"Knochenknackerin" aus Hamm schreibt ungewöhnliche Biografie

„Die Insel der wilden Träume“: Dr. Susanne Braun ist seit vielen Jahren heimisch auf Island.
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„Die Insel der wilden Träume“: Dr. Susanne Braun ist seit vielen Jahren heimisch auf Island.

Island ist für Susanne Braun „Die Insel der wilden Träume“. So heißt ihr autobiografisches Buch, das am 4. September erscheint. „Die Knochenknackerin“ wird die gebürtige Hammerin in ihrer neuen Heimat genannt – ein Spitzname, der zugleich ein Ehrentitel ist.

Hamm – Die Tierärztin, die sich auf Pferde spezialisiert hat, hat auch eine Ausbildung zur Chiropraktikerin absolviert, weil sie dadurch die Möglichkeit erhielt, Funktionsstörungen des Bewegungsapparates bei Pferden dopingfrei zu behandeln. 2005 ist sie gerade erst einige Tage als Tierärztin auf Island, als sie ihr Chef Björgvin zu einem Pferd mitnimmt, das Zahnprobleme haben soll. Für Braun ist es aber auch „nicht mehr gut zu Fuß“. Sie untersucht die Wirbelsäule und stellt eine schmerzhafte Blockade fest, die sie mit gezielten Handgriffen löst. Weil es dabei hörbar „knackt“, erhält sie ihren Spitznamen „Knochenknackerin“.

Susanne Braun wird 1972 in Hamm geboren. Aufgewachsen ist sie im Hammer Süden am Pilsholz. „Da gab es nicht nur einen Trimm-dich-Pfad, sondern auch fantastische Sand-Reitwege“, erinnert sie sich. Ihre Pferde-Begeisterung geweckt hat ihr Großvater auf Juist, als er sie mit vier Jahren erstmals auf ein Shetlandpony setzte: „Ab da hatte ich nur noch Pferde im Kopf.“

Ihr erstes Islandpferd – „Torfi“ – bekommt sie zu ihrem zwölften Geburtstag geschenkt; untergebracht war es bis 1991 auf dem Bauernhof Schriever auf der anderen Seite des Pilsholzes. „Mit Torfi und zwölf weiteren Ponys auf dem Hof Schriever verbrachten wir Ponymädchen eine unbeschwerte Kindheit ohne Handy, Computer und Fernsehen“, erinnert sich Susanne Braun gern.

Fuchsschwanz-Jagden rund um Hamm

Mit „Torfi“, dem damals ersten Islandpferd in Hamm, nimmt sie an Turnieren und sogar Fuchsschwanz-Jagden rund um Hamm teil. Mit ihrer Freundin Berit verbringt sie die Schulferien bei Reitkursen auf einem Islandpferdehof im Sauerland. „Wir verbrachten Tag und Nacht bei den Pferden, an Familienurlaub war nicht mehr zu denken“, so Braun. Der größte Erfolg mit „Torfi“ ist der Gesamtsieg in der Jugendklasse 1988 beim Herbstturnier in Berlar im Sauerland.

Susanne Braun zieht auch die Heimat der Islandpferde magisch an: Zu ihrem 18. Geburtstag schenken ihr ihre Eltern die erste Reise auf die Insel. Seitdem war sie „mindestens einmal jährlich“ dort – 1995 und 1996 sogar mit jeweils sechswöchigen Praktika in einer Tierklinik in Akureyri.

Nach dem Abitur auf dem Beisenkamp-Gymnasium studiert sie von 1991 bis 1998 an der Tierärztlichen Hochschule in Hannover. Von 1998 bis 2000 folgt die Promotion mit achtwöchigen Untersuchungsintervallen auf Island. Ihre Disseration schreibt sie über Tierernährung.

Viel Überzeugungsarbeit bei den Eltern

Um die Wünsche zu realisieren, sowohl Tierärztin zu werden als auch auf Island leben zu wollen, gehört vor allem bei ihren Eltern viel Überzeugungsarbeit: Ihr Vater, der Hautarzt Dr. Wolfgang Braun, und ihre Mutter, die Kosmetikerin Monika Braun, hätten sich gewünscht, dass Susanne Braun in die einen oder anderen Fußstapfen getreten wäre. Ihrem Vater, der 2006 gestorben ist, widmet sie ein Kapitel des Buches, in dem sie einfühlsam beschreibt, wie sehr sie sein früher Tod mitnimmt. Ihre Mutter lebt mittlerweile in Welver-Eilmsen, eine Tante lebt in Uentrop; ansonsten habe sie nur unregelmäßige Kontakte zu Schulfreunden.

Natürlich spricht Susanne Braun fließend Isländisch – nicht zuletzt dank ihres früheren Partners, der gebürtiger Isländer ist. Dass sie Tierärztin auf Island wurde, verdankt sie auch Björgvin, ihrem ehemaligen Kommilitonen. Seine Einladung, ihn in seiner frisch gegründeten Tierarzt-Klinik zu besuchen, spricht er beim „Landsmót“ aus, der nationalen Meisterschaft für Islandpferde, zu der Susanne Braun 2004, mitten in der Ausbildung zur Chiropraktikerin, reist.

Stresslevel als Tierärztin ist hoch

Damit berührt er einen wunden Punkt bei Susanne Braun: „Ich war das Leben und Arbeiten als Tierärztin, so, wie ich es in Deutschland kennengelernt hatte, schon nach ein paar Jahren ziemlich leid. Als junge Angestellte verdient man nicht viel, der Stresslevel ist hoch“, schreibt sie in ihrem Buch.

Dass die Operationsstandards, mit denen sie auf Island konfrontiert wird, allerdings alles andere als den deutschen entsprechen, ahnt sie da noch nicht.

Erst nach einer unter schwierigen Bedingungen durchgeführten Bauchhöhlen-OP, zu der sie extra eingeflogen wird, reift in ihr die Erkenntnis: „Das könnte genau die Herausforderung sein, die ich suche.“

Die schwarzen Lava-Strände, Nordlichter, Geysire, die Weite des Landes und die Möglichkeit, freier, entspannter zu arbeiten, dazu die eigene Pferdezucht (insgesamt 18 Pferde) – all das sind Vorzüge Islands, auf die Susanne Braun nicht mehr verzichten möchte.

Und auch die Liebe ist noch zu ihr zurückgekehrt – in Form „ihres“ Kolja aus der alten Heimat, den sie nach 24 Jahren wiedersieht. Er lebt mittlerweile mit Susanne Braun auf Island; das Buch endet mit seinem Heiratsantrag...

Lesung am Sonntag

Dr. Susanne Braun stellt ihr Buch am Sonntag, 6. September, um 16 Uhr im Garten am Markgrafenufer 22 vor. Der Eintritt ist frei, Anmeldungen sind erforderlich in der Buchhandlung Holota, Weststraße 11, Telefon 8769072, E-Mail: akzente.hamm@helimail.de. Zum Buch: Susanne Braun und Alexander Schwarz: Die Insel der wilden Träume. Eden-Books, 272 Seiten, Buch 16,95 Euro, eBook 12,99 Euro.

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