Tierquälerei

Taubenküken wie Dreck in Kiste entsorgt: Viele ersticken - Polizei ermittelt

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Die überlebenden Tiere sind teilweise erst wenige Tage als. Auch von der Auffindesituation, der Holz-Box und den toten Tauben liegen dem WA Bilder vor. Wir verzichten bewusst darauf, diese zu zeigen.

Es ist ein Fall von Tierquälerei, der sprachlos macht: In Hamm werden 26 Taubenküken zusammen mit ihren Exkrementen in einer Holz-Box entsorgt. Wenig später sind neun von ihnen tot.

  • Wenige Tage alte Taubenküken wurden in Hamm in einer Box entsorgt.
  • Taubenfreunde haben einen Verdacht, wer für die Tat verantwortlich ist.
  • Die Polizei ermittelt wegen Tierquälerei.

Hamm - Der Polizei in Hamm gemeldet wurde die ominöse Kiste, aus der es gurrte, am vorvergangenen Donnerstag. Die Beamten rückten zu einem Parkplatz eines Supermarktes in der Innenstadt aus und untersuchten den Karton. Sie entdeckten die Tauben und meldeten sich schließlich am Nachmittag bei Jutta Mir Haschemi-Röben. Sie ist Projektleiterin des Stadttaubenprojektes.

Tauben wie Dreck zusammengekehrt

Was Haschemi-Röben in der Holzkiste vorfand, als sie sie öffnete, ließ sie erst einmal erschaudern. „Da war ein Haufen Tauben drin und das nicht sprichwörtlich gemeint. Diese Tiere wurden mit ihrem Dreck zusammengekehrt und einfach entsorgt.“ Laut Haschemi-Röben waren einzelne Tiere da gerade höchstens zwei Tage alt.

Alleine kann Haschemi-Röben die 17 überlebenden Tiere nicht versorgen. Deswegen setzte sie sich erst einmal ans Telefon und rief ihre Mitstreiter vom Stadttaubenprojekt an. „Alle diese Tiere gesund zu pflegen, schaffen auch wir nicht. Wir haben mittlerweile alle Taubenfreunde in der Region mobilisiert.“

Die Taubenküken werden nun von den Tierfreunden aufgepeppelt.

Die letzten sieben Tiere landeten schließlich bei einer Tierärztin in Warendorf. „Bis jetzt haben alle, die wir retten konnten, überlebt. Wir tun alles dafür, dass das auch so bleibt.“ Das bedeute nun Nachtschichten, füttern, wiegen, Tierarztbesuche und Pflege.

Große Belastung für Tauben-Verein

Haschemi-Röben ist nicht nur traurig über das Leid der Tiere, sondern auch mächtig sauer. „Menschen die so etwas tun, ist das Tierwohl egal. Wir werden Schadensersatz verlangen, wenn die Schuldigen ermittelt sind. Solche Aktionen belasten unseren Verein sehr. Niemand muss solche ungebetenen Gäste auf diese Weise entsorgen, es gibt immer Anlaufstellen im Tierschutz.“

Jutta Mir Haschemi-Röben ist sauer und traurig.

Die Hammerin hat mittlerweile eine starke Vermutung, wie die Tauben in der Kiste gelandet sind. Und auch die Polizei bestätigte auf WA-Anfrage, dass in diese Richtung ermittelt werde.

Tiere während Reparaturarbeiten entsorgt? 

„Ein Haus in unmittelbarer Nähe des Fundortes hatte über eine längere Zeit einen Dachschaden. Da haben sich dann offenbar die Tauben eingenistet“, erklärt Haschemi-Röben. Unmittelbar vor dem grausigen Fund sei das Dach allerdings repariert worden. „Die Vermutung liegt nahe, dass die Tierchen dabei vom Hausbesitzer, dem Pächter oder Handwerkern unsanft beseitigt worden sind.“

Ein Indiz dafür, dass Haschemis These stimmen könnte: Nach der Dachreparatur sammelten sich bis zu 40 Elterntiere auf dem First und versuchten nach Aussage der Taubenfreundin panisch, ins Innere zu gelangen. Diese merkwürdige Ansammlung belegt Haschemi-Röben mit einem Foto. „Das passt alles zusammen“, sagt sie.

Die Elterntiere sammelten sich auf der reparierten Dachfläche.

Tauben immer wieder in der Schusslinie

Die Ermittlungen der Polizei wegen Tierquälerei laufen derweil noch. Nach dem Tierschutzgesetz droht dem Täter eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren oder eine Geldstrafe in beträchtlicher Höhe.

Immer wieder werden Tauben, die von manchen Menschen auch als "Ratten der Lüfte" bezeichnet werden, gequält. im Februar schockierte ein Fund in Hamm-Werries. In einem Futtersack lagen zehn Tote Tauben, denen jeweils ein Bein abgeschnitten oder ausgerissen wurde. Ein elftes Tier überlebte die Tortur und sollte den eigenen Ripper mit einer kuriosen Aktion überführen.

Zwei andere Tauben wurden in Hamm von Projektilen verletzt.

Das Stadttaubenprojekt

Stadttauben sind mit großer Wahrscheinlichkeit überwiegend Nachkommen verwilderter Haus- und Brieftauben. Der Mensch ist also verantwortlich dafür, dass sich so viele von ihnen in den Städten tummeln. Der Verein Stadttaubenprojekt Wesel-Hamm hat sich zur Aufgabe gemacht, die Anzahl der Tiere durch Geburtenkontrolle zu reduzieren. In Taubenhäusern werden dafür die Eier gegen Attrappen ausgetauscht. Außerdem will der Verein über das Wesen der Tiere und ihre Herkunft aufklären.

Das Stadttaubenprojekt ist auf Spenden angewiesen: Stadttaubenprojekt Wesel-Hamm e.V., Volksbank Hamm, IBAN: DE88 4416 0014 4729 4368 00.

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