THTR: Fragen bleiben wohl unbeantwortet

Düsseldorf/Hamm - Die Frage, ob 1986 tatsächlich am damaligen THTR vorsätzlich Radioaktivität freigesetzt wurde, dürfte zunächst unbeantwortet bleiben.

Diese Auffassung vertrat Burkhard Lüer als Vertreter der NRW-Atomaufsicht am Abend in einer Aussprache im Umweltausschuss des Landtages. „Es gibt keine Hinweise, dass es so gewesen sein könnte“, versicherte der Fachmann aus dem Wirtschaftsministerium. Er habe mit Dr. Hermann Schollmeyer, der vor drei Jahrzehnten im Hammer Atomkraftwerk für die Abschaltstäbe und die fünf Dampfturbinen zuständig war, telefoniert. „Er konnte die Aussage nicht untermauern oder beweisen“, berichtete er.

„Es gibt bis heute keinen Ansatz, dass es eine mutwillige Freisetzung gab.“ Bisher war von einem versehentlichen Austritt die Rede gewesen. Schollmeyer hatte jüngst erklärt, dass das Tschernobyl-Unglück genutzt worden sei, um – möglichst unbemerkt – radioaktive Partikel abblasen zu können. Lüer versicherte, dass Schollmeyer im Gespräch lediglich mitgeteilt habe, dass es sich um im Raum Hamm allgemein vorhandene Informationen handele. „Das war Absicht“, hatte der 83-jährige THTR-Experte allerdings gegenüber dem WA Vorsatz unterstellt.

Der Atomaufsicht-Vertreter nahm auch zur damaligen radiologischen Belastung Stellung: Die sei „außerordentlich gering“ und „ohne schädliche Wirkung“ gewesen, erklärte er auf der Grundlage der damaligen Stellungnahmen. Er verwies auf den damaligen Bericht an den Landtag, dessen Inhalt allerdings von THTR-Gegnern angezweifelt wird. In der aktuellen Stellungnahme der Atomaufsicht seien die bekannten Informationen „stumpf“ wiederholt worden, kritisierte der Piraten-Abgeordnete Hanns-Jörg Rohwedder die Ausführungen, der die aktuelle Stellungnahme beantragt hatte. „Skandalös und unzureichend“ und eine „Missachtung des Landtages“ seien die Erläuterungen der Landesregierung.

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Es gebe „erhebliche Ungereimtheiten“, so dass der Verdacht der „gezielten Manipulation“ trotz fehlender Beweise bestehen bleibe. Er habe Zweifel, ob die Atomaufsicht heute besser arbeite, so der Pirat. Ein SPD-Parlamentskollege Reiner Christian Thiel hielt ihm vor, künstlich einen Skandal herbeireden zu wollen. „Die Episode Atomkraft in NRW ist beendet“, verwies er darauf, dass der THTR wenig später abgeschaltet worden sei. „Wir müssen uns der Zukunft zuwenden Grünen-Parlamentarier Hans Christian Markert berichtete, damals selbst bei einigen Demos in Hamm dabei gewesen zu sein. Es sei eine „weit verbreitete Auffassung“ gewesen, dass die Tschernobyl-Katastrophe zur Vertuschung von Störfällen genutzt worden sei, aber das sei jetzt eine rückwärts gewandte Diskussion. Es gelte, die aktuellen Gefahren der belgischen Atommeiler aufzuzeigen. „Wir müssen uns der Zukunft zuwenden, Wir sollten nicht nachkarten. Das führt uns keinen Schritt weiter.“

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