Studie: Hamm nur auf Platz 46 der nachhaltigsten Städte

HAMM - Hamm erreicht beim umfangreichen Nachhaltigkeits-Ranking der Fachzeitschrift "WirtschaftsWoche" Platz 46 - damit gehört die Stadt zu den zehn Städten mit der schlechtesten Nachhaltigkeitsleistung Deutschlands im Ranking.

In keiner der sechs zentralen Nachhaltigkeitskategorien (Umwelt, Humankapital, Soziales, Wirtschaftskraft, Energie und Verkehr sowie Transparenz und Engagement) belegt Hamm einen Platz unter den besten zehn Städten.

Für die Studie wurden erstmals die 50 größten Städte Deutschlands auf ihre Nachhaltigkeit mit einem ganzheitlichen Ansatz anhand von 56 nicht nur ökologischen, sondern auch sozial-ökonomischen Einzelkriterien für den so genannten "WirtschaftsWoche Sustainable City Indikator (WWSCI)" wissenschaftlich untersucht. Die WirtschaftWoche hat das Ranking gemeinsam mit Forschern des Instituts für Weltwirtschaft, von Kiel Economics und der Christian Albrechts Universität zu Kiel sowie dem Veolia Umweltservice erstellt.

Die Stadt mit ihren 182.000 Einwohnern schneidet noch am besten in der Kategorie Umwelt (Luftqualität, Flächennutzung und Abfallmanagement) ab: Platz 23. Positiv wirkte sich dabei vor allem die relativ gute Luftqualität aus (Platz 17). Die Feinstaubbelastung liegt an nur 18 Tagen im Jahr über dem Grenzwert (Durchschnittswert aller 50 untersuchten Großstädte: 21 Tage) und die Ozonbelastung ist an 13 Tagen (Durchschnittswert: 14 Tage) über dem zulässigen Höchstwert. Die Stickstoffdioxidbelastung ist mit durchschnittlich 21,1 μg/m3 niedriger als im Durchschnitt der untersuchten Städte (24,0 μg/m3). Im Teilbereich Abfallmanagement kommt die Stadt im Ranking auf Platz 29. Das Hausmüllaufkommen liegt zwar mit 433 Kilogramm je Einwohner pro Jahr unter dem Schnitt aller 50 untersuchten Städte (462 Kilogramm). Aber die Recyclingquote ist mit 39,9 Prozent deutlich niedriger als im Durchschnitt (46,5 Prozent).

Keine Spitzenforschungsinstitute in Hamm

Hamm erreicht im Bereich Humankapital (Demografie, Sicherheit sowie Gesundheit, Erholung und Gemeinwesen) den 38. Platz. Im Teilbereich Beschäftigungsmöglichkeiten steht die Stadt auf Rang 34: Sowohl bei der Arbeitslosenquote mit 10,7 Prozent (Durchschnittsquote: 10,0 Prozent) als auch bei der Jugendarbeitslosenquote mit 8,7 Prozent (Durchschnittswert: 8,8 Prozent) kommt die Stadt auf durchschnittliche Werte. Das Angebot an Ausbildungsplätzen ist mit 98,7 auf je 100 Suchende etwas unterdurchschnittlich (Durchschnittswert: 100,7). Vor allem bei der Bildung schneidet Hamm mit Platz 44 schlecht ab. Die Stadt beheimatet keine Spitzenforschungsinstitute und die Zahl der Studierenden ist gemessen an der Einwohnerzahl der Stadt vernachlässigbar niedrig. Im Bereich der Kinderbetreuung rangiert Hamm auf Platz 31: So werden beispielsweise nur 10,0 Prozent der Kleinkinder in Tageseinrichtungen betreut (Durchschnitt: 19,3 Prozent). Zumindest die Betreuungsquote ist aber etwas besser. So kümmert sich in Hamm jeder Pädagoge durchschnittlich nur um 7,1 Kinder, während es im Durchschnitt der 50 Städte 7,8 Kinder sind.

In der Kategorie Energie und Verkehr liegt Hamm auf Platz 38 im Nachhaltigkeits-Ranking. Der Stromverbrauch liegt mit jährlich 1.864 kwh je Bürger nahe am Durchschnittswert der 50 untersuchten Großstädte (1.834 kwh). Die installierte Fläche für Solarthermie rangiert mit 4.204 Quadratmetern pro 100.000 Einwohner klar über dem Durchschnittswert von 2.802 Quadratmetern. Die Nutzung von KfW-Förderprogrammen zur Gebäudesanierung ist dagegen vergleichsweise gering. Insgesamt erzielt die Stadt im Bereich Energie den Rang 34. Im Bereich Verkehr steht die Stadt auf Platz 37. Die Pkw-Dichte ist mit 46,7 Autos je 100 Einwohner (Durchschnittswert: 44,5 Pkw) leicht überdurchschnittlich und die Verfügbarkeit von Elektrotankstellen ist unterdurchschnittlich.

Bei der Wirtschaftskraft (Wirtschaftsleistung, öffentliche Finanzen und Innovationsfähigkeit) erreicht die Stadt Rang 44. Dabei steht Hamm mit ihrer Wirtschaftsleistung auf Platz 41 unter den 50 untersuchten Großstädten: So erwirtschaftet die Stadt nur ein Bruttoinlandsprodukt (BIP) in Höhe von 23.371 Euro pro Kopf (Durchschnittswert: 36.951 Euro) und die Bürger verfügen über ein unterdurchschnittliches Einkommen von 16.408 Euro (Durchschnitt: 18.498 Euro). Im Bereich Innovationsfähigkeit erreicht die Stadt Platz 46. Die Zahl der Gewerbeneugründungen in Relation zu 10.000 Bewohnern ist mit 90,1 niedriger als der Durchschnitt aller Großstädte (Durchschnittswert: 102,5) und auch der Anteil der Beschäftigten in wissensintensiven Industrien, in Forschung und Entwicklung und in kreativen Branchen liegt deutlich unter dem Durchschnitt. Im Bereich der öffentlichen Finanzen rangiert Hamm auf einem unteren Mittelfeldplatz (Rang 30): Die Stadt ist zwar nur mit 1.490 Euro pro Bürger verschuldet (Durchschnittswert: 1.886 Euro), allerdings betragen die Steuereinnahmen ebenfalls nur niedrige 471 Euro pro Einwohner (Durchschnittswert: 659 Euro).

Schlechte Ärzteversorgung

In der Kategorie Soziales (Demografie, Sicherheit sowie Gesundheit, Erholung und Gemeinwesen) steht Hamm nur auf Position 47. Während die Performance im Teilbereich Sicherheit im Mittelfeld der untersuchten Großstädte liegt, kommt die Stadt im Bereich Gesundheit, Erholung und Gemeinwesen nur auf Rang 49. Bei der Sicherheit erreicht die nordrhein-westfälische Stadt immerhin Platz 27: Die Zahl der jährlich begangenen Strafdelikte liegt mit 8.516 pro 100.000 Einwohner deutlich unter dem Durchschnittswert aller 50 untersuchten Städte (10.509 Straftaten). Allerdings werden nur 48,9 Prozent der Straftaten aufgeklärt (54,9 Prozent). Im Teilbereich Gesundheit wirkt sich vor allem die schlechte Ärzteversorgung negativ aus: In Hamm muss sich ein Arzt statistisch um 654 Einwohner kümmern. Durchschnittlich sind es bei den 50 untersuchten Großstädten nur 479 Einwohner. Die Bürgern von Hamm sind aber mit immerhin 104 Krankenhausbetten pro 10.000 Einwohner überdurchschnittlich gut versorgt (Durchschnittswert: 89 Betten). Der Anteil der Erholungsflächen am gesamten Stadtgebiet ist mit 2,4 Prozent (Durchschnitt: 6,9 Prozent) nach Saarbrücken und Erfurt der drittniedrigste unter den 50 untersuchten Städten.

„Hamm verliert im Gesamtranking vor allem durch das schlechte Abschneiden in der Subkategorie Gesundheit, Erholung und Gemeinwesen Plätze. Wenn die Ärzteversorgung der Bevölkerung auf 464 Einwohner/Arzt verbessert und der Anteil der Erholungsflächen auf 8,5 Prozent (Durchschnitt der Top 10) ausgeweitet würde – das ist jeweils das Durchschnittsniveau der zehn größten Städte – würde Hamm sich um zwei Plätze auf Rang 44 verbessern“, sagt Dr. Jonas Dovern von Kiel Economics.

Methodik

Der "WirtschaftsWoche Sustainable City Indikator" zeigt, wie nachhaltig die 50 größten deutschen Städte bereits heute sind und wie sie ihre Nachhaltigkeit gezielt verbessern können. Das Nachhaltigkeitsniveau der Städte wird mit 56 Einzelindikatoren in sechs Nachhaltigkeitskategorien bewertet: Wie die Städte mit Umwelt und Energieressourcen (Energie und Verkehr) umgehen, wie nachhaltig die Wirtschaftskraft ist und wie nachhaltig Humankapital (Beschäftigungslage, Bildung und Kinderbetreuung) und Soziales (demografischen Komponenten, Sicherheit, Gesundheit und Erholung) sind. Der Indikator berücksichtigt zudem das Engagement der Städte für eine nachhaltige Entwicklung und die Transparenz bei der Darstellung der Bemühungen gegenüber den Bürgern und der Öffentlichkeit.

Weitere Platzierungen:

Die Spitze im Ranking belegt Stuttgart, gefolgt von Münster. Aus NRW zählt noch Bielefeld (Platz 5) zu den Top Ten. Düsseldorf liegt auf Platz 13, Köln auf 31, und im Schlussfeld finden sich außer Gelsenkirchen noch Essen (44), Mönchengladbach (45), Hamm (46), Herne (47), Krefeld (48) und Oberhausen (49).

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