Besuch in der Tanzschule

Kein „Dirty Dancing“: Wer tanzen lernen will, kann dies wieder tun – aber nicht uneingeschränkt

Nicole und Tochter Jeannine Güth (rechts) tanzen in „ihrem Bereich“.
+
Nicole und Tochter Jeannine Güth (rechts) tanzen in „ihrem Bereich“.

„Derselbe Herr, die nächste Dame“ – diese launige Ansage wird es in Hamms Tanzschulen erst einmal nicht geben.

Hamm – Denn eine der Schutzvorschriften, die bei der Wiederbelebung des Tanzunterrichtes in Corona-Zeiten gelten: Beim Paartanz ist ein fester Partner vorgeschrieben. Wirbelnde Wiener Walzer auf Hammer Parkett sind erst mal ausgeschlossen, denn es wird auf engem Raum getanzt – da sind Rumba, ChaCha und vielleicht auch Jive die Tänze der Stunde.

Mit der Partnervorschrift werden Paare, die für den Brauttanz üben, wohl keine Probleme haben – eher mit der Frage, wann sie feiern können. In der Tanzschule Güth an der Gustav-Heinemann-Straße gibt es eine rege Nachfrage nach Hochzeitsund Partykursen. Oft eine Lösung: private Tanzstunden.

Abgesteckte Tanzflächen

Für die Mitglieder in den Clubzirkeln der Tanzschule geht es in dieser Woche weiter – unter strengen Auflagen und auf mit Pylonen abgesteckten Quadraten von drei mal drei Metern, zwischen denen dann noch der Sicherheitsabstand eingehalten wird. „Grundschritte und Techniken lassen sich beim Paartanz dann vermitteln.

Tanzen durch den Raum geht nicht“, sagt Nicole Güth. „Wir haben extra Coronaseiten auf unsere Homepage gestellt“, berichtet Tochter Jeannine Güth. Dort erfahren ihre Clubmitglieder und andere Interessenten nicht nur, wann es mit welchen Angeboten für welche Gruppen losgeht, sondern werden auch darauf hingewiesen, dass eine persönliche Registrierung nötig ist, um im Fall des Falles nachvollziehen zu können, wer gleichzeitig in den Räumlichkeiten war. Natürlich, so Nicole Güth, gelten auch Vorschriften zu Atemschutz und zu Hygiene.

Einbahnstraße bei Radbod

Dabei greift das Team um Annka Westbrock von „TanzKunst“ Hamm auf ein Einbahnstraßen-System zurück. Da die üblichen Räume im Kulturrevier Radbod für Tanzen auf Abstand nicht ausreichen, wird die Veranstaltungshalle des ehemaligen Zechengebäudes benutzt. Beim Einlass geht es dann nicht nur um die Registrierung, sondern neben der Handhygiene auch um die Frage nach dem Gesundheitszustand der Teilnehmer.

Schlechte Nachrichten für Menschen mit Heuschnupfen: Wer ständig niest, darf nicht mittanzen. Bei „TanzKunst“, wo die Zahl der Paartänzer gar nicht so groß ist, werden sich dann meist Hip Hopper und Street Dancer in Quadraten von zwei mal zwei Metern bewegen dürfen. Nach dem Unterricht geht es durch eine andere Tür hinaus – und vor dem nächsten Kurs muss desinfiziert werden.

Lesen Sie auch

Versuche mit Online-Angebot: Auch Hammer Tanzschulen sind von der Krise hart getroffen

Sport trotz Kontaktverbot: Tanzlehrer und Hebammen "performen" online

Mit Abstand in kleinen Gruppen 

Verkürzte Tanzstunden und geteilte Kurse sollen dazu führen, dass möglichst viele die Corona-Lockerung für ihren Bewegungsdrang nutzen können. 15 Personen können gleichzeitig mit dem nötigen Abstand von den auf einer kleinen Bühne agierenden Tanzlehrern angeleitet werden.

Noch aufwendiger wird es für das Team, am zweiten Standort im Hammer Osten über dem Maximare zu arbeiten, denn dort können nur etwa neun Leute gleichzeitig einen Kurs besuchen. Zur Information ihrer Tanzwilligen arbeitet Annka Westbrock mit ihrem Team auch daran, auf der Webseite Informationen zum Tanzen in Coronazeiten zur Verfügung zu stellen.

Hygieneschulungen für Tanzlehrer

Wie bei anderen Tanzschulen auch, wird streng auf Richtlinien geachtet – die vom Land gar nicht konkret an die Tanzlehrer gerichtet wurden. Hier bieten die Regelungen Orientierung, die der Allgemeine Deutsche Tanzlehrerverband, kurz ADTV, an seine Mitglieder gerichtet hat. Annka Westbrock hat beim Verband eigens eine Hygieneschulung mitgemacht.

Auch Marcus Schmidt von der Tanzschule Pape-Eiker/ Schmidt informiert auf der Homepage, deutlich mit kräftigem Rot unterlegt, über den Stand zum Neustart. „Den regulären Kursbetrieb werden wir, wenn alles gut geht, erst im September wieder aufnehmen“, sagt Schmidt. Trotzdem soll schon bald wieder getanzt werden – denn der Lockdown kam im März genau während der Schlussphase laufender Kurse.

Kurzsaison nach Pfingsten geplant

„Wir bieten den Teilnehmern nach Pfingsten eine Kurzsaison an. Dabei geht es nicht nur darum, die ausgefallen Stunden zu ersetzen, sondern das bis dahin Gelernte wird dann aufgefrischt.“ Kunden, die dafür infrage kommen, wurden per Mail unterrichtet. Auch die Zumbakurse laufen bereits an.

Da ist die Abstandsregel deutlich besser umzusetzen als beim Paartanz. Dabei hat die Tanzschule Pape-Eiker/Schmidt den Vorteil, im Haus des Tanzes in Bockum-Hövel über eine Parkettfläche von 450 Quadratmetern zu verfügen. Deshalb werden dann die Kurse aus dem Standort Bismarckstraße erst einmal dort weitergeführt.

30 Paare bald wieder auf der Tanzfläche

„Rechnerisch dürften wir bei der zehn Quadratmeter-Regelung gut 40 Paare tanzen lassen. Wir beschränken das aber von uns aus auf 30 Paare“, so Schmidt. Bei den Zehner-Tischen, die um die Tanzfläche stehen, wurden jeweils acht Stühle entfernt, sodass auch dort Abstand gewahrt wird. Für alle Tanzwütigen – von vielen Hammer Anbietern auch über Videostreams mit Vortänzern versorgt, gilt der alte Hit von Billy Idol: „Dancing with myself!“

Coronavirus in Hamm - weitere Infos:

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare