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Streit um die Steinwüsten zwischen der Stadt Hamm und dem Land NRW

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Von: Jörn Funke

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Heute blüht vor der Sparkasse in Bockum-Hövel ein Insektenparadies.
Heute blüht vor der Sparkasse in Bockum-Hövel ein Insektenparadies. © Reiner Mroß

Das Land will härter gegen Schottergärten vorgehen, aber Hamm bremst.

Hamm – Schottergärten spalten die Gemüter. Den einen sind sie „Gärten des Grauens“, ohne Bienen und Vögel, und dafür viel zu warm und wasserundurchlässig. Andere preisen sie als ästhetisch und pflegeleicht. Jetzt sorgt diese Art der Gartengestaltung für Zwist zwischen Stadt und Landesregierung. Düsseldorf will schärfer gegen Schottergärtner vorgehen, doch die Stadt bremst.

Dabei ist man im Hammer Rathaus und im Düsseldorfer Bauministerium grundsätzlich einer Meinung: Schottergärten sind schlecht fürs Klima und sollen möglichst verschwinden. Über den Weg dahin gibt es allerdings unterschiedliche Auffassungen.

Verbot seit 2018

Das Land gibt dabei den Rahmen vor. 2018 hatte die schwarz-gelbe Landesregierung die Landesbauordnung geändert und damit ihrer Auffassung nach Schottergärten und gepflasterte Vorgarten-Parkplätze verboten. Im Paragrafen 8 heißt es seitdem, nicht bebaute Flächen eines Grundstücks seien „wasseraufnahmefähig zu belassen oder herzustellen und zu begrünen oder zu bepflanzen.“ Im vergangenen Sommer legte Düsseldorf noch einmal nach und knüpfte Bauabnahmen an die ordnungsgemäße Gestaltung der Außenflächen.

Umsetzen müssen das die Kommunen. Und deren Engagement fiel unterschiedlich aus. Schließlich versprach die Schottergartenfrage für die Bauämter viel Arbeit und viel Ärger mit aufgebrachten Gartenbesitzern.

Bestandschutz für bestehende Schottergärten

Hamm hatte sich in der Sache immer zurückhaltend gezeigt. Neue Schottergärten will die Stadtverwaltung zwar nicht mehr abnehmen, hieß es bereits im November. Für bestehende Steinwüsten gilt aber eine Art Bestandsschutz: Man werde nicht aktiv gegen Schottergärten vorgehen, sondern nur „im begründeten Einzelfall“ kontrollieren. Wie oft das seitdem vorkam und ob Bauabnahmen wegen Schottergärten versagt wurden, konnte die Stadt nicht mitteilen. Nur, dass man eine stadtweite Überprüfung personell nicht leisten könne.

Dafür macht das Land jetzt erneut Druck. Angesichts von Überhitzung, Überschwemmungen und Insektensterben will Landesbauministerin Ina Scharrenbach (CDU) die Landesbauordnung weiter verschärfen. Auf einer Konferenz der Landesbauminister sollen dazu im Herbst bundesweite Absprachen getroffen werden, heißt es aus dem Düsseldorfer Ministerium. Dabei sollten Erfahrungen aus den Kommunen einfließen. Einen genauen Fahrplan für das weitere Vorgehen gebe es in Düsseldorf aber noch nicht. Das sei auch gar nicht unbedingt nötig, gibt man dort zu verstehen: Mit Bauordnungsrechtlichen Ordnungsverfügungen hätten die Kommunen bereits Mittel in der Hand, um bestehende Schottergärten abräumen zu lassen.

Im April 2021 war vor der Sparkasse Bockum-Hövel nur eine öde Steinwüste.
Im April 2021 war vor der Sparkasse Bockum-Hövel nur eine öde Steinwüste. © Reiner Mroß

Nicht alles bestrafen

Das sieht man im Hammer Rathaus anders. „Wir teilen die Rechtsauffassung des NRW-Bauministeriums beim Thema Schottergärten so nicht“, sagte Stadtsprecher Tom Herberg jetzt. Bei Bauten, die vor 2018 entstanden, sehe man nach wie vor keine rechtliche Handhabe, um gegen Schottergärten vorzugehen. Hamms Ansatz sei, nicht alles zu bestrafen, sagte der Stadtsprecher. Man baue vielmehr auf die Zusammenarbeit mit den Bürgern. Tipps gebe es beispielsweise in einem Informationsblatt. Zudem plane die Stadt, 2023 ein Förderprogramm zur Entsiegelung von Schottergärten und gepflasterten Parkflächen aufzulegen. Die Details und Höhe der Förderung würden noch erarbeitet.

Warum sind Schottergärten umstritten?

Schottergärten gelten wegen der Flächenversiegelung als problematisch. Die meist dunklen Steine speichern Wärme und verstärken so örtliche Hitzewellen. Auf den kahlen Flächen finden Insekten keine Nahrung, auch Vögeln fehlt der Lebensraum. Wasser versickert nur schwer oder gar nicht. Es fließt stattdessen in die öffentliche Kanalisation, die so bei starken Regenfällen überschwemmt werden kann. So pflegeleicht wie gedacht, sind Schottergärten zudem nicht: Zwischen den Steinen sammeln sich Laubreste und Pflanzensamen an – und die muss man mühsam herausziehen.

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