Überfälle mit Küchenmesser in Hamm

Tankstellen-Räuber fällt einfach um - Der Grund ist kurios

Westfalen Tankstelle Hamm
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Auch diese Tankstelle an der Ostenallee in Hamm war Ziel des Umfaller-Räubers.

Für viel Gesprächsstoff und ungläubiges Staunen sorgte im Sommer 2021 in Hamm ein Tankstellen-Räuber, der während der Tat wiederholt einfach umkippte. Jetzt ist klar, was da passiert ist.

Hamm – Es gibt nichts, was es nicht gibt. Das lehrt auch der vorliegende Fall, in dem die Staatsanwaltschaft Dortmund vor wenigen Tagen Anklage erhoben hat. Im Fokus steht dabei ein 24-jähriger Hammer, der im zurückliegenden Sommer bundesweit Schlagzeilen als „Tankstellen-Umfaller“ gemacht hatte. Innerhalb weniger Tage hatte der junge Mann zwei Tankstellen im Stadtgebiet überfallen und war kurz vor der Geldaushändigung beide Male bewusstlos im Verkaufsraum zusammengebrochen.

Die Staatsanwaltschaft ist sich nun sicher, dass die seltsamen Ohnmachtsattacken nur vorgetäuscht waren. Der Angeschuldigte habe nichts aus den Tankstellen erbeuten wollen, sondern lediglich eines gewollt: im Gefängnis eingesperrt zu werden.

Staatsanwalt Henner Kruse, Sprecher der Dortmunder Staatsanwaltschaft, bestätigte dies am Dienstag gegenüber dem WA. So sei der 24-Jährige auch nicht wegen eines Raubdelikts, sondern wegen zweifacher Nötigung angeklagt.

Tankstellen-Räuber fällt einfach um: erster Fall an „Total“-Tanke

Die erste Tat hatte sich am 22. Juni ereignet. Der damals noch 23-jährige Deutsch-Iraker hatte gegen 17.50 Uhr den Verkaufsraum der Total-Tankstelle an der Dortmunder Straße betreten und ein Besteckmesser gezückt. Dass er dabei gesagt haben soll „Geld her, ganz schnell, oder ich schieße“, wurde später wieder revidiert.

Bedroht hatte er mit dem Messer eine 65-jährige Angestellte. Die war bereits dabei, die Geldscheine aus der Kasse zu holen, als der Räuber urplötzlich zusammensackte. Die Kassierin und eine weitere Kundin, die sich ebenfalls in dem Verkaufsraum befunden hatte, liefen ins Freie, weitere Kunden verständigten die Polizei. Selbst als die Beamten eintrafen, lag der Mann noch regungslos am Boden.

Tankstellen-Räuber fällt einfach um: zweiter Fall bei „Westfalen“

Der Mann wurde damals zwar festgenommen, kam aber nicht in Untersuchungshaft. Weil sein Plan also nicht aufgegangen war, schritt er nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft neun Tage später, am 1. Juni, erneut zur Tat. Diesmal hatte sich der 24-Jährige die Westfalen-Tankstelle an der Ostenallee ausgesucht. Wieder hatte er sich mit einem Messer bewaffnet, den Verkaufsraum betreten und den Kassierer mit dem Messer bedroht. Kurz danach folgte die nächste Ohnmachts-Einlage. Der Tankstellenangestellte nahm dem Täter das Messer weg und verständigte die Polizei.

Das kuriose Geschehen hat offenbar einen ernsten Hintergrund. Der psychisch auffällige Mann soll die Taten begangen und ins Gefängnis gewollt haben, weil er so ausschließen konnte, sich nichts selbst antun zu können. Ins Gefängnis hat er es weiterhin nicht „geschafft“: Aktuell befindet sich der Mann aus Hamm in einer psychiatrischen Klinik.

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