Im Ortsverein Bockum-Hövel geht es hoch her

Schläge, Putsch, tiefe Risse: Damian Chatha über den Stress in der SPD

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Damian Chatha, SPD-Fraktionsvorsitzender.

Im SPD-Ortsverein Bockum-Hövel geht es personell und emotional hoch her, seit Damian Chatha der Mitbewerberein Sabine Zumbrink unterlag. Begriffe wie "Putsch" und "tiefe Risse" tauchen immer wieder auf. Chatha äußert sich jetzt im Interview mit WA.de.

Bockum-Hövel – Bei der Wahl zum Vorsitzenden des SPD-Ortsvereins Bockum-Hövel unterlag Damian Chatha (25) der Mitbewerberein Sabine Zumbrink. Als Fraktionsvorsitzender in der Bezirksvertretung wurde er im Amt bestätigt. Fragen, wie die Sozialdemokraten in Bockum-Hövel sich künftig aufstellen wollen und wie Ortsverein und Fraktion zusammenarbeiten, stellte WA.de an Chatha:

Was ist Ihrer Auffassung nach der Grund dafür, dass Sie nicht zum Vorsitzenden des Ortsvereins Bockum-Hövel gewählt worden sind, obwohl die Personalfindungskommission Sie vorgeschlagen hat? 

Damian Chatha: Die Nichtwahl richtete sich nicht gegen mich allein, sondern gegen ein ganzes Team aus engagierten und kompetenten Parteimitgliedern, mit dem ich angetreten bin. Vor der Jahreshauptversammlung herrschte Einigkeit in der Bockum-Höveler SPD, und auch ich persönlich habe von vielen Personen Unterstützung für meine Kandidatur zugesagt bekommen – auch von Sabine Zumbrink.

Dass Frau Zumbrink aus dem Nichts mit einem kompletten Gegenvorschlag kandidierte, entspricht nicht meiner Vorstellung von einem solidarischen Miteinander in der SPD. Ich bin immer dafür, Kritik offen anzusprechen. Weder bei Vorstandssitzungen noch in Mitgliederversammlungen hat Frau Zumbrink die gemeinsame politische Arbeit von Partei und Fraktion kritisiert. Stattdessen wurde hinterrücks im geheimen Kämmerlein eine Abwahl derjenigen vorbereitet, die sich jahrelang für die SPD Bockum-Hövel engagiert haben – ohne auch nur einen politischen Grund zu nennen oder eine politische Alternative aufzuzeigen.

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(Anmerkung der Redaktion: In kommenden Tagen wird hier auf WA.de auch das Interview mit Sabine Zumbrink zu lesen sein.)

Gesprächstermin gibt's noch nicht

Gibt es einen Termin für ein Gespräch mit dem neuen Vorstand des SPD-Ortsvereins? 

Chatha: Nein. Frau Zumbrink hat sich zum Gesprächsangebot der Fraktion bislang nicht geäußert. Wir stehen weiterhin jederzeit für Gespräche zur Verfügung.

Wie wollen Sie künftig mit dem Ortsverein zusammenarbeiten? 

Chatha: Die SPD Bockum-Hövel war in den vergangenen Jahren so erfolgreich, weil Ortsverein und Bezirksfraktion sich in allen politischen Fragen eng abgestimmt haben und zusammengehalten haben. Wie wir die Zusammenarbeit künftig gestalten werden, wird ein Thema des Gesprächs zwischen Frau Zumbrink und mir werden. Dem möchte ich an dieser Stelle nicht vorgreifen.

Ausgestreckte Hand ausgeschlagen

Wie wollen Sie Brücken über den tiefen Riss bauen, der durch die Sozialdemokratie in Bockum-Hövel geht? 

Chatha: Ein Angebot zum Brücken bauen haben wir bereits gemacht. Im zweiten Teil der Jahreshauptversammlung haben sich mehrere engagierte Genossinnen und Genossen, die fachlich hoch kompetent und im Stadtbezirk gut vernetzt sind, zur Mitarbeit im neuen Vorstand angeboten. Frau Zumbrink hat mir wenige Tage zuvor persönlich Unterstützung für unser Angebot zugesagt, die Zahl der Beisitzer so zu erhöhen, dass alle Kandidaten auch gewählt werden und damit beide „Lager“ zusammenfinden können.

Auf der Versammlung selbst hat Frau Zumbrink dies jedoch abgelehnt und an ihr Lager Zettel mit Namen derer verteilt, die gewählt werden sollen. Da waren ausschließlich die Unterstützer Zumbrinks aufgeführt – und so wurde am Ende auch durchgewählt mit einer Mehrheit, die man sich durch eine Eintrittswelle in der Woche vor der Versammlung verschafft hat.

Das zeigt, dass Frau Zumbrink an einem gemeinsamen Miteinander offenbar kein Interesse hat. Die ausgestreckte Hand wurde ausgeschlagen. Nach dem Putsch bei der ersten Versammlung war dieses unehrliche Verhalten erneut ein Schlag, der besonders die Fraktion tief getroffen hat. Da ist es doch mehr als verständlich, dass wir nach dieser wiederholten menschlichen Enttäuschung erst einmal einen Moment innehalten.

Nachdem unser Angebot zur Zusammenarbeit von Frau Zumbrink abgelehnt wurde, liegt es jetzt bei ihr, mögliche Wege einer Zusammenarbeit aufzuzeigen.

SPD muss wieder Einigkeit beweisen

Wie wollen Sie diejenigen Mitglieder zur politischen Arbeit für die Kommunalwahlen motivieren, die nicht hinter Ihnen als Fraktionsspitze stehen? 

Chatha: Wir müssen uns weiter darauf konzentrieren, wofür wir Kommunalpolitik machen: das Leben der Menschen in Bockum-Hövel ganz konkret zu verbessern. Als Fraktionsvorsitzender bin ich stolz auf die Projekte, die die SPD-Fraktion seit 2014 auf den Weg gebracht hat – und ich blicke mit Zuversicht auf die Themen, mit denen wir bis zur Kommunalwahl 2020 Bockum-Hövel besser machen wollen. Durch eine weiterhin gute Arbeit in der Bezirksvertretung möchte ich nicht nur die Partei, sondern alle Bürger von der SPD-Fraktion überzeugen.

Wir brauchen mit Blick auf die Kommunalwahl 2020 dringend wieder eine SPD, die zusammenhält, zusammenarbeitet und Einigkeit beweist. Das darf nicht nur eine leere Floskel sein, sondern muss jetzt konkret gelebt werden. Ich stehe dazu nach wie vor bereit.

Vier große Themen auf der Agenda

Welche politischen Themen in Bockum-Hövel wollen Sie bis zur Kommunalwahl im Herbst 2020 angehen? 

Chatha: Als Fraktionsvorsitzender werde ich mit meiner Fraktion in den nächsten Monaten vier große Themen bearbeiten:

Zur Aufwertung des Höveler Marktplatzes haben wir 100.000 Euro in den Haushalt eingestellt. Hier werden wir in den nächsten Wochen unsere konkreten Vorschläge für den Marktplatz sowie einen Zukunftsplan für die Höveler City präsentieren. Im Bereich des Umweltschutzes haben wir mit dem Erlebensraum Lippeaue bereits ein großartiges Projekt auf den Weg gebracht und werden weitere Ideen entwickeln, wie wir den Klimaschutz ganz konkret vor Ort voranbringen. Ein weiteres Thema wird Mobilität und Infrastruktur sein – nicht nur in Sachen Straßensanierung, sondern auch beim Ausbau des Busnetzes, der Verbesserung von Radwegen und der Modernisierung des Bahnhofs Bockum-Hövel. Nicht zuletzt wird sich die Fraktion mit dem Thema Wohnen und Quartiersentwicklung befassen, eines der drängendsten Themen in Bockum-Hövel. Wir wollen mehr und bezahlbaren Wohnraum schaffen und gleichzeitig Nachbarschaften und Quartiere stärken, die sich abgehängt fühlen.

Und neben all den großen Themen kümmern wir uns weiterhin um die vermeintlich kleinen Dinge, mit denen die Bürgerinnen und Bürgern bei unseren Sprechstunden und auf Veranstaltungen auf uns zukommen und bei denen wir meist schnell helfen können.

 

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