Mann aus Hamm vor Gericht

Tausende Kinderpornos: „Alle Kriterien für die Feststellung einer Pädophilie erfüllt“

Mann aus Hamm wegen Kinderpornografie vor Gericht: „Psychiatrisch sind alle Kriterien für die Feststellung einer Pädophilie erfüllt.“
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Mann aus Hamm wegen Kinderpornografie vor Gericht: „Psychiatrisch sind alle Kriterien für die Feststellung einer Pädophilie erfüllt.“

Im Prozess gegen einen Mann aus Hamm, der Tausende kinderpornografische Bilder und Videos besessen und getauscht haben soll, hat der psychiatrische Sachverständige sein Gutachten erstattet. Das Ergebnis ist erschütternd.

Dortmund/Hamm – Der 44-jährige Angeklagte hat sich zuletzt ausführlich mit Psychiater Brian Blackwell unterhalten und dabei alles erzählt, was ihm auf der Seele lag. Demnach hatte der Mann im Grunde eine völlig unauffällige Kindheit. Erst 2010, als er bereits in einer festen Beziehung lebte und Kinder hatte, habe er den Drang entwickelt, sich pornografische Bilder mit kleinen Kindern anzuschauen.

Die Folgen ließen nicht lange auf sich warten. 2010 wurde der Angeklagte erstmals zu einer Haftstrafe verurteilt. Und als er drei Jahre später das Gefängnis wieder verlassen durfte, dauerte es nicht lange, ehe er wieder erwischt wurde. Diesmal schlossen sich die Zellentüren für fast vier Jahre hinter ihm.

Auch vor den jetzt angeklagten Taten hatte der 44-Jährige nur acht Tage in Freiheit verbracht. Psychiater Blackwell kommt deshalb zu dem Schluss: „Psychiatrisch sind alle Kriterien für die Feststellung einer Pädophilie erfüllt.“

Zwar könne der Angeklagte auch mit erwachsenen Frauen erfüllende und befriedigende Momente empfinden. Doch der Drang, sich immer wieder zwischendurch Dateien mit kinderpornografischem Inhalt zuzuwenden, sei derzeit noch nicht zu kontrollieren.

„Gefühlsarmer und kalter Mensch mit psychopathischen Zügen“

„Im Grunde kann man Pädophilie gar nicht wegtherapieren“, sagte Blackwell den Richtern des Dortmunder Landgerichts. „Man kann ja auch nicht beschließen, von heute auf morgen zum Beispiel nicht mehr heterosexuell veranlagt zu sein.“ Dennoch rät der Experte im Fall des Mannes aus Hamm unbedingt zu einer langen und intensiven Psychotherapie. „Er braucht Strukturen, die es ihm ermöglichen, solche Krisen künftig zu vermeiden.“

Aktuell hält Blackwell den Angeklagten aber noch für einen „gefühlsarmen und kalten“ Menschen, der sogar psychopathische Züge in sich trage. Zwar habe der Mann noch nie die Grenze überschritten und sei selbst gegenüber Minderjährigen übergriffig geworden. Dennoch gehe von ihm eine Gefahr aus.

„Wer sich widersetzt, macht sich im Zweifelsfall mitschuldig“

Die Richter müssen nun entscheiden, wie es mit dem 44-Jährigen weitergeht. Dabei werden sie sich, das ließen sie am Mittwoch bereits durchblicken, von den Empfehlungen des Psychiaters leiten lassen. „Wir werden im Urteil dringend eine begleitende Therapie empfehlen“, sagte der Vorsitzende Dirk Kienitz.

Und Psychiater Blackwell nickte fast schon dankbar. Er sagte noch: „Ich habe die Behandlungsnotwendigkeit eindeutig in mein Gutachten geschrieben. Deutlicher kann ich es nicht ausdrücken. Wer sich dem widersetzt, macht sich im Zweifelsfall mitschuldig.“

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