Winzig wohnen in Hamm

Tiny House-Hotel: Diese ungewöhnliche Anlage entsteht am Hamm

Ein Hotelzimmer auf Rädern: Vera Lindenbauer und Stefan Diekmann vor dem Tony-House-Modell „Lippe“
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Ein Hotelzimmer auf Rädern: Vera Lindenbauer und Stefan Diekmann vor dem Modell „Lippe“. Das Tiny House ist eines von acht, die an der Kanalkante vermietet werden.

Ganz in der Nähe der Hammer Innenstadt entsteht derzeit eine der ungewöhnlichsten Hotelanlagen Deutschlands. Wenn alles gut geht, werden im Januar die ersten Gäste in den Tiny Houses begrüßt.

Hamm - Sie sind echte Raumwunder, verströmen einen Hauch von Romantik und Individualität und wecken womöglich den Wunsch, vielleicht einmal dauerhaft anders zu wohnen: Tiny Houses (deutsch: „winzige Häuser“). Ab Januar stehen acht von ihnen im „Pier 9 Tiny House Hotel“ an der Hammer Kanalkante für Übernachtungsgäste zur Verfügung – immer vorausgesetzt, die Coronaschutzverordnung macht dies bis dahin wieder möglich. Dann wird die Stadt um eine Hotel-Variante reicher sein, die in Deutschland und wohl auch europaweit so geballt ihresgleichen sucht.

Momentan laufen auf dem rund 3500 Quadratmeter großen Grundstück an der Adenauerallee zwischen Theodor-Heuss-Schule und Kanalkante noch die Erschließungsarbeiten, doch voraussichtlich schon Anfang Dezember sollen dort die ersten bunten Holzhäuschen stehen. Weil sie auf einer Anhängerplattform aufgebaut sind, lassen sie sich fertig montiert leicht an den künftigen Standort manövrieren.

Hier direkt am Datteln-Hamm-Kanal werden derzeit die Bodenarbeiten für die Tiny Houses durchgeführt.

Gefertigt werden die mobilen Mini-Häuser allesamt in der Schreinerei und Zimmerei Heinz Diekmann an der Warendorfer Straße in Bockum Hövel. Geschäftsführer Stefan Diekmann und sein Team widmen sich dem Thema Tiny Houses inzwischen seit fünf Jahren. Vereinzelt standen die Häuschen bisher auf Campingplätzen und kamen dort laut Diekmann gut an. Dann entstand daraus die Idee für das „Pier 9 Tiny House Hotel“. Für Diekmann erfüllt es neben der Vermietung noch einen weiteren Zweck: „Das ist auch eine Art Muster-Park, in dem Interessierte vielleicht auf ihr eigenes künftiges Tiny House stoßen.“

Dachverband

Tiny House Diekmann ist Gründungsmitglied im Tiny House Dachverband, dem Sprachrohr der Branche. Diekmann ist Zweiter Vorsitzender. (https://www.tiny-house-verband.de)

Tiny-House-Hotel in Hamm: Klein aber komplett ausgestattet

Auf einer Plattformlänge zwischen 5,40 und 7,20 Meter und einer Wohnfläche ab 17 Quadratmeter bieten die bunten Häuschen allen Komfort eines normalen Hotelzimmers, inklusive Kochzeile und Bad mit Dusche. Je nach Bauart verfügen manche sogar über ein Loft mit Liegefläche, ein anderes sogar über einen Wellnessbereich. Das Raumkonzept ist ausgeklügelt, Stauraum geschickt in den Einbauten versteckt. Weil die Häuser über eine entsprechende Dämmung verfügen, sind sie ganzjährig bewohnbar. Viele Fenster lassen Licht in den Innenraum, auch ins Bad.

Je nach Saison kostet die Übernachtung zwischen 89 und 119 Euro. Die Herstellungskosten für eines der rollenden Hotelzimmer beziffert Diekmann je nach Variante auf 45.000 bis 55.000 Euro. Ein individuell gefertigtes Tiny House für Privatkunden liege im Schnitt bei rund 60.000 Euro.

Tiny House Hotelanlage entsteht am Kanal in Hamm 

Tiny House Hotelanlage am Kanal in Hamm
Tiny House Hotelanlage am Kanal in Hamm
Tiny House Hotelanlage am Kanal in Hamm
Tiny House Hotelanlage am Kanal in Hamm
Tiny House Hotelanlage entsteht am Kanal in Hamm 

Tiny-House-Hotel in Hamm: Namen heimischer Flüsse

Weil der Standort am Wasser liegt, sollte auch der Name maritim klingen. „In einer Kreativsession entstand dann Pier 9“, sagt Vera Lindenbauer, bei Diekmann zuständig für Projektentwicklung und Öffentlichkeitsarbeit im Bereich Tiny House. Die Hausnummer Adenauerallee 9 sei erst nach der Namensfindung zugeteilt worden – ein schöner Zufall. Neben den Miethäusern wird es ein Musterhaus und eine Rezeption geben. Alle Hotel-Häuser tragen die Namen heimischer Flüsse oder Gewässer wie Lippe, Ahse, Ruhr, Wupper oder Möhne.

Angesprochen ist laut Stefan Diekmann eine breite Zielgruppe: Reisende grundsätzlich, Gäste von Familienfeiern, Menschen, die Individualität suchen, Radfahrer (die Römer-Lippe-Route grenzt direkt an) oder auch Tiny-House-Interessenten. Eines sind die Häuschen angesichts ihrer Bauweise allerdings nicht: barrierefrei.

Tiny-House-Hotel in Hamm: Lob für Zusammenarbeit

Das Grundstück, das einmal als Parkplatz für einen Angelverein diente, befindet sich im Eigentum der Bima (Bundesanstalt für Immobilienaufgaben) und ist von Diekmann gepachtet. Die Bima hält es als Optionsfläche für eine mögliche Kanalverbreiterung. Ausdrücklich lobt Stefan Diekmann die Zusammenarbeit mit der Hammer Bauverwaltung. „Wir sind mit unserer Idee mit offenen Armen empfangen worden“, so Diekmann. Immerhin gehört er mit seiner Idee zu den Pionieren, die der Kanalkante ein neues Gesicht geben.

Auf Dauer will er den Service für seine Gäste um einen Kanu-Verleih, Stand-Up-Paddling und einen Fahrradverleih erweitern.

Eine andere alternative Übernachtungs-Idee ist kürzlich in Uentrop gescheitert: das Sleeperoo.

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