Corona und Ausgangssperre

Taxifahrern in Hamm brechen mehr und mehr Aufträge weg

Taxen warten am Hauptbahnhof Hamm auf Kunden
+
Schlange am Bahnhof: Taxen sind gerade wenig gefragt.

Seit über einem Jahr haben die Taxifahrer und -unternehmer bereits wenig zu tun, die Zahl der zu befördernden Fahrgäste hat sich im Vergleich zu den Vor-Corona-Zeiten aufgrund der Pandemie und damit verbundenen Bewegungs-Einschränkungen deutlich reduziert. Jetzt aber hat sich die Situation durch die Ausgangssperre von 22 bis 5 Uhr noch einmal verschärft.

Hamm - „Die finanziellen Einbußen sind enorm“, sagt Sabine Buchmann von der Taxengemeinschaft Hamm. „Und diese Ausgangssperre war noch einmal ein Schlag oben drauf.“ Am Tag, so sagt es Richard Schimossek, Besitzer von Taxiruf Hamm am Willy-Brandt-Platz, würde es noch einigermaßen normal laufen. In den Nachtstunden ist allerdings kaum noch etwas los auf Hamms Straßen – zum Leidwesen von Schimossek. „Es ist ja fast alles lahmgelegt. Das Nachtleben ist bei Null“, meint er. In der Nacht von Samstag auf Sonntag war es, als er das bislang letzte Mal Fahrgäste während der Ausgangssperre beförderte. „Ab und zu gibt es mal einen Reisenden am Bahnhof. Aber das ist nicht viel.“ Dennoch ist er weiter rund um die Uhr erreichbar und ist sofort bereit, wenn sich ein Gast bei ihm meldet. „Ich fahre dann von zuhause los“, erklärt er.

Kaum Einnahmen außer für Krankenfahrten

Auch bei den anderen Taxi-Unternehmen in Hamm sieht es nicht anders aus. Das wichtige Wochenendgeschäft, wenn viele Gäste von Restaurants, Gaststätten, Diskotheken, großen Festen oder privaten Feiern nach Hause gebracht werden möchten, ist komplett weggebrochen. Und auch die Fahrten von Urlaubswilligen, die zum Flughafen befördert werden möchten, sind enorm zurückgegangen und bewegen sich knapp über dem Nullpunkt. „Tagsüber haben wir noch Krankenfahrten oder bringen Leute zur Arbeit, sonst ist da nicht viel“, sagt Evelin Hermbusch von Taxi Rose. Nachts sieht es aber noch düsterer aus. Da ist nur noch ein Wagen von insgesamt vier des Unternehmens von der Alsenstraße im Hammer Westen im Einsatz. „Durch die wenigen Fahrten, die wir dann machen können, halten wir uns nachts finanziell so gerade über Wasser. Ein paar Fahrten gibt es, was mich selbst wundert. Aber man fragt ja nicht, warum der Gast jetzt noch unterwegs ist. Es sind eben keine normalen Zeiten.“

Genauso sieht es bei Taxi Jung von der Kamener Straße aus. „Es ist alles ganz ruhig“, sagt Osman Karana. „Am Tag gibt es ab und zu noch Anrufe, wenn Leute zur Arbeit müssen oder Geschäftsleute am Bahnhof sind oder wir Leute zum Einkaufen bringen. Aber nachts ist es ganz ruhig.“ Dennoch ist er nachts weiter im Einsatz, hat dann aber von 22 bis 5 Uhr nur noch ein Auto auf der Straße.

Dienstleister und um die Uhr

Auch die Taxengemeinschaft Hamm, ein Zusammenschluss selbstständiger Hammer Taxiunternehmer mit Hauptsitz an der Nassauerstraße, ist weiter zu jeder Tag- und Nachtzeit im Einsatz. „Wir sind Dienstleister, wir müssen und wollen für unsere Gäste da sein“, sagt Buchmann, die zweite Vorsitzende der Gemeinschaft. Tagsüber, so betont sie, sei die Nachfrage derzeit zurückgegangen, aber Fahrten zu Ärzten, Krankenhäusern oder auch Frisören würden immer wieder angefragt. Ansonsten aber sei es „extrem wenig“, wie sie sagt. „Es gibt abends keine Feiern, keine Partys, keine Restaurantbesuche. Die Straßen sind doch ab spätestens 22 Uhr leer“, erklärt sie.

Dennoch würde es immer wieder vereinzelt Anrufe nach einer Beförderungsfahrt geben, so dass von den fünf oder sechs Taxen, die noch am Abend im Einsatz seien, zwei oder drei die komplette Nacht durchfahren. „Wir sind weiter 365 Tage im Jahr rund um die Uhr 24 Stunden lang für unsere Gäste da. So lange wir dürfen, fahren wir“, stellt sie klar und fügt hinzu, dass die Fahrer auch keine Fragen stellen, warum jemand zwischen 22 und 5 Uhr von A nach B gefahren werden möchte: „Wir haben keine Berechtigung, das zu kontrollieren. Wir sind ja keine Beamten. Und wir kontrollieren auch nicht die Ausweise, wenn wir zwei oder drei Personen befördern, ob sie die gleiche Meldeadresse haben.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare