Käufer in Hamm bangen um ihr Geld

„Südstern“ regelrecht implodiert: Insolvenzverfahren eröffnet

Stillstand auf der Baustelle.
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Stillstand auf der Baustelle: Das von der „FinanzHyp“ initiierte Bauvorhaben an der Werler Straße wird von einem Insolvenzverwalter betreut.

Seit dem Frühjahr 2021 stehen alle Arbeiten an der Werler Straße 9-11 in Hamm still. Geplant war hier das Projekt „Südstern“ mit 17 Eigentumswohnungen – wie es weitergeht, ist ungewiss. Aber inzwischen gibt es eine Nachricht für alle Betroffenen.

Hamm - Am Amtsgericht ist ein Insolvenzverfahren wegen Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung über das Vermögen der FinanzHyp GmbH eröffnet worden. Die FinanzHyp, die ihren Sitz ursprünglich in Hamm hatte, hatte den Bau begonnen. Im Februar 2021 war die GmbH an einen neuen Gesellschafter übergegangen. Angehende Eigentümer der 60 bis 120 Quadratmeter großen Wohnungen waren nach Ungereimtheiten im Zahlungsverkehr misstrauisch geworden und in Sorge um ihr bereits gezahltes Geld geraten. Einige hatten die Wohnungen als Altersvorsorge geplant.

Sieben Anzeigen wegen Betruges beziehungsweise versuchten Betruges waren daraufhin gegen die FinanzHyp und den ehemaligen Geschäftsführer bei der Polizei eingegangen. Die Polizei in Dortmund übernahm schließlich die Ermittlungen. Diese sind nach Auskunft einer Sprecherin inzwischen an die Staatsanwaltschaft Dortmund zur weiteren Bearbeitung abgegeben worden. Eine Auskunft war am Dienstag nicht zu bekommen.

Bis zum 30. August haben Gläubiger nun Zeit, ihre Forderungen beim Insolvenzverwalter anzumelden. Bestellt ist Rechtsanwalt Wolfgang Piroth in Dortmund. Die Gläubigerversammlung ist auf Montag, 13. September, terminiert. Darin werden die Weichen für den weiteren Verfahrensweg gestellt.

Bauprojekt „Südstern“ in Hamm: drei mögliche Szenarien

Gegenüber unserer Zeitung skizzierte der Insolvenzverwalter, der in der Gläubigerversammlung bestätigt werden muss, ergebnisoffen drei mögliche Szenarien für den Fortgang im Hammer Süden:

  • Unter neuen Rahmenbedingungen und der Regie des Insolvenzverwalters übernimmt ein Generalunternehmer den Bau und stellt ihn fertig.
  • Finanziell ist das Projekt nicht vernünftig darstellbar, ein Investor kauft sich ein, es kommt zur Grundbuchbereinigung und die potenziellen Eigentümer werden ausgezahlt.
  • Das Objekt weist im jetzigen Zustand einen soliden Mehrwert aus, das heißt, der Verkaufswert liegt über den erbrachten Leistungen. Es kommt zu einer Vertragsüberleitung an ein anderes Bauunternehmen, der das Objekt wie geplant fertigstellt.

Eines werde es nicht geben, machte Piroth deutlich: einen schnellen Verkauf. „Ziel ist es, das bestmögliche Ergebnis zu erreichen“, so der Insolvenzverwalter. Dreh- und Angelpunkt dafür sei eine eingehende Prüfung der vorhandenen Bausubstanz. Von dieser Basis aus werde er in den Dialog mit den Anlegern gehen. „Hier müssen wir einen Konsens erzielen, damit es weitergehen kann“, machte Piroth deutlich.

Bauprojekt „Südstern“ in Hamm: strafrechtliche Ansprüche

Zu prüfen seien unter anderem ferner die Umstände des Übergangs der Gesellschaft, Zahlungskanäle und zeitliche Abläufe, mögliche Insolvenzverschleppung sowie eventuelle strafrechtliche Ansprüche. Die Erwerber hätten allein durch den massiven Zeitverlust schon schweren Schaden erlitten. Inwieweit andere nicht fertig gestellte Objekte in das Verfahren einfließen, ist ebenfalls Gegenstand der Prüfung.

Piroth betonte, die Sparkasse Beckum-Wadersloh, über die die bisherige Finanzierung des „Südstern“ gelaufen war, sei sehr kooperativ und habe großes Interesse an einer gut aufgestellten Fortführung des Baus. „Hier wurde die Tür sehr weit aufgestoßen“, so Piroth.

Der Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens kann – wie in diesem Fall – jederzeit auch von außen beispielsweise durch Gläubiger oder Banken gestellt werden.

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