Traditionsunternehmen in Nöten: Liebig sucht eine neue Bleibe

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Alfred Liebig sucht nach einem neuen Standort für sein Unternehmen.

Pelkum - Wie geht es weiter mit Jungpflanzen Liebig? Das Traditionsunternehmen aus Pelkum hat seinen Standort im Kirchspiel nach fast 60 Jahren aufgeben müssen. Bis Ende Mai ist der Betrieb in einem leer stehenden Gebäude in Hamm untergekommen. Nun sucht der Firmenchef eine Bleibe für die Zeit danach. Der Kündigung ging ein Streit mit dem Eigentümer der Immobilie voraus.

Die gute Nachricht zuerst: Insolvent ist Jungpflanzen Liebig nicht. Zwar musste Firmenchef Alfred Liebig zum 1. März die Gewächshäuser räumen, in denen seine Eltern den Betrieb einst aufgebaut hatten. Allerdings läuft der Betrieb weiter, bis Ende Mai in einem leer stehenden Gebäude in Hamm. Unklar ist, wo es danach weitergehen soll.

Mit dem Anbau von Gemüse, Chrysanthemen und Beetpflanzen haben sich die Eltern von Alfred Liebig 1961 im Kirchspiel selbstständig gemacht. In den 1970er Jahren legten sie einen Schwerpunkt auf den Vertrieb von Jungpflanzen. Alfred Liebig übernahm den Betrieb nach seiner Meisterprüfung und erweiterte ihn auf 1,7 Hektar Gewächshausfläche, das entspricht fast zweieinhalb Fußballfeldern. Er baut auch seltene Pflanzen an.

2008 gründete er die „Liebig Jungpflanzen Vertrieb UG“. Die geriet jedoch zwei Jahre später in eine finanzielle Schieflage, sodass das Objekt für 300.000 Euro zwangsversteigert wurde - an den neuen Eigentümer, die Firma Glas Tiefbau aus Bochum. „Mit dem Seniorchef der Firma Glas gab es die Vereinbarung, dass ich bleiben und das Anwesen später zurückkaufen kann. Ein Preis wurde aber nicht vereinbart“, sagte Liebig.

Wie viel ist das Gewächshaus wert?

Das rächte sich nun. Schließlich ist unklar, wie viel Liebig den neuen Eigentümern für den Betrieb hätte zahlen sollen. So hatten die neuen Eigentümer nach Angaben von Liebig fast das Doppelte des Kaufpreises verlangt, der neue Eigentümer Bernd Glas spricht davon, er habe Liebig die Immobilie für 450.000 Euro angeboten. Ein Gutachter habe im Jahr 2008 gar einen Wert von zwei Millionen Euro errechnet.

Liebig und Glas wurden sich nicht einig. Da Liebig jedoch jahrelang davon ausgegangen sei, die Immobilie irgendwann zurückzukaufen, habe er 60.000 bis 70.000 Euro in die Instandhaltung des Betriebes investiert, wie er sagt. Als klar war, dass er die Immobilie nicht kaufen würde, stellte er die Mietzahlungen ein, seit November 2017 zahlt er keine Miete mehr. Glas kündigte ihm, zum 1. März musste Liebig räumen.

Wie Liebig betonte, sollen alle vorhandenen Aufträge bis Ende Mai abgearbeitet werden. Dann hofft er, an anderer Stelle durchstarten zu können. Neben dem Vertrieb von Jungpflanzen gestaltet das Unternehmen Grünanlagen im Auftrag von Kommunen und lagert Großpflanzen von Privatkunden über den Winter ein. Mit der Bekämpfung des Buchsbaumzünslers und des Eichenprozessionsspinners hatte Liebig zuletzt ein weiteres Aufgabenfeld entdeckt.

Liebig ist für seine Kunden weiter erreichbar

Für seine Kunden ist er unter Telefon 0171/3120716 zu erreichen. Unterdessen kümmert sich ein Makler um die Vermarktung des Objekts. Möglich ist allerdings nur eine landwirtschaftliche beziehungsweise gärtnerische Nutzung des Anwesens. Nach Angaben von Bernd Glas habe es zwar schon Interessenten gegeben, ein Verkauf sei aber noch nicht erfolgt.

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