Sanierung in der Zechenkolonie Maximilian

Die Prills und ihr Traum vom Zechenhaus in Werries

Tanja und Oliver Prill sanieren eine Doppelhaushälfte an der Klenzestraße in der Zechensiedlung Maximilian in Hamm-Werries
+
Ein Zechenhaus der Kolonie Maximilian: Tanja Prill saniert zusammen mit ihrem Mann Oliver die Doppelhaushälfte (links) an der Klenzestraße. Dabei möchten sie so viel wie möglich von dem Wesen des Hauses bewahren und wieder hervorholen. Es hat Geschichte und soll sie behalten.

Zechenhäuser stehen für einen bedeutenden Teil der Hammer Siedlungsgeschichte. Kein Wunder, dass Tanja und Oliver Prill davon träumen. Sie lassen ihren Traum vom Zechenhaus in Werries Wirklichkeit werden. Doch bis zum Einzug in die Doppelhaushälfte ist viel Arbeit zu leisten.

Werries – Dem Schutt nach zu urteilen, lassen Tanja und Oliver Prill nicht allzu viel von dem alten Zechenhaus in der Kolonie Maximilian übrig. Doch der Schein trügt. Denn mit der Sanierung wollen die Prills das genaue Gegenteil erreichen. „Es ist ein Haus mit Geschichte“, sagt Tanja Prill. „Wir haben uns entschlossen, die Struktur soweit zu erhalten, aber modern zu interpretieren.“ Dass das kein Widerspruch sein muss, wollen sie mit ihrer Arbeit zeigen. Mit ihrem Hausprojekt an der Klenzestraße tragen sie zum Erhalt der lokalen Identität bei.

Tanja Prill ist ein „visueller Mensch“, wie sie sagt. Künstlerisch findet das Ausdruck in ihren Werken im Atelier und in ihrem Vintage-Café in der Innenstadt. Visuell hat das mehr als hundert Jahre alte Zechenhaus viel zu bieten. Manches ist allerdings unter Schichten der Baugeschichte verborgen.

Zwischen den steinernen Wänden ist viel Holz verbaut. „Wir wollen, dass es zum Vorschein kommt“, sagt sie. Der alte, verlegte Teppichboden im Obergeschoss hat ohnehin längst ausgedient. Die Bodendielen sollen nach Möglichkeit im ganzen Haus wieder zu sehen sein oder, wenn es sein muss, ersetzt werden, sagt sie, während sich ihr Mann in der Küche an der Wand unermüdlich von Schicht zu Schicht bis zum Mauerwerk durcharbeitet.

Eine Menge Arbeit: Zwischenwände, wie im Obergeschoss müssen raus.

Eine „Herzensangelegenheit“ ist ihr die Treppe. Sie ist im Original erhalten und augenscheinlich in einem guten Zustand. Das gilt ebenso für die „nostalgischen Fliesen“ im Treppenhaus und die Türen im ganzen Haus.

Holz aus einer jüngeren Bauphase muss jedoch weichen. Aus zwei Kinderzimmern im Obergeschoss wird eines, so wie es das ursprüngliche Raumprogramm vorsah.

Das Treppenhaus ist noch im Original erhalten. Es muss nur zum Vorschein gebracht werden. Der Erhalt der Treppe ist Tanja Prill eine „Herzensangelegenheit“.

Viel Platz bietet so ein Zechenhaus nicht. Etwa 100 Quadratmeter Wohnfläche auf zwei Etagen hat das Haus der Prills an der Klenzestraße. „Es ist aber gerade richtig auf den Lebensabschnitt zugeschnitten, der jetzt kommt“, sagt sie. Der Platz reicht, um sich „kleiner zu setzen“. Die 45- und der 44-Jährige überlassen ihren zwei erwachsenen Kindern für deren Wohn-Projekt das bisherige Heim am Alten Uentroper Weg und ziehen mit ihrem 15-jährigen Sohn in die Zechensiedlung. In der selben Straße wohnte einst Tanja Prills Großmutter. Insofern zieht es die Familie zurück in die Kolonie Maximilian. Doch das ist Zufall.

So ein kleineres Haus im Hammer Osten zu finden, ist nicht einfach. Es sollte ein Altbau sein, haben sich die Prills vor einigen Monaten gesagt. Bis ins Uentroper Dorf haben sie gesucht. „Wir hatten gehört, es sei schwierig, etwas Bezahlbares zu finden“, sagt Tanja Prill. Das bestätigte sich.

Wohnkomfort von einst: Für ein zweites Badezimmer oder eine Toilette ist im Obergeschoss kein Platz. Aber in der Vergangenheit war zumindest ein Waschbecken am Treppenabsatz eingebaut worden.

Zunächst waren es dann die Kontakte in der Zechensiedlung, über die die SPD-Ratsfrau- und Bezirksvertreterin Tipps bekam. Wenig später sahen die Prills das Angebot des Zechenhauses in einem Immobilienportal. „Wir haben sofort Kontakt aufgenommen“, sagt sie. Ende vergangenen Jahres war es dann ihre Doppelhaushälfte. Den Preis behalten sie für sich.

Dabei haben die beiden vor dem Kauf noch mit sich „gehadert“. Im Obergeschoss ist kein Platz für ein Bad. Nur ein Waschbecken befindet sich im offenen Flur des Treppenhauses. Ursprünglich hatte das Haus noch nicht einmal ein Bad. Ein Plumpsklo befand sich seinerzeit auf dem 560 Quadratmeter großen Grundstück. Anfang der 1980er-Jahre wurde der kleine, rückwärtige Anbau dann nicht mehr für die Nutzviehhaltung gebraucht und mit Badewanne und Toilette ausgestattet. Was sich heute nicht umbauen ließ, ist die Treppe hinunter zum ehemaligen Stall. Komfortabel ist das Bad also nicht zu erreichen, aber es ist was Besonderes und hat Charme.

Wo einst der Stall im rückwärtigen Anbau des Zechenhauses war, entstand später das einzige Bad mitsamt der Toilette. Die Prills werden es komplett erneuern. Viel Arbeit!

Strukturelle Veränderungen nahmen die Prills nur an den zwei Räumen im Erdgeschoss vor. Der Durchbruch zwischen Wohnzimmer und Küche ist Teil der „modernen Interpretation“. Dennoch halten die beiden an ihrem Ziel fest, so viel alte Bausubstanz wie möglich zu erhalten. Dabei betonen sie das „Ursprüngliche“. Was mit den Jahrzehnten nach und nach eingebaut wurde, kam raus. Dabei sind die beiden nicht vom Fach. „Wir sind keine Handwerker“, sagt sie über sich und ihren Mann, der Krankenpfleger ist. Zweifelsohne verfügen sie aber über handwerkliches Geschick. Wenn das nicht ausreicht, wissen sie Helfer und Profis zur Stelle.

Viel Arbeit und manchmal auch Nerven kostet die Sanierung, wenn zum Beispiel, wie in diesen Tagen, eine Materiallieferung auf sich warten lässt und die Arbeiten komplett stoppt. Im Juni möchten die Prills im neuen alten Haus sein.

Besondere Wohnatmosphäre im Zechenhaus in Werries

„Spannend“, nennt Tanja Prill die Zeit. „Ich freue mich darauf“, sagt sie mit Blick auf das zu erwartende Ergebnis. Mit ihrem Einsatz wollen sie ein Stück der Zechenkolonie erhalten. Sie ist ein bedeutender Teil der Werrieser Siedlungsgeschichte. Wer mit ihr leben möchte, muss eventuell Kompromisse eingehen. Die Prills gehen jedoch davon aus, dass die besondere Wohnatmosphäre ein unschlagbarer Gewinn sein wird.

Kurze Geschichte der Zechenkolonie Maximilian in Werries

Die Zechenkolonie Maximilian entstand in den Jahren 1911 bis 1914. 792 Wohnungen waren für Arbeiter, 25 für Angestellte erbaut worden. Das Zechendoppelhaus, in das die Familie Prill einziehen wird, ist vermutlich eines der ersten Gebäude. Laut Erzählungen der Vorbesitzerin soll es sich um ein Musterhaus gehandelt haben. Auslöser der Bautätigkeit war die Zeche Maximilian. Als die oberpfälzische Eisenwerksgesellschaft Maximilianhütte 1912 mit der Kohleförderung begann, mussten Arbeitskräfte her. Sie brauchten Wohnraum. 1908 waren am Grenzweg nur wenige Wohnungen für Steiger gebaut worden.

Nach Fertigstellung der Kolonie Maximilian und mit der Inbetriebnahme der Kokerei begann der Bau der Siedlung Ostwennemar. Bis 1918 entstanden dort weitere rund 300 Wohnungen, wie auch die zwölf einstigen Beamtenwohnungen im „Grünen Winkel“. Zu der Zeit wurden sie aber eigentlich schon nicht mehr benötigt. Wegen des Wassereinbruchs und mangels Pumpen hatte die Zeche bereits im August 1914 die Kohleförderung eingestellt. Sie war „ersoffen“. An die kurze Geschichte des Kohlebergbaus in Werries erinnern nach mehr als hundert Jahren noch die Siedlungen und der Besuchermagnet Maximilianpark. Vor dem Festsaal sind einige Exponate ausgestellt.

Schutz der Zechensiedlungen in Werries

Um die lokalgeschichtlich bedeutsame Zechenkolonie Maximilian zu erhalten, galt von 1980 bis 1996 eine Sanierungssatzung. Nachfolgend greift laut Stadt eine seit dem 8. April 1991 gültige Gestaltungssatzung für die Siedlungen. Darin werden zu mehreren Sachverhalten wie Neubau, Abriss/ Umgestaltung und Gewerken wie Dächer, Fenstern und Fassaden Vorgaben festgehalten. Dadurch soll die einheitliche Gestaltung der jeweiligen Siedlungen sichergestellt werden.

Das heißt, dort sind Änderungen an der Bausubstanz genehmigungspflichtig. Ein entsprechender Antrag wird dahingehend geprüft, ob eine Änderung der Gestaltungssatzung entgegensteht. „Darüber hinaus finden keine anlasslosen Kontroll-Patrouillen oder ähnliches durch die Siedlungen statt“, sagt Stadtsprecher Lukas Huster. Die Mitarbeiter der Stadt gingen aber konkreten Hinweisen beziehungsweise Nachfragen nach.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare