Tradition und Moderne: Die Geheimnisse von Hof Kraienhemke

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Heinrich Kraienhemke hat den Schwerpunkt seiner Landwirtschaft auf Gemüseanbau gelegt. Hier steht er auf einem Feld, auf dem Einlegegurken gezogen werden.

Heinrich und Ulla Kraienhemke betreiben in dritter Generation den Bauernhof im Hölter 12; die 4. Generation ist mit Sohn Andreas und Schwiegertochter Lara ebenfalls voll im Betrieb integriert. Wer zu dem Hof fährt, den empfangen zunächst Hühner und Gänse, doch der Schwerpunkt liegt ganz klar auf dem Gemüseanbau.

Bockum-Hövel – Auf über 40.000 Quadratmeter Ackerland und 3000 Quadratmeter Gewächshausfläche baut das Familienunternehmen über 50 Gemüsesorten an und dabei gibt es viel Altes und Neues zu entdecken. „Ob in unserem Hofladen oder auf den vielen Wochenmärkten in Hamm und der Region, das Thema Beratung ist immer sehr gefragt“, sagt Heinrich Kraienhemke.

Während in den 1970er und 1980er Jahren noch voll auf Ertrag und möglichst gleich aussehendes Gemüse gesetzt wurde, geht der Trend heute klar zur Rückbesinnung auf pestizidarmen, natürlichen Anbau und die Erzeugung traditioneller oder ganz neuer Sorten: „Jetzt haben wir gerade wieder Einlegegurken gepflanzt, die in gut einem Monat erntereif sind“, so der Seniorchef.

Viele Kunden freuen sich aber auch auf die lila Paprika, die bereits in den Gewächshäusern reifen, oder den traditionsgemäßen „Urkohl“, der im Herbst wieder angeboten wird. Was ihnen gemeinsam ist, sei der intensive, klassische Geschmack.

Auch lila Paprika reifen in den Gewächshäusern auf dem Hof Kraienhemke.

Vorteile alter und neuer Sorten kombiniert

„Heutzutage werden oft die Vorteile alter und neuer Sorten kombiniert, aber immer ganz klassisch nach der Mendelschen Vererbungslehre“, berichtet der gelernte Gärtner Kraienhemke. Gentechnik sei dabei komplett außen vor. Heutzutage habe bei vielen Kunden auch ein Umdenken eingesetzt, hin zum Wert der Inhaltsstoffe und des guten Geschmacks: „Da heißt es oft bei der Oma habe man so leckeres Stielmus gegessen und dann erklären wir am Stand auch mal schnell, wie man es am besten zubereitet“, sagt Ulla Kraienhemke. Manchmal seien die Leute auch irritiert, wenn sie Unbekanntes erblicken. Ob verschiedenfarbige Möhren, Paprika oder Kartoffeln, das seien keine Moden, sondern teils uralte Sorten. Auch Neues wie das „Flowers-Kraut“, eine Mischung aus Grün- und Rosenkohl, habe durchaus seinen Reiz.

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Das kann aber auch zu Irritationen führen: „Einmal hatte eine Kundin auf mein Anraten für den Salat Ochsenherztomaten gekauft und ihr Ehemann stand nach einer Stunde vor mir, was das denn wohl sein solle“, sagt die Expertin schmunzelnd. Die Tomaten dieser uralten Sorte sind bis zu 500 Gramm schwer, stark gerippt und im vergleich zur Strauchtomate sehr weich. „Die sollten schon am gleichen Tag verarbeitet werden, bieten aber ein für Fleischtomaten ungewöhnlich intensives Aroma“, sagt Heinrich Kraienhemke.

Heinrich Kraienhemke im Gwächshaus bei "seinen" Tomaten.

Innovative Wege bei Sorten und Anbau

Doch nicht nur bei den Sorten, auch im Anbau geht der Traditionsbetrieb innovative Wege: „Viele Leute meinen ja, wenn sie eine Spritze auf dem Acker sehen, da würde wieder Gift ausgebracht“, so Kraienhemke. Doch sei es wahrscheinlicher, dass es sich um Brennesseljauche handele, die etwa gegen Läuse wirke. Auch bei der Schädlingsbekämpfung durch Nützlinge und Nachhaltigkeit sind die Kraienhemkes Überzeugungstäter. Selbst die auf den Feldern oder im Gewächshaus genutzte Folie besteht nicht aus Plastik, sondern aus Mais- oder Kartoffelstärke. „Die sorgt für weniger Wasserverbrauch, angenehme Temperaturen im Boden und verrottet nach einem Jahr ganz natürlich“, so der Senior-Chef.

Immer wieder gebe es viel zu erklären, aber das täten sie gerne, sagt auch Junior-Chef Andreas Kraienhemke. Auch Besuche von Kitas, Schulen oder Landfrauengruppen seien stets willkommen, um die Produkte und guten, nachhaltigen Anbau zu erklären. „Ich freue mich ja auch wenn ein Kunde mich um Rat für den Anbau fragt und später berichtet, wenn es im eigenen Garten geklappt hat“, so Kraienhemke. Denn dann, so der Landwirt, steige auch die Achtung vor dem Produkt.

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