Volle Kirchen

Ticket zu Gott: Eintrittskarten für beliebte Heiligabend-Gottesdienste in Hamm?

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Nur ein Szenario: In diesem Jahr wird es auch für die Pauluskirche keine Eintrittskarte zum Weihnachtsgottesdienst geben.

Hamm - Eine Gemeinde in Essen will Eintrittskarten für die beliebten Heiligabend-Gottesdienste verteilen. Wir haben bei Hammer Geistlichen nachgefragt, was sie von der Aktion halten.

Mit der Frömmigkeit ist es so eine Sache. Während viele Kirchenbänke im gewöhnlichen Sonntagsgottesdienst nur spärlich besetzt sind, drängen sich die Gemeindemitglieder an Heiligabend geradezu in die Gotteshäuser. Das ist auch in Hamm nicht anders. Trotzdem – so betonen Evangelische wie Katholische Kirche – wird es auch in diesem Jahr wieder für jeden einen Platz geben. Eintrittskarten für die beliebten Gottesdienste wie in einer Gemeinde in Essen wird es in Hamm nicht geben.

Die Nachricht klang für viele Gläubige wie ein adventlicher Aprilscherz. Eintrittskarten für den Gottesdienst? Unvorstellbar. Im vergangenen Jahr war es vor der besagten Kirche in Essen-Haarzopf allerdings gar nicht besinnlich zugegangen. Mehrere Gäste hatten sich kurz vor Beginn des Gottesdienstes in die Haare bekommen, weil im Innenraum nicht mehr genug Plätze für alle frei waren. Durch die Eintrittskarten soll der immense Ansturm am 24. Dezember abgefedert werden.

Neben den „unschönen Diskussionen“ sollen auch Sicherheitsbestimmungen ausschlaggebend für die Entscheidung gewesen sein. Das Kirchengebäude mit 333 Plätzen war 2013 wegen Einsturzgefahr saniert worden, seitdem darf es nur unter Auflagen betreten werden.

Hammer Kirchenvertreter sind sich einig

Ist das auch in Hamm möglich oder gar nötig? „Nein“, sagen Dr. Tilman Walther-Sollich, Pfarrer für Öffentlichkeitsarbeit und politische Diakonie im Evangelischen Kirchenkreis Hamm, und Bernd Mönkebüscher, Leiter des Pastoralverbundes Hamm-Mitte-Osten. Walther-Sollich hat für den ungewöhnlichen Schritt aber Verständnis. „Ich finde es nachvollziehbar. Die Sicherheitsbestimmungen sind über die Jahre deutlich schärfer geworden. Die Sensibilität für Gefahren ist hoch“, sagt er.

Brennende Kerzen seien ein reales Sicherheitsrisiko. Komme es in einer überfüllten Kirche zu einer Massenpanik, würden die ehrenamtlichen Kirchenvorstände haftbar gemacht. „Das gilt es zu verhindern. Nicht unbedingt mit Eintrittskarten, aber mit Augenmaß. Immer den räumlichen Gegebenheiten entsprechend“, so Walther-Sollich.

"Kann man nicht begrenzen"

Auch die katholischen Kirchen in Hamm sind wie die evangelischen Gotteshäuser an Weihnachten voll besetzt. „Kirchen sollten trotzdem immer offen stehen“, meint Bernd Mönkebüscher. „Das kann man nicht begrenzen.“ Wenn alle Besucher aufeinander achten und die Wege frei blieben, werde es auch in diesem Jahr keine Probleme geben.

Dass ausgerechnet an den Weihnachtstagen besonders viele Gemeindemitglieder kommen, die sonst selten den Weg zur Kirche finden, bekümmert Mönkebüscher nicht. „Das ist trotzdem schön“, sagt er. „Für diejenigen die kommen, hat Weihnachten einen großen Wert.“

Besucher sind gehetzt

Was beiden Geistlichen auffällt: Die Menschen hetzen zwischen diversen Terminen regelrecht in die Kirche. „Viele Leute kommen erst knapp vor dem Beginn des Gottesdienstes und sind dann überrascht, dass keine Plätze mehr frei sind“, sagt Mönkebüscher. Walther-Sollich rät den Gläubigen, früh zu kommen und auch mal die weniger stark frequentierten Veranstaltungen am späten Abend oder dem 1. Weihnachtsfeiertag zu besuchen. Dann klappe es auch mit einem freien Sitzplatz – ganz ohne Eintrittskarte.

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