Ebbe im Beförderungsgeschäft

Taxis in Hamm zwischen Corona und Weihnachten: Flaute ja, Drama nein

Hamza Assakour, Taxifahrer in Hamm
+
„Der Umsatz ist zu 60 bis 70 Prozent runtergegangen – das ist fast dasselbe wie im Frühling“, sagt Hamza Assakour.

Die Wartezeiten an den Taxiständen in Hamm sind deutlich länger als in normalen Zeiten – jetzt allerdings für die Fahrer. Unterwegs auf den Straßen sind die weißen Autos mit den gelben Taxischildern auf dem Dach nur noch selten zu sehen.

Hamm – Die Ebbe im Beförderungsgeschäft hält an. Wer auf dem Sofa bleibt, braucht auch keinen Fahrer. Und das nicht erst, seit aus dem „Lockdown light“ wieder die harte Variante geworden ist. „Der Umsatz ist zu 60 bis 70 Prozent runtergegangen – das ist fast dasselbe wie im Frühling“, sagt Hamza Assakour, Inhaber der Taxi Zentrale Hamm. Der einzige Unterschied: Im Frühjahr haben wir noch staatliche Hilfen bekommen, dieses Mal kommt da gar nichts – wir sind auf uns selbst gestellt. Aber wir haben uns darauf eingestellt. Und wir müssen nicht schließen.“

50 Konzessionen sind derzeit nach Angaben von Stadtsprecher Lukas Huster in Hamm vergeben – eine Fluktuation habe trotz der Einschränkungen durch die Corona-Pandemie im vergangenen halben Jahr nicht stattgefunden. „Bisher sind keine Taxikonzessionen in Hamm aufgrund von Corona zurückgegeben worden“, bestätigt der Stadtsprecher. „Nach wie vor besteht eine Vormerk-Liste, von der auch niemand abgesprungen ist.“

Die Hammer Taxi-Unternehmen haben sich mit ihrer Situation arrangiert. Das Geschäft beschränkt sich auf die Kernfahrten. Kunden, die zur Dialyse gebracht werden müssen, Kranken- und Schülertransporte, ab und zu Geschäftsreisende – alle, die fahren müssen. Alles andere fällt flach.

Vor allem in den Abendstunden hat Sabine Buchmann eine starke Veränderung im Vergleich zu den Zeiten vor Corona festgestellt. „Wir spüren das auf jeden Fall im Nachtgeschäft“, sagt die stellvertretende Gesellschafterin der Taxengemeinschaft Hamm. „Als die Gastronomie wieder aufgemacht wurde, haben wir eine Umstrukturierung festgestellt. Da sind die Leute früher hin- aber auch eher wieder nach Hause gefahren.“ Jetzt fahren sie gar nicht mehr.

Vor allem in den Abendstunden hat Sabine Buchmann eine starke Veränderung im Vergleich zu den Zeiten vor Corona festgestellt.

Was wiederum Flaute für die Taxiunternehmen bedeutet. Den Betrieb halten sowohl Taxi-Zentrale als auch Taxengemeinschaft aufrecht. Während es sich bei letzterer um einen Zusammenschluss von 20 Einzelunternehmern handelt, die jeweils nur für ihr eigenes Fahrzeug verantwortlich sind, unterhält Assakour in seinem Unternehmen fünf Fahrzeuge. „Bei uns kann jeder für sich entscheiden, ob er fährt“, sagt Buchmann. „Ich denke, da werden nachts etwa drei bis vier Wagen unterwegs sein. Das ist nicht lohnend, aber wir müssen ja trotzdem da sein, haben eine Verantwortung. Und jeder Euro, der kommt, zählt.“

Assakour verweist zudem auf eine bestehende Betriebspflicht – auch in den Nachtstunden. „Daher fahren wir nachts mit geringerer Besetzung von zwei bis drei Wagen, auch wenn es sich nicht mehr lohnt. Denn ab 22 Uhr kommt da eigentlich fast gar nichts mehr.“

Der erneute Lockdown trifft die Taxi-Unternehmen zum ungünstigsten Zeitpunkt: November und Dezember sind die lukrativsten Monate. Doch jetzt, wo Weihnachtsmärkte abgesagt sind und betriebliche Weihnachtsfeiern nicht stattfinden, bricht auch hier der Umsatz zum größten Teil ein. „Wieviel Prozent das am Ende ausmachen wird, kann ich nicht sagen“, betont Buchmann. „Wir fahren einfach an Weihnachten und auch Silvester – das müssen und wollen wir ja auch.“ Wobei sie sich selbst da herausnimmt: „Ich halte es schon seit 22 Jahren so, dass ich an Weihnachten zuhause bleibe“, sagt Buchmann, die bereits seit 27 Jahren als Taxifahrerin ihr Geld verdient.

Wer sich in ein Hammer Taxi setzen will, muss bedenken, dass die Unternehmen dem Öffentlichen Personen Nahverkehr (ÖPNV) angegliedert sind. Entsprechend gelten Abstands- und Maskenpflicht. Das Zusteigen auf den Beifahrersitz ist untersagt. Im Fonds darf nach der Lockdown-Verschärfung wie im Frühling nur ein Gast oder zwei aus einem Haushalt befördert werden. Ob das immer so ist, kann Buchmann nicht versprechen; „Wir sind ja nicht befugt, die Ausweise zu kontrollieren.“

Eine steigende Grundaggressivität bei den Fahrgästen hat sie bisher noch nicht bemerkt. „Manche werden schon ungeduldig – aber das war immer so, dass Leute mal quer schießen“, sagt Buchmann, die sogar eine gewachsene Akzeptanz für die Maskenpflicht sieht. „90 Prozent setzen die Maske mittlerweile schon auf, bevor sie ins Taxi steigen. Wer das nicht will, muss es ja nicht. Dann kommt er aber auch nicht ins Auto. Ich muss meine Gesundheit nicht aufs Spiel setzen.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare