Tierpark Hamm setzt langfristig weniger auf Exoten

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Wenn der Tiger stirbt, soll es nach derzeitigem Ansatz des Tierparks nicht automatisch einen Ersatz geben.

Hamm - Der Hammer Tierpark soll langfristig einen regionalen Ansatz verfolgen. Dazu soll der Tierbestand über einen längeren Zeitraum behutsam weiterhin reduziert werden. Das sagte Tierpark-Geschäftsführer Kay Hartwich nach der Aufsichtsratssitzung.

Der neue Ansatz bedeute aber nicht das Aus für den Hammer Tiger oder andere exotische Tierarten. Aktuell leben 550 Tiere im Hammer Zoo, die 80 Arten angehören. „Von der Feldmaus bis zum Tiger bieten wir fast die gesamte Palette und damit eine riesige Bandbreite.“ Die Haltung erfordere einen großen Aufwand, auch in finanzieller Hinsicht. Die Frage sei, ob das in Zukunft weiterhin notwendig sei. Das bedeute nicht, dass der Tierpark alle exotischen Tiere, die jetzt im Bestand sind, abgeben werde.

Hammer Tierpark "spielt" in einer anderen Liga

Wenn aber zukünftig exotische Tiere sterben, soll es keine Neuanschaffung auf demselben Level geben. Wenn beispielsweise der Tiger gestorben sei, werde es keinen Automatismus geben, einen neuen Tiger anzuschaffen. „Mit den großen Zoos werden wir ohnehin nie mithalten können“, sagte Hartwich. Da würden teilweise Investitionen in der Größenordnung von über 100 Millionen Euro getätigt – zum Beispiel in den Nachbarstädten Dortmund und Münster. „Das ist nicht unsere Liga.“ Weder sollte sich der Hammer Tierpark auf die Anschaffung weiterer großer exotischer Tierarten wie Elefanten oder Giraffen kaprizieren, noch in begleitende Infrastruktur investieren, auf die sich Freizeitparks wie das Phantasialand in Köln-Brühl oder Fort Fun im Sauerland spezialisieren. Dieser Trend komme aus Amerika und werde auch in großen deutschen Zoos zurzeit nachgeahmt, sagte Hartwich. Im Ergebnis könnten Besucher dann beispielsweise mit einer Wasserrutsche direkt bis vor das Eisbären-Gehege fahren. „Solche Pläne sollten wir gar nicht erst verfolgen“, sagte er.

Regionalität von großer Bedeutung zum Erhalt seltener heimischer Arten

Den Schwerpunkt nach und nach auf Regionalität auszurichten, sei keineswegs langweilig. „Als anerkannter Zoo haben wir auch einen Auftrag für den Artenschutz.“ Es werde darum gehen, heimischen Tierarten, die selten geworden oder vom Aussterben bedroht sind, einen festen Platz im Hammer Tierpark zu geben und auch Möglichkeiten der Zucht für diese Arten zu schaffen. „Wir halten heute beispielsweise schon geschützte Haustierrassen wie Vierhornziegen, gecheckte Bergschafe und Skudden.“

Entwicklung einer "Arche Zoo"

Das könne ein Ausgangspunkt sein, um zwei Dinge miteinander zu verbinden – den heutigen Streichelzoo zu einem Kinderbauernhof weiterzuentwickeln und das unter den Oberbegriff „Arche Zoo“ zu stellen. Der Beitrag zum Artenschutz sei gewissermaßen der Mehrwert der Freizeiteinrichtung Tierpark. Im Ergebnis bedeute das, dass künftig nicht jedes freiwerdende Gehege sofort wieder mit einer Neuanschaffung besetzt werden wird. „Wir wollen den regionalen Ansatz behutsam entwickeln und Schritt für Schritt ausbauen“, sagte Hartwich. Innerhalb der nächsten zehn Jahre werde der Hammer Tierpark sicherlich ein erkennbar anderes Profil entwickelt haben. Das sei auch eine gute Plattform für eine Zoo-Schule als Angebot für Schulklassen und Kindergartengruppen

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