Bedrohte Tierart fühlt sich hier wohl

Abhängen im Tierpark mit Zootier des Jahres

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Weißhandgibbon „Frodo“ klettert durchs Gehege.

Hamm - Nach dem Leopard, dem Kakadu und der Scharnierschildkröte ist der Gibbon Zootier des Jahres 2019. Das sorgt im Hammer Tierpark für Freude: Denn dort lebt ein ganz besonderes Exemplar dieser Gattung.

„Es ist schön, dass der Gibbon gewürdigt wird“, sagt Klaus Schöttner, Revierpfleger im Hammer Tierpark. „Über die bedrohliche Situation der Tiere, die ursprünglich in Südostasien leben, ist bei uns noch kaum etwas bekannt.“ Zu seinen Schützlingen im Park gehört eine lebende Rarität: Borneo-Gibbon-Dame „Franziska“ ist mit mindestens 52 Jahren nicht nur hoch betagt, sondern auch das einzige Tier in deutschen Zoos und weltweit eines von fünf.

In dieser Woche widmet der Tierpark seine täglichen Aktionen dem Zootier des Jahres. Wer Schöttner und seinen Kollegen vor den Gehegen zuhört, erfährt Wissenswertes über die kleinsten Menschenaffen. Ob natürliche Lebensräume, Gewohnheiten oder Speiseplan – Besucher werden auf ihre Fragen ausführliche Antworten erhalten. Und natürlich ganz speziell auch zu den Tieren, die im Hammer Zoo leben: über Borneo-Gibbon-Dame „Franziska“ mit ihrem Unka-Gibbon-Partner „Franz“ als Senioren der Truppe sowie „Charly“, „Lara“, „Spider“ und „Frodo“ als Vertreter der Weißhand-Gibbons.

1968 wurden „Franziska“ und „Franz“ der Natur entnommen. Aus Singapur führte ihr Weg über Wuppertal und Dortmund schließlich nach Hamm. Hier leben die beiden seit 1991. Ein Paar sind sie schon fast ihr Leben lang, denn Gibbons sind monogam und bleiben ihrem jeweiligen Partner in der Regel treu. Als der Zoo in Rostock vor einigen Jahren anfragte, ob „Franziska“ für einen männlichen Vertreter der Borneo-Gibbons, der damals noch dort lebte, abkömmlich sei, erhielt Rostock eine Absage. „Wir hätten die Tiere niemals trennen können“, sagt Schöttner.

Unka-Gibbon „Franz“ unter der Wärmelampe.

Dass der Gibbon in diesem Jahr im Fokus steht, lässt die Hammer Zoo-Bewohner erwartungsgemäß kalt. Sie tun das, was sie immer tun: abhängen, durchs Gehege schwingen oder bei kalten Temperaturen wie jetzt ihre Wärmelampen und den warmen Stein im „Senioren“-Gehege genießen. Um ihre Reviere voneinander abzugrenzen, stimmen sie gut hörbar bisweilen ihren „Gesang“ an.

Schöttner kennt jedes Tier mit seinen Eigenheiten. „Der eine mag lieber schwarzen Tee, der andere Fruchtsaft, der eine bevorzugt Reis, der andere Nudeln“, sagt Schöttner. Manches Verhalten mute geradezu menschlich an: „Gibbons sind wie alte Ehepaare. Sie streiten sich und gehen sich aus dem Weg. Abends sitzen sie dann wieder zusammen und kuscheln“, sagt der Revierpfleger, der sich seit 44 Jahren um die Parktiere kümmert.

Revierpfleger Klaus Schöttner vor dem Gehege von „Franz“ und „Franziska“, die mit über 52 Jahren ein beachtliches Alter erreicht haben. In freier Natur werden die Tiere 25 bis 30 Jahre alt. Unterschieden wird zwischen 20 Arten.

Vermenschlichung oder Haustiercharakter haben allerdings ihre Grenzen: Gibbons sehen zwar putzig aus, aufgrund ihrer bis zu 4,5 Zentimeter langen Eckzähne belegen sie neben großen Raubkatzen, Antilopenböcken oder Kamelhengsten auf der Gefährlichkeitsskala die höchste Stufe. „Wenn sie schwingend zufassen, kann das zu erheblichen Verletzungen führen“, so Schöttner.

In der freien Natur sind Gibbons akut bedroht, weil ihre Lebensräume hoch oben in den Bäumen durch die Zerstörung des Regenwalds verschwinden. Zudem werden Muttertiere abgeschossen, damit ihre Jungtiere in Asien als beliebte Haustiere gehalten werden können. Die Artenschutzkampagne „Zootier des Jahres 2019“ unterstützt zwei wichtige Gibbon-Schutzprojekte in den südostasiatischen Ursprungsländern.

Aktionen:

In dieser Woche gibt es täglich um 14 Uhr „Beschäftigung“ und „Keeper-Talk“ mit den Borneo- beziehungsweise Weißhand-Gibbons.

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