Jahresfest der Hindus im zweiten Coronajahr

Hindus dürfen wieder groß feiern - Teilnehmerzahl zur Prozession in Uentrop aber begrenzt

Koodyietram heißt das Hochziehen der Fahne, mit dem die Hinduistische Gemeinde Deutschland Jahresfest im Sri Kamadchi Ampal-Tempel in Hamm-Uentrop beginnen.
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Der rituelle Koodyietram: So heißt das Hochziehen der Fahne, mit dem die Mitglieder der Hinduistischen Gemeinde Deutschland traditionell das Jahresfest im Sri Kamadchi Ampal-Tempel in Uentrop beginnen.

Die bis zu 20.000 Gläubigen werden es auch in diesem Jahr nicht. Jedoch wird das Jahresfest der Hinduistischen Gemeinde Deutschlands in diesen Tagen viel näher an die Normalität herankommen als noch im ersten Coronajahr.

Uentrop – Die Prozession kann wieder stattfinden, aber sie wird Corona-bedingt kleiner ausfallen als sonst. Wie schon 2020 wird sie komplett auf das Gemeindegelände verlegt. So können immerhin bis zu 1000 Gläubige den Höhepunkt am Sonntag, 11. Juli, feiern. Ob dann auch noch Plätze vorhanden sind für weitere Gäste, ist fraglich. Generell müssen sich alle Besucher für die Tage des zweiten Juliwochenendes anmelden. Dann ist in der Regel mit den meisten Teilnehmern zu rechnen.

Mit dem Hochziehen der Fahne, dem sogenannten Koodyietram, hat am Montag das knapp mehr als 14-tägige Jahresfest der Gemeinde im und am Sri Kamadchi Ampal-Tempel begonnen. Böses wird beseitigt, Gutes bewahrt. Vor allem die Mund-Nasen-Bedeckungen, die die Hindus trugen, erinnerten an die andauernde Pandemie.

Autokorso der Hindus in Uentrop

Unter erschwerten Corona-Bedingung hatten die Hindus im vergangenen Jahr ein ungewöhnliches Fest gefeiert. Später als sonst und mit einem Autokorso gelang ihnen zumindest die Umsetzung einer alternativen Form, um ihren rituellen Handlungen nachzukommen.

Die aktuelle Corona-Schutzverordnung ist weniger streng als noch vor einem Jahr. Die Gemeinde und das unterstützende Veranstaltungsunternehmen bleiben aber sicherheitshalber unter den Möglichkeiten. „Wir begrenzen zwar die Zahl der Teilnehmer, aber ich habe mich trotzdem sehr gefreut“, sagt Hauptpriester Siva Sri Arumugam Paskarakurukkal über die Tatsache, dass die Gemeinde ihr Jahresfest überhaupt wieder feiern kann.

Viele Anfragen zum Jahresfest der Hindus in Uentrop

Viele Anrufe von Gläubigen habe er in den vergangenen Wochen bekommen. Fragen, ob das Fest überhaupt stattfinden könne und wenn, dann wie? Viele ausländische Gästen, die sonst die ganze Woche in Uentrop verweilen, haben schon angekündigt, wegen der unsicheren Lage nicht anzureisen. Andere wollen unbedingt kommen. Der Priester hat sie in der Hoffnung auf weitere Lockerungen auf vergangene Woche vertröstet. Doch das Land Nordrhein-Westfalen verlängerte die Coronaschutzverordnung um zwei Wochen bis zum 8. Juli.

Auch wenn Religionsgemeinschaften weitergehende Möglichkeiten hätten und Spielräume nutzen könnten, „wir bleiben bei maximal 1.000 Gäste pro Tag“, sagt Hubertus Neuhaus von „Auf den Punkt Veranstaltungstechnik“. Die Gemeinde hat sein Unternehmen seit 2018 bei der Organisation und Sicherheit für eine der größten Veranstaltungen in der Stadt an der Seite. Mit der Beschränkung der Personenzahl wird das Jahresfest wie normale öffentliche Veranstaltungen betrachtet. „Alles andere wäre unvernünftig“, sagt er. „Der Priester freut sich, wenn möglichst viele Gläubige kommen. Aber auch ihre Gesundheit liegt ihm am Herzen. Man muss abwägen.“

Platz für bis zu 8000 Teilnehmer in Uentrop

In diesen Tagen können schon mal deutlich mehr Gläubige kommen, als im vergangenen Jahr. Da waren maximal 150 Personen auf dem Tempelgelände zulässig. In den Autokorso durften sich pro Stunde höchstens 50 Fahrzeuge einreihen.

Das Gelände des Tempels und Kulturzentrums würde unter heutigen Auflagen deutlich mehr Teilnehmer ermöglichen. Allein von der Fläche her wären bis zu etwa 8000 möglich, sagt Neuhaus. „Wenn wir jetzt nur 1.000 hereinlassen, haben wir gute Möglichkeiten, Abstände zu wahren.“ Mit so vielen Gläubigen rechnet er nur im Verlauf des Sonntags, 11. Juli, wenn sonst tausende Hindus aus ganz Europa an der Prozession teilnehmen.

Gemeindegelände an Siegenbeckstraße in Uentrop

Der große Umzug mit dem heiligen Wagen „Theer“ führt Corona-bedingt nicht durch das Gewerbegebiet, sondern bleibt in der Zeit von 12 bis 15.30 Uhr auf dem Gemeindegelände an der Siegenbeckstraße. Die Göttin Sri Kamadchi Ampal sitzt dann auf dem „Theer“, und Hindus ziehen sie um den Tempel. Der umlaufende Weg ist eigens dafür gepflastert worden.

Die Ticketvergabe ist erst in dieser Woche gestartet. „Das ist kurzfristig“, sagt Neuhaus, „aber wir haben erst einmal abgewartet, was überhaupt möglich ist.“

Anmeldung zum Jahresfest der Hindus in Uentrop

Voraussetzung für eine Teilnahme an dem Festhöhepunkt (Prozession) am Sonntag, 11. Juli, ist eine Anmeldung online über die Website der Gemeinde. „Wer kein Ticket hat, kommt nicht rein“, sagt Hubertus Neuhaus von „Auf den Punkt Veranstaltungstechnik“. Ordner werden für die Einhaltung sorgen. Die Anmeldungen müssen auch für Samstag, 10. Juli, und Montag, 12. Juli, für die Waschung im Kanal vorgenommen werden, auch wenn an diesen Tagen für gewöhnlich mit weniger Teilnehmern zu rechnen ist. „So können wir besser kalkulieren“, sagt er.

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