Anmelde-Start

Hammer braucht Stunden, um Impftermin für alte Mutter zu machen - Protokoll eines Frusttages

Hammer Manfred Möller macht einen Impftermin für seine 95-jährige Mutter
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Computer, Telefon, Smartphone – Manfred Möller hatte alles griffbereit, um schnellstmöglich einen Impftermin zu ergattern.

Der Start der Impftermin-Vergabe für die über 80-Jährigen lief am Montag chaotisch ab. Viele Hammer hörten über Stunden nichts außer das Besetzt-Zeichen ihres Telefons – und auch bei der Online-Terminvergabe gab es Probleme.

Hamm – Dennoch gab es unter den rund 11.500 Impfberechtigten in Hamm ein paar Glückliche, die am ersten Tag einen der begehrten Termine ergattern konnten. Dazu gehört auch Manfred Möller. Der 67-Jährige vereinbarte den Termin für seine 95-jährige Mutter. Wir haben ihn dabei begleitet. (News zum Coronavirus in Hamm)

7.40 Uhr: Bis zum offiziellen Anmeldestart sind es noch 20 Minuten. Manfred Möller sitzt aber schon an seinem Computer. Die Internetseite der 116117 ist geöffnet, das Telefon und eine Kopie des Briefes, den seine Mutter am Wochenende von der Stadt erhalten hat, liegen daneben. Möller ist entspannt. Er rechnet nicht damit, beim ersten Anruf gleich durchzukommen. „Ich stelle mich darauf ein, dass es lange dauern wird, weil alle um 8 Uhr starten werden“, sagt er. Er wird recht behalten.

7.45 Uhr: „Probieren wir es doch einfach schon mal“, sagt Möller und klickt sich durch die Felder der Internetseite bis „hier Impftermin vereinbaren“ erscheint. Doch noch taucht NRW in der Auswahl nicht auf.

7.55 Uhr: Möller lädt die Seite erneut und tatsächlich ist jetzt das Impfzentrum in Hamm aufgelistet. Später am Tag wird die Seite umgestaltet werden, noch lassen sich aber alle Impfzentren in NRW anwählen. Der kurze Glücksmoment dauert nicht lange an, denn nun wird ein zwölfstelliger Code angefordert. „Den hab ich nicht“, sagt er verwirrt.

8.01 Uhr: Nach ein paar weiteren Klicks ist klar, der Code kommt per Mail, aber vorher gibt es noch einen Code per SMS, der bestätigt werden muss. „Ich glaube, so mancher ältere Mensch wäre damit absolut überfordert. Meine Mutter könnte das auf jeden Fall nicht“, sagt Möller kopfschüttelnd. Parallel hat seine Frau Andrea begonnen die Termin-Hotline anzurufen. Zwölfmal hat sie schon auf Wahlwiederholung gedrückt. Bisher erfolglos.

8.17 Uhr: Zum wiederholten Mal zeigt die Internetseite: „es ist ein unerwarteter Fehler aufgetreten“. Möller greift wieder zum Telefon. Auch er hat nebenbei bereits ein paar mal die 116117 gewählt. Entweder es ertönt ein Besetzt-Zeichen, man hört überhaupt nichts, oder, in ganz seltenen Fällen, folgt eine automatische Ansage: „der Teilnehmer ist nicht erreichbar“.

10.24 Uhr: Am anderen Ende der Hotline nimmt tatsächlich jemand ab. Einen Termin buchen kann Möller aber dennoch nicht bekommen. Leider sei das System abgestürzt, er solle es am Nachmittag noch einmal versuchen, heißt es.

15.01 Uhr: Nach unzähligen versuchen hat Möller online endlich Erfolg. Er schafft es zwei Termine zu buchen, für die erste und zweite Impfung. Die Erleichterung ist dem 67-Jährigen anzumerken. „Ich bin froh, dass meine Mutter bald geimpft wird. Dann muss ich mir weniger Sorgen machen, wenn der Pflegedienst kommt oder, wenn wir oder die Enkel sie besuchen“, sagt er.

So viel Glück wie er, hatten allerdings nicht alle Hammer. Viele werden es in den kommenden Tagen weiter versuchen müssen. Sorge, gar keinen Termin zu bekommen, brauche aber niemand haben, so die KVWL. Jeder, der geimpft werden wolle, werde auch einen Termin bekommen.

Die telefonische Terminvergabe ist unter der 116117 täglich zwischen 8 und 22 Uhr möglich, online geht es rund um die Uhr.

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