17-Jährige will Landwirtin werden

Seltener Traumjob: Kristin Barkhaus zieht‘s nach dem Abi in den Stall

Traumjob Landwirtin: Kristin Barkhaus möchte nach dem Abi in die Fußstapfen ihres Vaters treten
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Anpacken, wo sich andere wegdrehen: Kristin Barkhaus (17) fühlt sich bei der Arbeit auf dem heimischen Hof sauwohl

Landwirt? Wenn es um die Berufswahl nach dem Abi geht, ziehen die wenigsten Schüler diese Option auch nur ansatzweise in Betracht. Nicht so Kristin Barkhaus.

Hamm – Wenn Schüler gefragt werden, was sie nach der Schule machen wollen, lautet die Antwort oft: Studieren, ein Jahr ins Ausland oder eine Ausbildung im Büro oder Handwerk. Landwirt ist da ein eher seltener Berufswunsch. Ganz anders sieht das bei Kristin Barkhaus aus. Die 17-Jährige will Landwirtin werden – auch wenn andere das kritisch sehen.

Wenn Kristin vor dem großen Trecker steht, wirkt sie winzig. Mit ihren 1,70 Metern ist sie gerade so groß wie das kleinere Vorderrad des 12 Tonnen schweren Ungetüms. Doch dann schwingt sie sich locker ins Fahrerhaus des Treckers, lenkt ihn aus der Garage, fährt einen kurzen Schlenker über die Felder und setzt ihn dann samt Säh-Anhänger mühelos rückwärts wieder zurück in die Parklücke. Als hätte sie nie etwas anderes gemacht. „Ich finde das sogar leichter als Einparken mit dem Auto“, sagt sie schulterzuckend.

Traumjob Landwirtin: Mit dem Trecker groß geworden

Als Bauernkind – wie sie sich selbst bezeichnet – ist sie mit Treckern und Tieren aufgewachsen. Ihrer Familie gehört ein Schweinemastbetrieb in Bockum-Hövel mit rund 2000 Schweinen und einige Feldern, auf denen sie Futtermittel anbauen.

Viel Trecker gefahren ist sie früher allerdings nicht. „Wir hatten zwei Trecker und ich habe zwei Brüder, da war die Verteilung immer klar“, sagt sie. Mittlerweile ist das anders. Drei Trecker stehen jetzt in der Garage auf dem Hof der Familie. Einer für jedes Kind. Seit einiger Zeit hat Kristin auch den passenden Führerschein, Platz zum Üben ist genug.

Traumjob Landwirtin: Die Reaktionen sind unterschiedlich

Dass sie auch Landwirtin werden will, weiß die Abiturientin seit etwa zwei Jahren. „Ich habe ein Praktikum auf einem anderen Hof gemacht und dabei gemerkt, wie gerne ich das mache“, sagt sie. Wenn sie anderen von ihrem Entschluss erzählt, bekommt sie unterschiedliche Reaktionen.

„Meine Freunde waren nicht überrascht. Sie wissen, dass ich ein Bauernkind bin. Aber andere wundern sich schon. Sie sagen: ‘Du bist schlau, du könntest alles machen und willst Dreck rumfahren?’ Dabei ist Landwirtschaft viel mehr als das. Es ist ein wunderschöner Beruf, der sehr vielfältig ist. Man kann in verschiedene Richtungen gehen. Nach der Ausbildung könnte ich auch noch studieren, und es passiert gerade so viel in der Landwirtschaft. Das ist superspannend.“

Sicher auf dem Trecker: Kristin Barkhaus dreht souverän ihre Runden.

Während Kristin von den verschiedenen Bereichen und Methoden der Landwirtschaft erzählt, leuchten ihre Augen. Sie liebt ihren künftigen Job schon jetzt. Sie besucht Vorträge – aktuell natürlich nur online – und übernimmt mehr Verantwortung auf dem Hof. „Ich bin quasi der familiäre Hilfsarbeiter“, erklärt sie.

Das ist allerdings auch manchmal einfach nötig. Denn seit einem guten Jahr fehlt ein wichtiges Mitglied der Familie. Kristins Vater, Bernd Barkhaus, ist im Juli 2019 plötzlich gestorben. „Das war eine schwere Zeit, wir wussten nicht, wie gehts jetzt weiter? Wir wollten den Hof behalten. Und das haben wir zum Glück auch geschafft“, sagt die 17-Jährige.

Traumjob Landwirtin: Ausbildung führt auf verschiedene Höfe

Aktuell schmeißt Mutter Beatrix den Hof. Irgendwann wird ihn wohl Kristins älterer Bruder Johannes übernehmen. Er macht gerade seine Ausbildung zum Landwirt auf einem anderen Hof.

„Uns gefällt der Hof sehr gut und aktuell könnten wir uns alle vorstellen, ihn später zu übernehmen. Aber dafür ist er doch ein bisschen zu klein“, sagt Kristin. Bis es so weit ist, hat die Schülerin aber noch etwas Zeit. Nächstes Jahr steht das Abi am Galilei-Gymnasium an, im Sommer beginnt ihre Ausbildung zur Landwirtin. Während dieser lernt die 17-Jährige verschiedene Höfe kennen. Einen, der ebenfalls auf Schweine spezialisiert ist, und einen Milchbauernhof. „Ich weiß noch nicht, wo meine Reise hingehen soll, aber ich bin unheimlich gespannt, was die Zukunft bringt.“

Ausbildung zum Landwirt: Alle Plätze in Hamm belegt

In Hamm bilden sieben Betriebe Landwirte aus. Hier sind aktuell alle Plätze belegt. Weil aber immer wieder neue Ausbildungsbetriebe hinzukommen, gibt es in der Regel im Regierungsbezirk Arnsberg mehr Ausbildungsplätze als Azubis, sagt Burkhard Wulff, Ausbildungsberater bei der Landwirtschaftskammer. Die Ausbildung dauert in der Regel drei Jahre und wird an drei unterschiedlichen Höfen gemacht. Der Großteil der Azubis sei männlich. Bei vielen Betrieben sei ein Trecker-Führerschein Voraussetzung, doch viel wichtiger: „Man muss für den Beruf brennen, nur Interesse zu haben, ist zu wenig“, sagt Wulff.

Eine Auflistung aller Ausbildungsbetriebe und die Kontaktdaten zum Ausbildungsberater gibt es auf der Internetseite der Landwirtschaftskammer.

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