ein vergleichsweise kurzer. Von 30 angemeldeten Spendern sind 28 gekommen. Durch 15 Spontanspender wuchs die Zahl auf insgesamt 43. „Sehr erfreulich“, sagt Wagner auch mit Verweis auf vier Erstspender. In der Vergangenheit kamen bis zu 60 Teilnehmer an den Kreuzkamp. Aber in der Herbstzeit und wegen verbreiteter Erkältungen kann die Zahl auch mal auf 30 zurückgehen.

DRK bezieht Station an der Kreuzkamphalle: 43 Spender kamen am Montag zum Blutspendertermin in Braam-Ostwennemar.

Derzeit bietet der DRK-Kreisverband Hamm im Stadtbezirk Uentrop nur Blutspendetermine in den großen Schützenhallen in Braam-Ostwennemar und der Mark sowie im evangelischen Gemeindehaus in Werries an. Hier lassen sich die Corona-Auflagen erfüllen. Das trifft auf den traditionellen Standort im DRK-Senioren-Stift Mark nicht zu. Dort sei aber viel wichtiger, die Bewohner des Senioreneinrichtung vor einer Corona-Infektion zu schützen, sagt Wagner. Sie zählten zur Risikogruppe.

Ehrenamtliche im „unbefristeten Zwangsurlaub“

Das gilt auch für die sonst so engagierten Ehrenamtlichen des DRK. Sie sind in der Regel schon älter. Sie seien im „unbefristeten Zwangsurlaub“, sagt die Kreisrotkreuzleiterin. Sie ist am Montag mit fünf Hauptamtlichen des DRK vor Ort, bei längeren Terminen mit bis zu zwölf. Sie kommen unter anderem aus den DRK-Kitas und den -Treffpunkten. Einige junge Ehrenamtliche, die nicht zur Corona-Risikogruppe gehören, kommen noch dazu. Die älteren Ehrenamtlichen bleiben erst einmal raus.

Brötchen schmieren, Kaffee kochen und vieles mehr ist derzeit ohnehin nicht zu erledigen. Aus Hygienegründen sind Essen und das wichtige Trinken nach einer Blutspende am Blutspendeort nicht mehr erlaubt. Stattdessen erhalten die Teilnehmer eine gut gefüllte Lunchtüte. Die kommt zwar gut bei den Spendern an, heißt es, aber umgekehrt fehlt ihnen etwas. „Das Zusammensitzen, dass Kaffeetrinken nach der Blutspende fehlt“, sagt Jörg D. Der 55-Jährige spendet sonst an seinem Heimatort in Rhynern Blut. Dort finden aber derzeit keine Termine statt. Er vermisst die Kontakte. „Es ist anonymer geworden“, sagt auch Uwe Franzmann. Deshalb auf eine in den Kliniken und Arztpraxen dringend benötigte Blutspende zu verzichten, kommt für sie nicht in Frage.

Zahlen der Blutspenden im Vergleich

Blut spenden kann Leben retten. Laut DRK-Blutspendedienst West benötigen Klinken und Arztpraxen in Deutschland täglich mehr als 15000 Blutspenden. So muss stetig für Nachschub gesorgt werden – in Corona-Zeiten unter Auflagen. Teils fielen und fallen Termine aus. In Hamm sorgen die Spender dennoch dafür, dass in der Stadt die Zahlen fast stabil geblieben sind. „Ich bin überrascht“, sagt DRK-Kreisrotkreuzleiterin Angelika Wagner hocherfreut.

Im Zeitraum vom 1. Januar bis 5. Oktober 2019 zählte der DRK-Kreisverband Hamm bei stadtweit 82 Terminen 5648 Teilnehmer, davon 580 Erstspender. Zum Vergleich: Wegen der Corona-Krise und Absagen fanden in diesem Jahr im gleichen Zeitraum nur 49 Termine statt. „Trotzdem haben wir rund 5000 Spender, davon 527 Erstspender“, sagt Wagner. „Ein tolles Ergebnis, wenn wir bedenken, dass wir bis jetzt 33 Termine weniger hatten. Unser Dank geht an alle Hammer Blutspender.“

Anmeldung und Info

Anmeldung zu einer Blutspende im Internet über www.drk-blutspende.de/blutspendetermine/ Mehr Infos zum Thema unter www.blutspendedienst-west.de und www.drk-hamm.de.

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