Sorgen in Pelkum

Tagesbetreuung am Pelkumer Platz bleibt auf Corona-Kosten sitzen

Joachim, Susanne und Robin Rind von „Susannes Tagesbetreuung“
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Wollen Antworten: Joachim, Susanne und Robin Rind - hier kurz nach dem ersten Corona-Lockdown - von „Susannes Tagesbetreuung“.

Drei Monate war „Susannes Tagesbetreuung“ am Pelkumer Platz im Frühjahr dicht – und seit dem 27. November wieder. Immerhin: Der ambulante Dienst läuft weiter und sichert dem Betrieb erst einmal das Überleben. Bislang ist der auf seinen Corona-Kosten sitzen geblieben.

Pelkum – Am 4. Januar möchten Susanne und Joachim Rind zwar wieder die ersten Tagesgäste begrüßen, doch es gibt viele Unsicherheiten. Und die betreffen vor allem die Finanzierung, was Joachim Rind dazu veranlasst hat, sich nicht nur an die Stadt Hamm zu wenden. Er werde auch noch, wie er sagt, an Bundesgesundheitsminister Jens Spahn schreiben. Denn das Ehepaar Rind prangert die Benachteiligung ihres kleinen Unternehmens gegenüber denen an, die einen Versorgungsvertrag mit einer Krankenkasse geschlossen haben. „Das haben wir nicht – aus guten Gründen“, sagt Joachim Rind. Im Interesse der zu betreuenden Menschen wolle man freier sein und mehr Zeit für die Pflege und Gespräche haben. Bei einem Versorgungsvertrag werden zum Beispiel Module vorgegeben. „Wir möchten uns nicht vorschreiben lassen, wieviel Zeit wir für die Pflege verwenden.“ Man wolle sich möglichst viel Zeit für die Menschen nehmen.

Doch genau diese Unabhängigkeit fällt „Susannes Tagesbetreuung“ jetzt auf die Füße: „Da wir keinen Versorgungsvertrag haben, wurden uns bislang, anders als vom zuständigen Ministerium versprochen, auch keine Kosten für Desinfektionsmittel, Kittel und ähnliche Ding erstattet“, so Rind. Sie hätten sich in den vergangenen Monaten auf rund 2400 Euro summiert. Das sei viel Geld. An die zu Betreuenden weitergeben wolle man die zusätzlichen Kosten aber nicht, sagt Rind.

Im Januar wollen er und seine Frau die Tagesbetreuung wieder öffnen – selbst wenn die Kostenfrage bis dahin noch nicht geklärt ist. „Ohne sie können wir auf Dauer nicht überleben.“ Und auch viele Senioren freuten sich schon auf ein Wiedersehen. Doch mit der Öffnung kommt ein neuer Kostenfaktor hinzu: Bei den Besuchern – in Corona-Zeiten sind es nur sechs bis acht statt wie sonst üblich zwölf – müssen regelmäßig Corona-Tests durchgeführt werden. Nur: „Wir sind nicht in der Lage, die Kosten für Testungen aus eigener Kasse zu bewältigen.“ Die Kosten dürften sich auf mehrere hundert Euro in den kommenden Wochen belaufen. 25 Testungen habe man schon bestellt. „Wir möchten endlich eine feste Zusage haben, dass man uns wenigstens dieses Geld erstattet.“ Durchgeführt werden dürften die Tests von seinem Sohn. Er selbst sei, wie Rind sagt, ein gelernter Operationstechnischer Assistent. Ob er die Tests durchführen dürfe, wisse er derzeit nicht. Zudem müsse man einen Hygieneplan vorlegen.

In Zusammenhang mit der Corona-Pandemie sind beim Ehepaar Rind „viele Fragen“ aufgekommen. Und die gebe es auch weiterhin. „Ich weiß bis heute nicht, wer mir die anfallenden Kosten erstattet.“ Ob Heimaufsicht, die Angebote zur Unterstützung im Alltag oder das Regionalbüro Alter, Pflege und Demenz Münsterland: Niemand scheine sich zuständig zu fühlen und verweise auf den anderen. „Das hilft uns in der aktuellen Situation nicht weiter. Wir benötigen klare Auskünfte.“ Apropos: Die verlangt Rind auch mit Blick auf den in der Pflegebranche gezahlten Corona-Bonus: Seine Mitarbeiter hätten davon bislang nicht profitiert.

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