"Tage voller Leben"

Hammer Autorin veröffentlicht besonderes Buch

Hamm - Sie gehen Hand in Hand. Sie verlassen ihr Zuhause, in dem sie Jahrzehnte zusammen gelebt haben. Sie werden nie wiederkehren. Nicht gemeinsam. Maria Hagenschneider schreibt in einem Buch über die letzten zehn Wochen mit ihrem Mann im Hammer Hospiz. 

Im Jahr 2002 bekam Klaus Hagenschneider mit 53 Jahren die Diagnose Prostatakarzinom. „Man ist wie gelähmt“, erinnert sich Hagenschneider. „Ich fuhr im Auto zurück vom Krankenhaus und dachte nur: Lieber Gott, bitte noch zehn gemeinsame Jahre.“ Und die sollte Hagenschneider bekommen. 

Ihr Mann konnte acht Jahre lang recht gut mit der Diagnose Krebs und Therapie leben. Die letzten zwei wurden schwer. „Er bekam Metastasen in den Knochen und hatte starke Schmerzen.“ Hagenschneider stand ihrem Mann bei, pflegte ihn zu Hause, aber irgendwann ging es nicht mehr. „Unser Arzt machte uns den Vorschlag Hospiz“, sagt die Hammerin. 

Maria Hagenschneider

Tage voller Leben

Unsere gemeinsame Zeit im Hospiz

1. Auflage 2017
ca. 176 Seiten
Format 14 x 22 cm
ISBN: 978-3-8436-0898-5
erschienen im Februar 2017
Preis: 17 Euro

Über diese Möglichkeit hatte sie zuvor schon mit ihrem Mann diskutiert. Beide waren sich einig: Das machen wir. „Obwohl ich das Vorurteil, ich schiebe ihn ab, weil es mir zu viel wird, kannte“, sagt Hagenschneider.

Rückblickend war es die richtige Entscheidung, aber eine schwere. „Als wir unser Haus verließen, wusste ich, wir gehen zum Sterben. Ich würde alleine zurückkommen. Das war ein schlimmer Schritt. Ein Schritt in das letzte Kapitel Leben.“

Klaus Hagenschneider blühte im Hospiz noch einmal auf. Er bekam die richtigen Medikamente, humorvolle Unterhaltungen und jeden Wunsch erfüllt.

„Im Mittelpunkt unseres Handels stehen der Gast und seine Angehörigen“, sagt Marion Kleditzsch vom Hospiz „Am Roten Läppchen“. „Wir wollen ihnen die letzte gemeinsame Zeit so schön wie möglich machen und erfüllen letzte Wünsche.“

So stand schon das Bett eines Gastes draußen im Regen. „Er wünschte sich, noch einmal den Regen und den Wind zu spüren“, erklärt Kleditzsch.

Klaus Hagenschneider wünschte sich einmal Spiegeleier um 3 Uhr nachts, ansonsten erfüllte ihn die intensive Zeit mit seiner Frau. Das Ehepaar lebte zehn Wochen lang zusammen in einem Doppelzimmer.

„Es waren Tage voller Leben“, sagt Hagenschneider lächelnd. „Wir hatten richtige Hochzeiten, waren wie frisch verliebt.“ Dazu kamen schmerzliche Phasen, in denen sie über den Abschied und die Zeit danach sprachen. „Nichts blieb unausgesprochen“, sagt Hagenschneider. „Die Zeit im Hospiz hat unser Leben und unsere Liebe rund gemacht. Das ist ein schönes Gefühl, mit dem ich jetzt gut weiterleben kann.“

Rubriklistenbild: © Katy Hackel

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