Gericht

Tochter will sich nach Rentner-Tod in Hamm doch äußern

Ein Fahrzeug der Kriminaltechnischen Untersuchung steht vor der Wohnung  an der Sachsenschleife.
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Kriminologen haben die Wohnung des Rentners an der Sachsenschleife untersucht.

Hamm - Überraschung im Prozess um die brutale Tötung eines 75-jährigen Rentners an der Sachsenschleife: Nach anfänglichem Schweigen will sich die wegen Totschlags angeklagte Tochter des Opfers nun doch zu den Vorwürfen der Staatsanwaltschaft äußern.

„Wir haben noch einmal ein langes Gespräch mit unserer Mandantin geführt“, sagten die beiden Verteidiger Peter Wehn und Karsten Possemeyer zu Beginn des neuen Verhandlungstages vor dem Dortmunder Schwurgericht. Sie benötigten zwar noch etwas Zeit, um die Erklärung der 47Jährigen zu Papier zu bringen. Danach solle diese jedoch umgehend im Prozess verlesen werden.

Zum Inhalt machten die Verteidiger noch keine konkreten Angaben. Ihre weitere Bitte an das Gericht ließ jedoch aufhorchen. Weil die 47-Jährige seit vielen Jahren regelmäßig Medikamente einnehmen soll, regten die Anwälte die Hinzuziehung eines psychiatrischen Sachverständigen an. „Möglicherweise kommt eine verminderte Schuldfähigkeit in Betracht“, so Wehn. Damit scheint klar, dass die Angeklagte ihre Beteiligung an der Bluttat zumindest nicht gänzlich bestreiten wird. Die Richter werden der Anregung der Verteidigung nachkommen. „Bislang fehlten uns für eine Begutachtung schlicht die Ansatzpunkte“, sagte der Vorsitzende Thomas Kelm. „Das ist jetzt anders. Und deswegen werden wir umgehend Kontakt mit einem Sachverständigen aufnehmen.“

Fest steht, dass diese Entwicklung das Verfahren sicher nicht beschleunigen wird. Bislang waren lediglich Verhandlungstage bis Mitte dieses Monats terminiert. Die Befragung von zwei Vernehmungsbeamten der Polizei als Zeugen geriet angesichts dieser Neuigkeiten fast zur Nebensache. Einer der Polizisten hatte am Tag nach der Bluttat an der Sachsenschleife Ende März die Angeklagte vernommen. Damals gab es noch keinerlei Verdachtsmomente gegen die 47-Jährige, weshalb sie lediglich als Zeugin und nicht als Beschuldigte befragt wurde. „Es war schon auffällig, dass sie nichts wirklich Gutes über ihren Vater zu berichten hatte“, erinnerte sich der Zeuge am Montag. „Sie gab an, dass ihr Bruder immer bevorzugt wurde, während sie es ihrem Vater nie wirklich recht machen konnte“, so der Polizist.

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