Trockenheit, Frost, Corona: Kötters mühsamer Start in die Erdbeersaison

Mit rund 20 Erntehelfern werden auf dem Hof Kötter die Erdbeeren gepflückt.
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Mit rund 20 Erntehelfern werden auf dem Hof Kötter in Hamm die Erdbeeren gepflückt.

Seit 2003 baut die Familie Kötter auf vier Feldern an der Fangstraße in Herringen sowie in Wiescherhöfen Erdbeeren an. Und meist war es ein aufwendiger Weg, bis das Ziel – dicke, rote, saftige Früchte – erreicht war. „Doch so mühsam wie in diesem Jahr war es noch nie“, sagt Annette Kötter.

Herringen/Wiescherhöfen – Umso mehr freut es sie, dass seit Mitte Mai auf dem Hofladen an der Beiseystraße und vier Ständen im Hammer Stadtgebiet wieder Erdbeeren verkauft werden. Und: „Wir haben deutlich mehr Selbstpflücker als in den vergangenen Jahren.“ Ein Grund könnte die Corona-Pandemie sein. „Viele haben schlichtweg mehr Zeit, um beispielsweise Marmeladen einzukochen“, so die Herringerin.

Dass die Saison so gut angelaufen ist und das Ziel erreicht werden konnte, war nicht selbstverständlich. Denn neben den Reisebeschränkungen für Erntehelfer waren es die Wetterkapriolen im Frühjahr, die Annette Kötter und ihrem Mann Hilmar zu schaffen gemacht haben. „Trockenheit, Frost und auch etwas Hagel: Es war alles dabei.“

Ausbleibenden Regen während der Erdbeerernte hatte es zwar auch schon in den zurückliegenden Jahren immer mal wieder gegeben. Dass es aber schon mit Beginn der Fruchtbildung im März kaum geregnet hat, war schon „sehr ungewöhnlich“. Doch die Kötters hatten vorgesorgt und schon vor Monaten beim Einsetzen der Pflanzen kleine unterirdisch verlaufende Schläuche mitverlegt. Und so habe man jede einzelne Reihe bewässern können.

Erdbeeren: Trockenheit nicht einziges Problem

Doch die Trockenheit war nicht das einzige Problem. Bis in den Mai hinein habe es, wie Annette Kötter berichtet, vereinzelt Nachtfröste gegeben. Damit die den Erdbeeren keinen Schaden zufügen, mussten die Felder mit Vlies abgedeckt werden. Allzu lange durften die Planen aber nicht auf den Feldern bleiben. Denn wegen der wärmenden Mai-Sonne heizt sich die Erde darunter schnell auf. „Und auch das ist nicht gut für unsere Erdbeeren.“ Also habe man die schützenden Abdeckungen regelmäßig auslegen und dann wieder wegnehmen müssen. Insgesamt eher gering sei der Schaden gewesen, den ein plötzlicher Hagelschauer verursacht hatte. „Wie hatten Glück, dass die meisten Früchte noch klein und fest waren und der Hagel sie nicht beschädigen konnte.“

Mehr Sorgen hatten die Kötters da schon, ob die vielen Früchte überhaupt gepflückt werden können. „Wir haben jedes Jahr rund 20 Erntehelfer.“ Zum einen seien das türkische Frauen, die schon seit vielen Jahren auf dem Hof arbeiten, zum anderen Helfer aus der Ukraine. Doch die seien aufgrund der Corona bedingten Reisebeschränkungen kaum zu bekommen gewesen. Lediglich zwei Studenten seien derzeit im Einsatz.

Erdbeeren: Familie muss improvisieren

Also musste die Familie improvisieren. Man habe, so Annette Kötter, einige langjährige, ehemalige Helfer aus dem Umfeld gewinnen können. „Sie sind super zuverlässig“, bedankt sich Annette Kötter bei allen Erntehelfern. Aber auch Familienmitglieder sowie Kommilitonen der Kinder seien über Pfingsten im Einsatz gewesen. „Und so kam es, dass ein angehender Sportpsychologe und eine BWL-Doktorantin bei uns gearbeitet haben.“

Die Erbeersaison auf dem Hof Kötter wird noch, je nach Witterung, bis Anfang/Mitte Juli laufen. Erfreulich ist der Regen, der am Donnerstag eingesetzt hat. Anders sieht das beim Getreide aus, das nicht künstlich bewässert werden konnte: Für ihn kommt er wohl zu spät.

Mit einem Champagner-Süppchen in die Erdbeerzeit

Fruchtige Spieße: Dazu steckt man Frischkäsebällchen zwischen Erdbeerhälften auf Zahnstocher. Foto: Wolfgang Schardt/Gräfe und Unzer/dpa-tmn
Sie schmecken pur, süß oder herzhaft: Erdbeeren lassen sich in der Küche vielseitig einsetzen. Foto: Franziska Gabbert/dpa-tmn
Am aromatischsten sind Früchte aus der Region: Die bekommt man entweder beim Selberpflücken oder auf dem Wochenmarkt. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa-tmn
Mit Champagner oder Sekt püriert werden Erdbeeren zu einer süßen Suppe. Foto: Frauke Antholz/Hölker Verlag/dpa-tmn
Mit einem Champagner-Süppchen in die Erdbeerzeit

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