Sind fünf Klausuren in sechs Tagen noch Ausnahmen?

Studenten kritisieren HSHL: Präsenz-Klausuren an der Hochschule sind „fahrlässig“

Standort des Campus der Hochschule Hamm-Lippstadt HSHL in Hamm.
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Studenten kritisieren die Klausurregelung an der HSHL.

Ärger unter den Studenten der HSHL: Sie schreiben zahlreiche Klausuren vor Ort in der Hochschule. Während die HSHL das Vorgehen verteidigt, kritisieren es die Studenten: Sie glauben, die Hochschule scheue den Aufwand für andere Prüfungsformate.

Hamm - Die Hochschule Hamm-Lippstadt (HSHL) wird einen Teil ihrer Prüfungen und Klausuren ab dem 25. Januar während des aktuellen Lockdowns in Präsenz-Veranstaltungen durchführen. Das sorgt für Kritik in der Studentenschaft. Mehrfach kam der Vorwurf der Fahrlässigkeit auf. Andere Universitäten wie beispielsweise die Westfälische Wilhelms-Universität Münster schlagen dagegen konsequent den Weg von Online-Prüfungen ein. In Hamm glaubt man, im Rahmen der bestehenden Corona-Schutzverordnung zu handeln und beruft sich auf Ausnahmen.

Sind sechs Prüfungen an fünf Tagen wirklich Ausnahmen?

Denn diese sind laut Verordnung möglich. Aber wie weit ist der Begriff dehnbar? Eine HSHL-Studentin beispielsweise ist für sechs Klausuren in fünf Tagen angemeldet – alle in Präsenz. Können das alles Ausnahmen sein? Die Studentin beklagt, es habe keine Alternativangebote wie Hausarbeiten gegeben und sie kenne auch niemanden, dem solche Angebote unterbreitet worden seien. Vielmehr seien Klausuren aus dem Februar noch in den Lockdown verschoben worden. Aus „organisatorischen Gründen“, habe es von der HSHL geheißen.

„Mein Eindruck ist es, dass es der Hochschule einfach zu viel Aufwand und Organisation war, andere Formate zu finden“, sagt die Studentin, deren Name der Redaktion bekannt ist, die aber nicht genannt werden möchte. Sehr große Module wie Mathe oder Statistik würden in Präsenzterminen geprüft. Das hält die junge Frau für fahrlässig.

Ähnlich äußert sich ein Kommilitone aus einem anderen Fachbereich, der ebenfalls nicht namentlich genannt werden möchte. Hausarbeiten wären nur in Einzelfällen angeboten worden. Darüber hinaus gebe die Hochschule keine Gründe an, wieso die Klausuren nicht verschoben werden könnten.

Hochschule verweist auf Freiversuche

In einer E-Mail (liegt der Redaktion vor), die am Dienstagabend von der HSHL an die Studenten verschickt wurde, heißt es: „Natürlich wissen wir, dass es Personen gibt, die diese Entscheidung auf Grund der Infektionslage kritisch sehen. Es galt (...) einen Weg zu finden, der der beste für die größtmögliche Zahl der Studierenden sowie HSHL-Beschäftigten ist.“ Ferner wird auf die Möglichkeit von Freiversuchen (nicht gewertete Prüfungen) verwiesen. Ansonsten halte man alle Schutzvorschriften ein.

„Eine Verschiebung der Prüfungen auf einen späteren Zeitpunkt hätte bedeutet, dass die Studierenden nicht wissen, ob sie dieses Semester bestanden haben oder nicht, bevor das nächste Semester beginnt“, so HSHL-Sprecherin Johanna Bömken gegenüber unserer Zeitung. Dies beeinflusse unter Umständen den Studienverlauf maßgeblich. Es handele sich nur noch um ausschließlich in dieser Form notwendige Prüfungen. „Wo es irgendwie möglich war, wurden Prüfungsformen auf andere Varianten umgestellt“, so Bömken. Wie hoch der Anteil der veränderten Prüfungsformate ist, teilte die Hochschule nicht mit.

Dass die Gesundheit im Vordergrund stehe, so wie von der HSHL bekräftigt, bezweifelt ein Student: „Wenn nur ein Studierender mit Symptomen die Klausuren schreibt, dann bedeutet dies für andere eine eventuelle Quarantäne.“ Den Vorwurf der Fahrlässigkeit weist die HSHL entschieden zurück. Gesundheitsschutz stehe an oberster Stelle.

Münster geht anders vor - nur wenige Ausnahmen

Von Ausnahmen ist in dem HSHL-Schreiben nicht die Rede. Unabhängig von dem Verfahren in Hamm heißt es von der WWU Münster: „Eine Ausnahme ist eine Ausnahme. Wenn ich als Biologie-Prüfling eine Zellkultur angesetzt habe, die am 29. Januar verfällt, ist das ein Argument für eine unaufschiebbare Präsenz-Prüfung. Oder ein zwingend notwendiges Ergebnis für eine Bewerbung“, so ein Sprecher. Um Wünsche gehe es nicht.

Der Stadt als Ordnungsbehörde sei das HSHL-Vorgehen plausibel geschildert worden, so ein Sprecher. Allerdings habe man sich nicht jede Prüfung genau angeschaut. Beschwerden von Studenten lägen nicht vor.

Auf Nachfrage unserer Redaktion berief sich das Ministerium für Kultur und Wissenschaft am Freitag auf die geltende Allgemeinverfügung, die vor dem 31. Januar nur in Ausnahmefällen Präsenzprüfungen zulässt (aus rechtlichen oder tatsächlichen Gründen, oder bei Unzumutbarkeit einer Verlegung für den Prüfling). Für die Schutzstandards zum Infektionsschutz seien die Hochschulen selbst – in Abstimmung mit der kommunalen Gesundheitsbehörden – zuständig. Eine konkrete Aussage und Bewertung zum Vorgehen an der HSHL gab es vom Ministerium nicht.

Die Hochschule hat in Kürze eine neue Präsidentin. Sie löst Klaus Zeppenfeld im Mai ab.

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