Was Thorsten W. vorgeworfen wird

Terrorzelle „Gruppe S.“: Mitarbeiter der Polizei Hamm jetzt offiziell angeklagt

Thorsten W. aus Hamm ist Teil der mutmaßlichen Terrorgruppe. So präsentierte sich der Polizei-Verwaltungsbeamte und Terror-Unterstützer im Netz am liebsten.
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Thorsten W. aus Hamm: So präsentierte sich der Polizei-Verwaltungsbeamte und Terror-Unterstützer im Netz am liebsten.

Thorsten W., Verwaltungsabeamter bei der Polizei Hamm, ist angeklagt, ein Unterstützer der mutmaßlichen Terrorzelle „Gruppe S.“ gewesen zu sein. Das bestätigte ein Sprecher der Generalbundesanwaltschaft (GBA) in Karlsruhe am Freitagvormittag auf WA-Anfrage.

Hamm/Karlsruhe - Dem 51-Jährigen Thorsten W., der seit Mitte Februar 2020 in Untersuchungshaft sitzt, werde vorgeworfen, die Gruppe mit einem „namhaften Geldbetrag“ für den Ankauf von Waffen unterstützt haben zu wollen. Das habe er bei einem Treffen der Mitglieder im Februar 2020 angekündigt. Nach Erkenntnissen der Bundesanwaltschaft sollten 50.000 Euro für den Waffenankauf akquiriert werden. Nach Informationen unserer Zeitung soll Thorsten W. 5000 Euro in Aussicht gestellt haben.

Die Bundesanwaltschaft hat die Anklage am 4. November 2020 vor dem Staatsschutzsenat des Oberlandesgerichts Stuttgart erhoben. Elf weiteren Angeschuldigten aus mehreren Bundesländern wird die Mitgliedschaft in einer rechtsterroristischen Vereinigung vorgeworfen.

Thorsten W. aus Terrorzelle „Gruppe S.“: Bürgerkriegsähnliche Zustände Ziel

In der Anklageschrift ist laut GBA im Wesentlichen folgender Sachverhalt dargelegt:

Acht Beschuldigte - darunter ist nicht Thorsten W. - sollen im September 2019 die rechtsterroristische Vereinigung „Gruppe S.“ gegründet haben. Die Gründungsmitglieder zielten laut Anklage darauf ab, mit ihrer Vereinigung die Staats- und Gesellschaftsordnung der Bundesrepublik Deutschland zu erschüttern und letztlich zu überwinden. Zu diesem Zweck sollten durch Angriffe auf Moscheen und die Tötung oder Verletzung einer möglichst großen Anzahl dort anwesender muslimischer Gläubiger bürgerkriegsähnliche Zustände herbeigeführt werden. Es wurde auch erwogen, gewaltsam gegen politisch Andersdenkende vorzugehen. Einer der Hauptbeschuldigten (Werner S.) soll bereits zum damaligen Zeitpunkt eine scharfe Pistole mit sich geführt haben, mit der er am Ort des Treffens auch Schießübungen durchführte.

Spätestens am 3. Oktober 2019 erfolgte laut GBA der Beitritt von zwei weiteren jetzt Angeklagten, im Januar kamen ein weiterer hinzu. Ziel sei es gewesen, noch weitere Mitglieder zu gewinnen.

Thorsten W. aus Terrorzelle „Gruppe S.“: Bereitschaft zur Unterstützung

Um ihr Vorhaben in die Tat umsetzen zu können, trafen sich die Angeschuldigten laut GBA auch nach dem Gründungstreffen in unterschiedlichen Besetzungen mehrfach persönlich. „Diese Zusammenkünfte wurden wiederum durch Werner S. koordiniert, der in einigen Fällen durch den Beschuldigten Tony E. unterstützt wurde. Zudem standen die Angeschuldigten untereinander über Chatgruppen verschiedener Messenger-Dienste sowie telefonisch in Kontakt“, so der GBA in einer am Freitag veröffentlichten Pressemitteilung.

„Im Laufe der Zeit wurde innerhalb der Vereinigung der Entschluss gefasst, sich für die ins Auge gefassten Anschläge Schusswaffen zu beschaffen. Der hierfür notwendige und in Höhe von 50.000 Euro veranschlagte Geldbetrag sollte dabei durch die Mitglieder aufgebracht werden. Lediglich Paul-Ludwig U. sah sich aus wirtschaftlichen Gründen dazu nicht in der Lage. Die übrigen Mitglieder hingegen sagten zu, jeweils namhafte Beträge im vierstelligen Bereich beizusteuern. Auch der Angeschuldigte Thorsten W. als Nicht-Mitglied erklärte seine Bereitschaft, die Vereinigung für den Waffenerwerb finanziell zu unterstützen.“

Thorsten W. aus Terrorzelle „Gruppe S.“: Einer der Beschuldigten ist tot

Der Angeschuldigte Paul-Ludwig U. befindet sich auf freiem Fuß. Die übrigen Angeschuldigten wurden am 14. Februar 2020 vorläufig festgenommen und am Folgetag dem Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs vorgeführt, der gegen sie den Vollzug von Untersuchungshaft angeordnet hat.

Ulf R., der ebenfalls am 14. Februar 2020 vorläufig festgenommen worden war, ist tot: Er nahm sich während der gegen ihn vollzogenen Untersuchungshaft das Leben.

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