Projekt wird fortgesetzt

Streetworker in Innenstadt weiter ansprechbar

Zwei Streetworkerinnen vor dem Hauptbahnhof Hamm
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Auf die Szene zugehen: Sabine Hormes (Diakonie, rechts) und Natalie Papendick (Outlaw) sind Teil des Innenstadt-Projekts mit Obdachlosen und Bettlern.

Hamm – Sie schauen hin, wo andere oft wegsehen: Wenn sich Obdach- oder Wohnungslose, Drogen- und Alkoholsüchtige sowie von Armut bedrohte Menschen am Bahnhof und in der Innenstadt treffen, gehen Natalie Papendick und Sabine Hormes auf sie zu.

Die beiden Frauen sind die Gesichter hinter dem von der Stadt finanzierten Projekt „Soziale Prävention der Stadt Hamm“. Ziel ist es, zu helfen – und zwar in doppelter Hinsicht: einerseits den Betroffenen, und andererseits soll sich dadurch auch das Sicherheitsgefühl für die Öffentlichkeit verbessern.

Das ist seit Projektbeginn vor zwei Jahren bereits gut gelungen, wie die Verantwortlichen jetzt aus Anlass der Projektverlängerung bis Ende 2021 – der Hauptausschuss beschloss dies bei seiner Sitzung – bilanzieren. Das Prinzip, nach dem vorgegangen wird: „Wir wollen die Leute nicht vertreiben, sondern ihnen helfen“, erklärt Sozialamtsleiter Frank Schulte. Dabei sei das Projekt als niederschwelliges Angebot zu verstehen.

Wohnungshilfen und Suchtproblematik

Heißt: Natalie Papendick von Outlaw und Sabine Hormes von der Diakonie Ruhr-Hellweg sprechen die betroffenen Menschen an und vermitteln ihnen Hilfsangebote. „Hier findet der erste Schritt statt“, sagt Schulte und untermauert dies mit einer Bilanz. Denn etwa 95 Prozent der bekannten Szenemitglieder seien mittlerweile in Beratung – egal, ob es um Wohnungshilfen, Suchtproblematiken oder andere Unterstützungsangebote geht. Gelingt es, die Menschen ins Hilfssystem der Stadt Hamm zu vermitteln, verbessere sich die Situation für sie meist auch, erklärt Schulte. Aber: „Nicht jeder lässt sich auch helfen.“

Dabei fängt es meist mit einem einfachen „Hallo, ich bin Natalie“ an, erzählt Sozialarbeiterin und -pädagogin Natalie Papendick. Seit April dieses Jahres ist sie Teil des Projekts und kennt die Szene schon gut. Das dauerte aber etwas: „Anfangs habe ich viel Small-Talk gemacht, um das Vertrauen der Menschen zu gewinnen“, erzählt die Outlaw-Mitarbeiterin. Mittlerweile kämen viele der Betroffenen schon auf sie und ihre Kollegin zu. „Sie besprechen viele Dinge mit mir“, so die Streetworkerin, die zuvor 19 Jahre lang in der Jugendarbeit tätig war. Dazu gehören gesundheitliche und private Probleme. Aber auch wenn es beispielsweise Ärger mit der Justiz gibt, wenden sich viele an die beiden Streetworkerinnen. Der Aktionsradius ist dabei nicht mehr nur auf den Bahnhofsbereich reduziert, sondern erstreckt sich seit einer Projekterweiterung auf die gesamte Fußgängerzone.

Ziel ist eine Verhaltensänderung

„Ziel ist es, dass sie ihr Verhalten ändern“, sagt Papendick zur Vorgehensweise und nennt aggressives Betteln als Beispiel. Oder auch „wildes“ Pinkeln. Statt es an einer Hauswand zu machen, sollen sie lieber das Gebüsch nehmen, lautet einer der Tipps. Damit würden die Betroffenen dafür sorgen, dass sie sich keinen Ärger einhandeln, und zudem hinterlassen sie bei anderen Menschen keinen negativen Eindruck.

Insgesamt hatten die Streetworkerinnen zwischen Januar und August dieses Jahres 1352 sogenannte Beobachtungskontakte, bei denen sie mit Betroffenen sprachen. Corona und die Einhaltung von Abständen ist dabei natürlich auch ein Thema.

Ein ganz wichtiger Baustein für den Projekterfolg ist unterdessen die Netzwerkarbeit. Das belegen auch Zahlen. Denn mittlerweile ist es so, dass unter anderem auch das Ordnungsamt oder der Bahn-Securitydienst auf die Streetworkerinnen zugehen und sie bei Problemlagen mit Szenemitgliedern einschalten. So werden die Betroffenen nicht einfach „verjagt“, sondern man kann gezielt helfen und die Situation damit entzerren. So gab es zwischen Januar und August 2020 25 Kontakte zwischen den Streetworkerinnen und dem Sicherheitsdienst der Bahn, 44 mit der Polizei, 22 mit dem Ordnungsamt sowie weitere 203 zu Dritten.

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