1. wa.de
  2. Hamm
  3. Stunikenmarkt

Einfach berauschen lassen: So soll Hamms Kirmes-Jahr 2022 werden

Erstellt:

Von: Markus Hanneken

Kommentare

Fest eingeplant beim Stunikenmarkt 2022 ist das Riesenrad von Cornelius.
Fest eingeplant beim Stunikenmarkt 2022 ist das Riesenrad von Cornelius. Es soll dann möglichst vor der Pauluskirche stehen (wie hier auf einem Foto von 2014). © Robert Szkudlarek (Archiv)

Das Kirmes-Jahr 2022 soll in Hamm ein ganz anderes werden als die Kirmes-Jahre 2021 und 2020 – nämlich ein normales. Denn „normal“ wäre in diesen Zeiten schon enorm viel. Für diese Hoffnung blenden die Schausteller vieles andere weitgehend aus - aus Selbstschutz.

Hamm - Nach zwei für die Schausteller harten Jahren wollen sie in diesem Jahr mit Trotz und banger Hoffnung wieder durchstarten. Ein Gelingen wäre bitter nötig, denn noch stellt sich die Situation für das fahrende Volk und dem langen Rattenschwanz hintendran zwar einigermaßen glimpflich dar - aber welche Konsequenzen das Abarbeiten von Steuer- und Förderschulden in den kommenden Monaten noch haben wird, ist ganz und gar nicht abzusehen.

Vier Mal sollen die Hammer in diesem Jahr in ihrer Stadt Kirmesluft schnuppern dürfen (siehe Infoblock weiter unten), doch wie alljährlich bis 2019 soll der Stunikenmarkt im Herbst nicht nur für die Besucher, sondern auch für die Macher das eigentliche Highlight werden. „Endlich wieder eine Kirmes mit Volksfestcharakter, ohne Zaun, ohne Eintritt“ wünscht sich Uwe Röhrig vom Schaustellerverein „Hand in Hand Hamm“ sehnlich. Zwar sei der Kirmes-Park an den Zentralhallen – trotz Corona-bedingtem Abbruch 2020 - als Notnagel okay gewesen, doch Kirmes sei ja ein Fest für Jedermann, also auch für jene, die sich mangels Geld einfach nur berauschen lassen wollten.

Die Kirmes-Termine in und um Hamm 2022

25.3.-28.3. Bockum-Hövel (Frühjahrskirmes, Rudi Isken organisiert)

13.-15.5. Heessen (Marktplatz, zum Glück kirmesgerecht umgestaltet)

20.-22.5. Herringen

16.-20.9. Stunikenmarkt

22.-25.10. Simjü (Werne)

2.-6.11. Allerheiligenkirmes (Soest)

Die Planung für den 31. Stunikenmarkt steht also tatsächlich nicht erst seit dem Bewerbungsstichtag (15. November 2021), sondern schon seit Ende 2019: Weil diese damals aus den bekannten Gründen platzte, soll sie nun als Blaupause für 2022 dienen. „Wir haben lange überlegt, wie wir den ersten Stunikenmarkt nach der Corona-Pause angehen“, erklärt Röhrig nachdenklich. Nun wolle man aber vor allem jene Anbieter zum Zuge kommen lassen, „die damals einen Vertrag hatten, aber dann doch nicht kommen durften“, ergänzt sein Kollege Daniel Seonie.

Kirmes-Jahr 2022 in Hamm: Highlights auf dem Stunikenmarkt

Klar ist somit schon jetzt, dass ein Riesenrad dabei sein wird – am liebsten vor dem Kirchen-Portal – sowie das modernisierte Überkopf-Rundfahrgeschäft „Ghost Rider“, die Riesenschaukel „Frisbee“, der Kettenflieger „Wellenflug“, die Geisterbahn „Ghost - Geisterdschungel“ und vieles mehr. Weitere große Fahrgeschäfte wie eine Wildwasserbahn und eine Achterbahn haben diesmal keinen Platz. Darüber hinaus sollen die Besucher auf dem gewohnten Platz und im gewohnten Umfang vieles so vorfinden, wie sie es kennen und mögen: also mit Freifahrten zum Start, mit Familientag und mit Feuerwerk. Dabei ist den Schaustellern grundsätzlich wichtig, dass der Mix und der Aufbau jedes Jahr ein neues Gesicht bekommen, um den Stunikenmarkt möglichst interessant und für die Besucher in ihrer gesamten Breite attraktiv zu halten.

Einen besonderen Bewerberansturm hat Röhrig trotz des erhofften „Neustarts“ nicht festgestellt: Es gebe ohnehin stets einen Überhang an Bewerbungen, die üblicherweise in Fachzeitschriften für Veranstaltungen in ganz Deutschland ausgeschrieben werden. „Manche Anbieter schreiben bis zu 300 Bewerbungen“, weiß der 63-Jährige. „Im Schnitt sind am Ende rund 20 erfolgreich.“ Nach Hamm werden im September rund 90 Schaustellerfamilien kommen.

„Wir versuchen nicht darüber nachzudenken: Das macht gemütskrank.“

Uwe Röhrig, Hammer Chef-Schausteller, über den Ukraine-Krieg

Kirmes-Jahr 2022 in Hamm: Preisentwicklung bereitet Sorgen

Und was, wenn es auch in diesem Jahr nichts wird mit dem normalen Stunikenmarkt? Gibt es einen Plan B? Womöglich wieder an den Zentralhallen? „Nein“, sagt Röhrig klar, es sei kein Alternativstandort bei der Stadt hinterlegt. „Wir Schausteller sind schon immer flexibel gewesen und gehen wie immer optimistisch ins Jahr.“ Und was, wenn diesmal nicht Corona das Problem wäre, sondern der Krieg in Osteuropa und seine weiteren Folgen, die schon jetzt auch bei uns spürbar sind? Das ignoriert Röhrig natürlich nicht, doch sagt er auch: „Wir versuchen nicht darüber nachzudenken: Das macht gemütskrank.“

Dann gibt der Hammer Kirmes-Profi doch einen kleinen Einblick in sein Seelenleben: Mit Sorge betrachte er die eben den Krieg noch forcierte allgemeine Preisentwicklung, vor allem bei Energie, aber auch bei der Lebenshaltung und angesichts des Mindestlohns auch bei den Personalkosten. Denn er weiß, dass sich das unweigerlich auf die Kirmespreise niederschlagen muss und wird. Wie stark, das weiß er natürlich noch nicht – aber er hofft, dass die Leute trotzdem kommen und Geld ausgeben können.

Auch interessant

Kommentare