Einfluss des Gerichts verflogen

Nachbar-Zoff um Tauben in Hamm geht weiter - Züchter stur

+
Werner Kersting will sich nicht von seinen Tauben trennen.

Hamm – Was ist eigentlich ein Gerichtsurteil wert? Wer kontrolliert, ob ein Urteil umgesetzt wird? Mit diesen Fragen beschäftigt sich derzeit Melanie Meintrup.

Obwohl das Urteil gegen ihren Nachbarn seit einem halben Jahr Rechtskraft hat, schert sich Taubenzüchter Werner Kersting wenig um die Auflagen. Nach wie vor kreisen die Tauben um sein Haus, nach wie vor hält er um die 120 Tiere in seinen Schlägen. Dabei hat das Gericht ihm aufgelegt, dass er nur noch 20 freifliegende Brieftauben in einer offenen und 20 weitere festsitzende Tauben in einer geschlossenen Voliere halten darf. Offensichtlich hat sich bislang aber niemand darum gekümmert, dass das Urteil umgesetzt wird.

Jetzt, ein halbes Jahr später, bleibt Melanie Meintrup nichts anderes übrig, als ein weiteres Mal das Gericht zu bemühen. Dort will sie mit ihrem Anwalt ein Zwangsgeld erwirken. Damit soll Züchter Kersting gezwungen werden, das Urteil umzusetzen. Ein entsprechender Antrag ist dem Hammer Amtsgericht in der vergangenen Woche gestellt worden.

 

Lesen Sie auch:

Kot und Gestank: Bei Tauben endet in Hamm der Nachbar-Frieden

Vergessene Brieftauben: Viele werden von Züchtern nicht abgeholt

Gericht kann Zwangshaft anordnen

Der Richter muss nun darüber entscheiden, wie hoch die Summe ausfällt, die Kersting bezahlen muss, sollte er nicht die im Urteil geforderten Auflagen unverzüglich erfüllen. Hat Kersting das Geld nicht, kann das Gericht auch Zwangshaft anordnen. Meintrups Anwalt hat dem Antrag Bilder beigefügt, die belegen sollen, dass sich auf dem Nachbargrundstück nichts an den Zuständen geändert hat. Für ihn und seine Mandatin ist das nun der einzige Weg, das rechtskräftige Urteil umzusetzen.

Rassentauben oder Brieftauben züchten

Tauben setzen weiter Junge in die Welt

Für Kersting war das eine „schallende Ohrfeige“, denn seinen Taubensport konnte er nach eigener Aussage mit diesem Urteil vergessen. Unbeeindruckt von dem Richter-Spruch hatte er erst kürzlich gegenüber dem WA angekündigt, weiter züchten zu wollen. Tauben hat er bislang nicht abgeschafft. Im Gegenteil. Kurz nach dem Urteil hat er seine Tauben angepaart, damit sie weiter Junge in die Welt setzen. „Ich mache weiter“, erklärte er gegenüber dem WA.

Melanie Meintrup mit den Nerven am Ende

Nachbarin Melanie Meintrup ist unterdessen mit ihren Nerven am Ende. Sie hatte die Klage gegen ihren Nachbarn angestrengt – auch weil viele Versuche, sich gütlich zu einigen, gescheitert waren. Sie hatte schließlich Recht bekommen und hält ein Urteil des Amtsgerichts Hamm in den Händen. „Mehr als die Tinte ist es nicht wert“, sagt sie verzweifelt, denn nach wie vor fühlt sie sich von den zahlreichen Tauben auf dem Nachbargrundstück gestört. Sie könne sich nicht in ihrem Garten aufhalten. „Das ist zu ekelig, der Geruch vertreibt uns immer wieder ins Haus. An der unerträglichen Situation hat sich nichts geändert.“

Stinkbomben und eine Schrauben im Reifen

Unterdessen schwelt der Nachbarschaftsstreit weiter. Die Meintrups berichten von Stinkbomben in ihrem Garten und einer Schraube, die im Vorderreifen ihres Autos steckte. „Beweisen können wir nichts, aber es ist schon komisch, dass sich solche Schikanen in letzter Zeit häufen“, sagt Melanie Meintrup. Auf der anderen Seite des Zauns hat Taubenzüchter Kersting beobachtet, dass einige seiner Tiere beim Wassertrinken verreckt sind, nachdem sie Maiskörner gepickt hätten. Er hat seine Nachbarn nun angezeigt. Er glaubt, dass die Tauben vergiftet worden sind.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare