Schlaf und Nerven geraubt

Aus die Maus im Taubenstreit - Bockum-Höveler Züchter gibt auf

+
Im Taubenschlag von Werner Kersting hat sich die Zahl der Bewohner stark verringert.

Kehrt jetzt Frieden an Körnerstraße und Wellenbuschstraße ein? Nach einem langen Rechtsstreit durch mehrere Instanzen lenkt Taubenzüchter Werner Kersting ein.

Hamm – Werner Kersting will sich an die Auflagen des Gerichtes halten und noch rund 40 Tauben hüten – genau so viele, wie ihm das Hammer Amtsgericht erlaubt hatte. Den Taubensport hängt er an den Nagel. Knapp 60 Tauben hat er bereits an einen polnischen Züchter verkauft. „Er hat auch meine Ausrüstung übernommen“, sagt Werner Kersting und meint damit die Zeiterfasssungsgeräte.

Kersting hofft, dass damit ein Schlussstrich unter eine lange Geschichte gezogen wird. „Ich bin es leid. Was soll man noch machen?“, fragt er rhetorisch und räumt ein, den Prozess nun endgültig verloren zu haben. Schließlich hat auch das Landgericht Dortmund seine letzte Hoffnung zunichtegemacht. Seine Beschwerde gegen ein Zwangsgeld, das das Amtsgericht Hamm verhängt hatte, wurde zurückgewiesen. Nun muss er 800 Euro zahlen und seinen Taubenbestand verringern.

Warum, das kann er sich immer noch nicht erklären. Er habe doch nichts falsch gemacht und lediglich seine Tauben fliegen lassen. 1996 habe er die Schläge an der Stelle gebaut, an er sie jetzt noch stehen. Kersting: „Da gab es das andere Haus noch gar nicht.“

In dem anderen Haus wohnt seine Nachbarin Melanie Meintrup. Sie hat gegen Kerstings Tauben geklagt. Kot auf Terrasse, Vordach und Markise, Federn im Garten und lautes Gegurre raubten ihr Schlaf und Nerven. Immer wieder musste sie das Gericht bemühen, damit endlich das Urteil, das schon seit über einem Jahr besteht, umgesetzt wird. Vorausgegangen waren mehrere Gespräche, Schlichtungsversuche, ein Gütetermin und schließlich die Klage vor dem Hammer Amtsgericht.

Der Richter hatte sich bei einem Ortstermin in den Gärten ein Bild gemacht, genau hingeschaut und schließlich sein Urteil gefällt. Das war im Sommer 2018. Nach diesem Richterspruch darf Kersting nur noch 20 freifliegende Brieftauben in einer offenen Voliere halten und 20 weitere festsitzende Tauben in einer geschlossenen Voliere. „Damit kann ich den Taubensport vergessen. Um an Wettflügen teilzunehmen, benötige ich mehr Tauben“, sagte Kersting damals unserer Zeitung.

Seither gab es immer wieder juristische Auseinandersetzungen. Taubenzüchter Kersting legte Berufung ein, die verworfen wurde. Er ignorierte den Richterspruch, bis ihm erst ein Zwangsgeld angedroht und schließlich verhängt wurde. Jetzt wartet Kersting auf die Zahlungsaufforderung. 800 Euro muss er bezahlen. Insgesamt hat ihn der Streit rund 4000 Euro gekostet – Anwalts- und Prozesskosten sowie das Zwangsgeld eingerechnet.

Noch etwa 100 Züchter registriert:

Als Brieftauben werden Haustauben bezeichnet, die heute hauptsächlich für Flugwettbewerbe gehalten und gezüchtet werden. Die Brieftaubenzüchter verstehen ihr Hobby im Allgemeinen als Sport, ähnlich dem Pferde- und Hundesport. Bei den Wettbewerben werden die Tauben mit einem Speziallastwagen etwa 100 bis 1000 Kilometer vom Heimatort entfernt zu einem Auflassplatz transportiert, von wo sie ihren Heimflug antreten. In Hamm sind in den Reisevereinigungen rund 100 Züchter organisiert. Vor 20 Jahren waren es 800.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare