Vorbereitung auf Wiedereröffnung in Corona-Zeiten

Mensch, wo bist du? Tiere im Tierpark vermissen Besucher

Das Erdmännchen und das Kängeru sind eigentlich an Gäste vor ihrem Zaun gewohnt.
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Das Erdmännchen und das Kängeru sind eigentlich an Gäste vor ihrem Zaun gewohnt.

Die Hoffnung im Hammer Tierpark war groß, als Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten über Lockerungen in der Corona-Krise berieten. Und anfangs schien es auch so, als ob der Hammer Tierpark ab Montag wieder öffnen könnte.

Hamm – Oberbürgermeister Thomas Hunsteger-Petermann musste zurückrudern und die am Mittwoch verkündete baldige Öffnung wieder zurücknehmen. Tierparkleiter Sven Eiber hätte natürlich gerne baldmöglichst wieder Gäste im Tierpark begrüßt, doch so bleiben ihm und seinen Mitarbeitern mehr Zeit, um weiter am Hygienekonzept zu feilen und alles für eine spätere Eröffnung vorzubereiten. (Nur der Safaripark Stukenbrock öffnet schon wieder.)

Genaue Vorgaben hätte er noch nicht bekommen, klar sei aber, dass die Abstandsregelungen eine große Rolle spielen werden. Vor allem am Eingang gelte es dafür zu sorgen, dass sich die Besucher nicht zu nahe kommen. Hier könnten die aus den Supermärkten erprobten Markierungen auf dem Boden eine Möglichkeit sein, den nötigen Abstand zu waren. Aber auch auf den Wegen gelte es die Besucher zu steuern. „Es nützt ja nichts, wenn die Gäste an der Kasse schön Abstand halten, und sich im Park alles drubbelt“, sagt Eiber. Einbahnstraßenregelungen wie am Phönixsee in Dortmund gehören zu den Überlegungen eines Wegekonzepts. Vielleicht dürfe man auch nur eine bestimmte Anzahl an Menschen in den Tierpark lassen, lautet ein weiteres Gedankenspiel.

Selbstverständlich werde man dafür sorgen, dass in den Toiletten genügend Seife zum Händewaschen und auch Desinfektionsmittel vorhanden seien.

Eiber erhofft sich vom Land auch klare Vorgaben, ob der Spielplatz zeitgleich mit der Eröffnung auch genutzt werden dürfe. Derzeit sind ja landesweit noch alle Spielplätze gesperrt. Ein weiteres Fragezeichen steht hinter der Gastronomie. Zumindest einen Außer-Haus-Verkauf aus dem Kioskfenster von Currywurst und Eis erhofft sich der Tierparkchef. Schließlich tragen die Einnahmen aus der Gastro auch mit zur Finanzierung des Tierparks bei.

Zuschüsse von der Stadt Hamm

Denn auch wenn derzeit keine Besucher kommen dürfen, so laufen doch die Kosten ja weiter. „Die Tiere haben ja trotzdem Hunger“, sagt Eiber. Deshalb ist er auch froh, die Stadt als Mitgesellschafter im Rücken zu haben. Dank der Zuschüsse seien die Versorgung der Tiere und die Gehälter der Mitarbeiter gesichert.

Und das sei nicht selbstverständlich, sagt Eiber mit Blick auf den Tierpark in Neumünster in Schleswig-Holstein, der in akuten Finanzschwierigkeiten ist und eine Liste erstellt hat, welche Tiere man notfalls als erste schlachten müsse. „So etwas droht uns in Hamm nicht“, betont der Tierparkchef ausdrücklich und fügt hinzu: „Solche Notfallpläne öffentlich zu machen, ist ein Schrei nach Hilfe.“

Hilfe bräuchten allerdings alle Tierparks und Zoos in Deutschland in der Corona-Krise, deshalb schließe er sich der Forderung nach Fördergeldern an, die der Verband der Zoologischen Gärten (VdZ) erhoben habe.

Denn auch in Hamm seien durch die wochenlage Schließung Einnahmen weggebrochen. „Gerade die Osterzeit ist unser Kerngeschäft“, sagt Eiber. Mit Blick auf das traumhafte de Wetter der letzten Wochen will er gar nicht nachrechnen, wie viele Besucher hätten kommen können.

Tierpark im Frühling ohne Gäste - aber mit vielen Geburten

Der Tierpark Hamm im Frühling mit vielen Geburten
Der Tierpark Hamm im Frühling mit vielen Geburten
Der Tierpark Hamm im Frühling mit vielen Geburten
Der Tierpark Hamm im Frühling mit vielen Geburten
Tierpark im Frühling ohne Gäste - aber mit vielen Geburten

Im Frühjahr besonders viele Jungtiere

Tatsächlich lohne es sich gerade im Frühjahr den Tierpark zu besuchen, weil derzeit viele Jungtiere geboren worden seien. So hätte etwa die Elenantilopen, Ziegen und Kängurus Nachwuchs bekommen.

Und die Tiere im Park vermissen die Besucher sehr, da ist sich Eiber sicher. „Wenn ich alleine durch den fast menschenleere Tierpark gehe, kommen die Tiere sofort neugierig an ihre Gitter und schauen erwartungsvoll“, schildert der Tierparkleiter.

Zootiere seien an Menschen gewöhnt – und weil die derzeit fehlen, lassen sich die Tierpfleger einiges einfallen, um die Tiere zu beschäftigen: Sie verstecken das Futter an ungewöhnlichen Orten oder bauen extra Gerätschaften als Futterverstecke. „Die Affen sind derzeit entspannter als sonst“, hat Eiber beobachtet, „aber ihnen und allen anderen fehlt die Interaktion mit den Besuchern.“

Deshalb hoffen der Tierparkchef und seine Mitarbeiter auf das nächste Treffen von Kanzlerin Merkel mit den Ministerpräsidenten. Vielleicht wird dann ja ein Termin für die Eröffnung der Zoos und Tierparks verkündet. Für etwas Normalität bei den Tieren.

Coronavirus in Hamm - weitere Infos:

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