Hintergründe könnten nicht tragischer sein

Tod im Lockdown: Darum öffnete dieser Friseursalon nicht wieder

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Der Salon in der Oststraße in Hamm ist seit Wochen unverändert: Inhaberin Gisela Brown ist bereits Anfang April gestorben.

Hinter der Eingangstür stapeln sich Briefe, die Pflanzen haben ihre Blätter abgeworfen. Passanten wundert das, denn Friseure haben nach dem Corona-Lockdown ja längst wieder geöffnet. Doch der Salon von Gisela Brown in der Oststraße 50 in Hamm wird nicht wieder öffnen. Die Inhaberin ist im Alter von 63 Jahren gestorben.

Hamm – Während des Lockdowns machte sich wohl kaum jemand Gedanken über den Friseursalon in der Oststraße. Erst nachdem die Betriebe Anfang Mai wieder öffnen durften und sich wochenlang in dem Ladenlokal nichts bewegt hatte, kamen dann doch Fragen auf.

Warum wuchs der Briefestapel hinter der Tür kontinuierlich an? Darunter Paketkarten, Schreiben von Behörden... Was war mit der Inhaberin geschehen, die ihren Laden allein betrieb? Hatte sie ihr Geschäft mit der pink-türkisfarbenen Außenwerbung aufgegeben? Die Antworten könnten tragischer nicht sein. Gisela Brown ist Anfang April – also zur Hochzeit des Corona-Lockdowns – allein und zunächst unbemerkt in ihrer Wohnung in Hamm eines natürlichen Todes gestorben.

Nach WA-Informationen hatten sich Nachbarn gesorgt, weil auch hier der Briefkasten gefüllt war. Und weil die Wohnung nicht – wie sonst bei der Raucherin üblich – gelüftet worden war.

Dass es über drei Monate nach dem Tod der Inhaberin im Friseursalon an der Oststraße noch unverändert aussieht, hat einen guten Grund. Wie die Vermieterin, die namentlich nicht genannt werden möchte, auf WA-Anfrage mitteilt, seien Erbschaftsfragen noch nicht abschließend geklärt.

Tod einer Friseurin: Zugang vom Ladenlokal nicht möglich

„Wir waren geschockt, als wir über den Tod informiert wurden. Es gab für uns ja überhaupt keine Anzeichen. Jetzt liegt der Vorgang beim Nachlassgericht, und das scheint zu dauern“, so die Hauseigentümerin. Sie selbst habe keinen Zugang zum Ladenlokal und dürfe nicht aktiv werden, bevor eine gerichtliche Klärung erfolgt sei. Sie habe eine Anwältin eingeschaltet, um schnell Klarheit zu schaffen.

Abgesehen von der Briefeflut und welken Pflanzen wirkt der Salon, als sei er gestern erst abgeschlossen worden. Alle Arbeitsgeräte befinden sich an ihrem Platz, die handgeschriebene Preistafel steht im Schaufenster, dazu historische Fotos aus der Zeit des Wiederaufbaus, und ein Zeitschriftenangebot liegt bereit für große und kleine Kunden, die nun nicht mehr kommen.

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