Besondere Häufung im Westen und Norden

Steigen Corona-Zahlen in Hamm auch wegen Quarantäneverstößen?

Welche Rolle spielen Schulen beziehungsweise ihr Umfeld bei der Verbreitung des Coronavirus in Hamm?
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Welche Rolle spielen Schulen beziehungsweise ihr Umfeld bei der Verbreitung des Coronavirus in Hamm?

Die Welle bricht nicht, sondern sie schaukelt sich beharrlich auf. Das Problem liegt offenkundig im privaten Bereich, und es reicht womöglich nicht, von hoher Hand stereotyp an das Einhalten von Abstands- und Hygieneregeln zu appellieren.

Hamm - Schon bald wird vermutlich der nächste „historische“ Wert geknackt: Es werden dann erstmals mehr als 500 Hammer sein, die das Virus in sich tragen. Ein Inzidenzwert von unter 50 ist in meilenweiter Ferne, und es gibt die Todesfälle 43 und 44 zu beklagen. Das sind die Zahlen und Fakten in einer sich zuspitzenden Spirale. (Corona-Spezialressort für Hamm.)

StadtHamm
RegierungsbezirkArnsberg
Fläche226,3 km²
Bevölkerung179.397 (2016)

Corona in Hamm: Besondere Häufung im Westen und Norden

Es gibt – zumindest bislang – keinen Hammer Stadtplan, auf dem die aktuelle Infektionslage nachvollziehbar wäre. Gäbe es ihn und würde man pro positiven Fall eine Stecknadel darauf platzieren, würden der Westen und der Norden in Hamm vermutlich besonders stark hervorstechen.

Dafür spricht jedenfalls das Infektionsgeschehen an den Schulen und Kindertagesstätten (siehe Übersicht weiter unten). Von den stadtweit betroffenen Einrichtungen liegt die überragende Mehrzahl gerade dort – insbesondere was Grundschulen und Kitas angeht – also bei solchen Instituten, die wohnortnah besucht werden.

Corona in Hamm: Wo steckt das Virus?

Die Stadt teilte auch am Montag mit, dass sie zur Betroffenheit einzelner Bezirke und/oder Bevölkerungsgruppen keine Aussagen treffen könne. Vor einer Woche – da gab es in Hamm 339 akute Fälle – hatte es geheißen, dass es „definitiv nicht“ sublokale Hotspots gebe und auch keine besondere Betroffenheit in einzelnen Volksgruppen. Mit Zahlen unterfüttert wurde das bislang nicht.

Die Situation jetzt ist anscheinend anders als beim ersten Lockdown. Im März und April waren es (in der Regel gut situierte) Skiurlauber und deren Umfeld, die betroffen waren. Sie hielten sich an die Auflagen, und das Virus wurde letztlich eingedämmt. Die zweite Welle seit dem Ende der Sommerferien hatte ihren Ursprung (neben der türkischen Hochzeitsfeier) bei Urlaubsrückkehrern, die häufig ihre Familien in Süd-/Osteuropa besucht und zurück nach Hamm gekommen waren. Viele leben im Norden und Westen der Stadt, und dort liegen nun auch die betroffenen Schulen und Kitas.

Corona in Hamm - Übersicht der betroffenen Schulen:

  • Albert-Schweitzer-Sch. (BoHö)
  • Anne-Frank-Schule (Westen)
  • Arnold-Freymuth-Gesamtschule (Herringen)
  • Beisenkamp (Süden)
  • E.-Spranger-BK (Westen)
  • Elisabeth -Lüders-BK (Westen)
  • Freiherr-vom-Stei-Gymnasium (Osten)
  • Freiligrathschule (Bo-Hö)
  • Friedrich-List-BK (Westen)
  • Hermann-Gmeiner-Schule (Westen)
  • Realschule Heessen
  • St. Franziskus-BK (Mitte)
  • Waldorfschule (Pelkum)
  • Wilhelm-Busch (Westen)
  • Hanse-Kolleg (Rhynern)
  • Talschule (BoHö)
  • Schillerschule (Pelkum)
  • Bodelschwingh (Mitte)
  • Karlschule (H-Norden)
  • Realschule Bockum-Hövel
  • Kappenbusch (Heessen)
  • Johannesschule (Norden)
  • Overbergschule (BoHö)

Corona in Hamm - Fälle gibt es an folgenden Kitas:

  • Große Werlstraße (Pelkum)
  • Unter dem Regenbogen (Osten)
  • Abenteuerland (Westen)
  • Kita Räuberhöhle (Westen)
  • St. Anna (Westen)
  • Kita Uphoff (BoHö)
  • St. Victor (Herringen)
  • Sterntaler Bockum-Hövel
  • Awo-Kita Lange Str.
  • Johanniter-Kita (Heessen)

Corona in Hamm - aktuelle Infos zu Infektionsketten:

Die Stadt teilte auch am Montag noch mit, dass sie „nach wie vor“ der Auffassung sei, die Lage unter Kontrolle zu haben. Die Herausforderung werde „natürlich mit jedem Tag mit hohen Infektionszahlen“ größer.

„Die nach wie vor recht hohe Zahl an Infektionen, die aus einer Quarantäne heraus stattfinden, wo wir also über das Kontaktpersonenmanagement (hoffentlich) rechtzeitig möglichen Weiterverbreitungen entgegengewirkt haben, zeigt, dass das Infizierten- und Quarantänemanagement in Hamm nach wie vor funktioniert“, teilte Stadtsprecher Lukas Huster mit. 75 Prozent der Fälle werden nach städtischer Auskunft aufgeklärt.

Corona in Hamm - mögliche Quarantäne-Verstöße?

Eine Erklärung für die steigenden Zahlen könnte sein, dass Quarantäne-Anordnungen nicht beachtet werden. Entsprechende Rückmeldungen mehren sich nun auch bei der Stadt. War es bislang eine Meldung pro Tag, so seien es seit Anfang November täglich vier bis fünf, hieß es gestern aus dem Rathaus. Anonymen Hinweisen werde dabei nicht nachgegangen. Sollte sich ein Verdacht erhärten (die Daten eines Hinweisgebers würden anonym behandelt), werde ein Bußgeldverfahren eingeleitet.

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