Jugendamts-Mitarbeiter in Hamm betreuen "nur" 35 Fälle

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Symbolbild

Hamm - Bundesweit sind die Mitarbeiter von Jugendämtern überlastet. Zu dem Schluss kommt eine Studie der Hochschule Koblenz. In Hamm scheinen dagegen erstaunlich gute Verhältnisse zu herrschen.

Sozialarbeiter betreuen in Hamm nach Stadtangaben deutlich weniger Fälle als in anderen Kommunen. Überlastungsanzeigen der Mitarbeiter gibt es trotzdem.

Der Allgemeine Soziale Dienst (ASD) des Jugendamtes schreitet ein, wenn Kinder in Gefahr sind, und berät in Erziehungsfragen. Die Bundesarbeitsgemeinschaft ASD empfiehlt dabei eine Richtzahl von 35 Fällen je Vollzeitstelle. Und die wird nach Angaben der Stadtverwaltung in Hamm noch unterschritten. 62 Vollzeitstellen seien eingerichtet und vollständig besetzt, teilte ein Stadtsprecher auf WA-Anfrage mit. Bei 2100 laufenden Fällen bewegt sich der Quotient in Hamm bei 34,5 Fällen pro Vollzeitstelle.

Andernorts müssen die Mitarbeiter deutlich mehr bewältigen: 50 bis 100 Fälle pro Sozialarbeiter nennt die Koblenzer Studie, die von der Deutschen Kinderhilfe gefördert wurde. Allgemein sei die Fluktuation im ASD hoch, es werde immer schwieriger, die Stellen zu besetzen.

Fluktuation maßgeblich altersbedingt

Auch hier seien die Verhältnisse in Hamm anders, heißt es bei der Stadt: Die Fluktuation sei maßgeblich altersbedingt. 2017 hätten elf neue pädagogische Fachkräfte ihren Dienst aufgenommen; man bilde auch über einen dualen Studiengang an der SRH-Hochschule aus. In der Abteilung gelte der generelle Verzicht auf die sonst übliche Stellenvakanz von sechs Monaten.

Das Engagement der Stadt erkennt man bei der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi) durchaus an. Sabine Vedder-von Kleist, die dort für die Hammer Verwaltung zuständig ist, sieht trotzdem Arbeitsüberlastung im ASD-Bereich. Mitarbeiter hätten immer wieder Überlastungsmitteilungen abgegeben. Die Stadt bestätigte drei solcher Anzeigen für 2017.

Vedder-von Kleist zufolge sind Jugendämter verschiedener Städte aufgrund unterschiedlicher Zuschnitte kaum vergleichbar. Bundesweit gebe es jedoch Bestrebungen, individuelle Hilfen für Kinder zurückzufahren und in lediglich kollektive Ansprüche umzuwandeln.

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