Sturmlauf gegen Provinzial-Verkauf

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Betriebsratsvorsitzender Albert Roer wollte heute in Münster protestieren.

HAMM - Für die Mitarbeiter der Provinzial Nord-West ist die Gefahr längst noch nicht gebannt. „Wir wollen das klare Bekenntnis der Eigentümer, dass sie sämtliche Bemühungen aufgeben, die Provinzial an einen Privaten zu verkaufen“, sagte gestern Betriebsratsvorsitzender Albert Roer dem WA.

Für Donnerstagmittag war eine Protestaktion in Münster geplant, bei der auch wieder Teilnehmer aus Hamm erwartet wurden.

Bei einer „kämpferischen Mittagspause“ wollte die Belegschaft der Provinzial-Zentrale in Münster die etwa 300 Meter zum Sparkassen- und Giroverband Westfalen-Lippe zurücklegen, um dort Verbandspräsident Dr. Rolf Gerlach mehr als 150.000 Protestunterschriften gegen den von ihm betriebenen Verkauf an den börsennotierten Allianz-Konzern zu überreichen. Doch machte der Betriebsrat die Rechnung ohne den Wirt: Gerlach ließ die Sitzung gestern kurzerhand von Münster nach Bochum verlegen. „Das zeigt, dass der Mann nicht in der Lage ist, sich persönlich zu stellen und dass er nach wie vor Böses im Schilde führt“, sagte Roer.

Auch eine bereits am Freitag geplante Übergabe der Protestunterschriften an den Provinzial-Miteigentümer Landschaftsverband Westfalen Lippe (40 Prozent) war bereits gescheitert. LWL-Präsident Dr. Wolfgang Kirsch war „verhindert“. „Wir halten weiter daran fest, die Protestunterschriften in Münster öffentlichkeitswirksam zu überreichen“, sagte Broer.

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Innerhalb kürzester Zeit hatten Mitarbeiter der Provinzial auf der Straße und in den Geschäftsstellen die Unterschriften zusammen bekommen. Zusätzlich hätten 20.350 Menschen online ihren Protest ausgedrückt. Und im sozialen Netzwerk Facebook habe der Betriebsrat 20.500 Freunde. „Wir werden auf jeden Fall am Ball bleiben und nicht eher Ruhe geben, bis wir ganz sicher sein können, dass die Provinzial nicht privatisiert wird“, sagte Roer.

Bis heute habe niemand plausibel erklären können, warum die Provinzial verkauft werden solle. Auch Hinweise auf Risiken bei der Sparte Lebensversicherungen seien haltlos. Selbst bei einer lange anhaltenden Niedrigzinsphase sei die Provinzial so gut abgesichert, dass sie ihren Kunden die Renditen garantieren könne. „Das Unternehmen hat einen Wert von mehr als zwei Milliarden Euro und steht wirtschaftlich solide da“, so Roer. So solide, dass eigentlich auch keine Notwendigkeit zur Fusion mit der Provinzial Rheinland bestehe. Zwar sperre man sich nicht gegen die Fusion, sei aber vehement gegen „eine Fusion mit der Brechstange“. In der Vergangenheit habe sich schon öfter gezeigt, dass dann die Interessen Westfalens untergehen. Deshalb werde der Betriebsrat auch die Fusionsgespräche im Frühjahr sehr aufmerksam begleiten, so Roer.

Mitarbeiter der Provinzial äußerten auf Anfrage, dass sie mit einer Fusion „tausendmal besser“ zurecht kämen als mit einem Verkauf an die Allianz. „Das würde immerhin sozialverträglich ablaufen“, sagte ein Mitarbeiter.

Oberbürgermeister Thomas Hunsteger-Petermann (CDU) wird heute in Bochum dabei sein. In der Tasche hat er einstimmige Beschlüsse des Verwaltungsrats der Sparkasse Hamm und des Rates der Stadt Hamm – gegen den Verkauf der Provinzial. - dfb

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