SPD-Spitzenkandidat im Interview

Stefan Heitkemper will die absolute Mehrheit in Uentrop brechen

Stefan Heitkemper ist bei der Kommunalwahl 2020 Spitzenkandidat der SPD in Hamm-Uentrop und beruflich kaufmännischer Geschäftsführer
 des Dortmunder U.
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Ganz im Zeichen des „U“: Für Stefan Heitkemper steht das U sowohl für seinen Heimatort und Stadtbezirk Uentrop als auch für seinen Arbeitsplatz im bekanntesten Gebäude Dortmund.

Uentrop - Seit 26 Jahren hält die CDU im Stadtbezirk Uentrop die absolute Mehrheit. Längst Zeit für eine neue, andere Politik, meint der 40-jährige SPD-Spitzenkandidat Stefan Heitkemper. Er will der neue Bezirksvorsteher werden.

Ob zur Sicherung der ärztlichen Versorgung oder zu einer neuen Feuerwache für Uentrop – Stefan Heitkemper hat sich in den vergangenen Monaten in die aktuellen Diskussionen im Stadtbezirk und im Uentroper Dorf eingebracht. Als Spitzenkandidat der UentropSPD tritt er bei der Kommunalwahl am 13. September an. Er will Bezirksvorsteher werden. WA-Redakteur Torsten Haarmann sprach mit dem gebürtigen Uentroper über seine Chancen, über den Stadtbezirk und wie er ihn mitgestalten möchte.

Das U steht für Sie ganz oben. Beruflich sind sie kaufmännischer Leiter des Dortmunder U, dem wohl bekanntesten Gebäude der Stadt. Das U steht auch für Ihren Heimatort, für Ihre politische Wirkstätte. Wie ist das mit dem U?
Knappe 500 Meter von mir zu Hause, steht ein Hof, den mein Ururopa gebaut hat. Ich bin aus Uentrop nicht weggekommen. Ich hatte das zwar mal vor, wollte in die Welt, bekam dann aber die Ausbildungsstelle bei der Stadt mit dem Studienplatz in Münster. Ich bin zu Hause geblieben und habe meine Frau kennengelernt. Wir haben gebaut ... Ich fühle mich pudelwohl. Es gibt keinen Grund, wegzugehen.
Seit rund fünf Jahren sind Sie aktives SPD-Mitglied. Was war der Auslöser?
Ich habe gesehen, dass es vor Wahlen immer zahlreiche konkrete Versprechen gibt, die anschließend nicht umgesetzt werden. Ich vermisse Dynamik in der Politik vor Ort. Ich erkenne keine Rezepte, um auch auf gesamtgesellschaftliche Entwicklungen zu reagieren, zum Beispiel auf das Online-Shoppen und seine Folgen: der schwindende Einzelhandel und das Schließen von Kaufhäusern. Solche Entwicklungen wird auch die SPD nicht aufhalten, aber wir brauchen neue Konzepte als Antwort. Was machen wir mit der Innenstadt von Hamm? Im Uentroper Dorf ist alles so überschaubar, dass die Entwicklung direkt spürbar wird.
Welche Entwicklung genau?
Bis in die 1970er Jahre war Uentrop noch eine eigenständige Gemeinde. Ich bin groß geworden mit einer Post, mit zwei Bank- und Bäckerfilialen, mit zwei Friseuren, einer Apotheke und zwei Hausärzten. Nach und nach sind alle verschwunden. Ein Grund ist die stagnierende Einwohnerzahl. Vor Jahren bin ich mit Freunden bei einer CDU-Versammlung gewesen, nicht um Parteimitglied zu werden, sondern um auf den Mangel an Bauplätzen hinzuweisen. Wir wollten alle in Uentrop bleiben. Ich weiß noch, Ende der 1990er Jahre hat der erste von uns in Dolberg ein Grundstück gekauft, weil im Uentroper Dorf keines mehr verfügbar war. Seitdem sind 20 Jahre vergangen und man hat kein neues Baugebiet ausgewiesen. Dagegen kann man was machen. Dafür muss man kommunalpolitisch aktiv werden, das ist schon länger meine Überzeugung, aber ich hatte aus beruflichen und familiären Gründen lange keine Zeit, auch durch meinen Einsatz für die Freiwillige Feuerwehr. Das ist jetzt anders.
Die SPD hat vor fünf Jahren mit der „Neuen Mitte Uentrop“ eine Vision vorgestellt. Es war der Beginn eines parteiübergreifenden Planungsprozesses. Wie beurteilen sie das bisherige Ergebnis?
Dazu muss ich etwas zurückgehen: In den 80er Jahren wurde der Grundstein für den Maximilianpark gelegt, ringsherum nur Bauernhöfe und Weiden. Alles, was sich danach entwickelt hat, die Baugebiete und Geschäfte, war eine logische Entwicklung aus dem Impuls, aus der für viel zu viele Jahre akzeptierten Zechenruine den Maximilianpark zu machen. Es gab seitdem viele private Initiativen, sei es Menschen, die für sich ein Haus und für ihren Verein eine Handballhalle gebaut sowie eine Eishalle gerettet haben. Sie sorgten dafür, dass ihr Stadtbezirk sich weiterentwickelt hat. Sicherlich im Detail anders, als es in den 70er-Jahren geplant worden war. Aber jetzt fehlt schon länger der nächste logische Planungsschritt. Wir haben ja noch reichlich Platz und Ideen, das Zentrum unseres Bezirks zu gestalten. Für die „Neue Mitte“ setzen wir uns seit fünf Jahren ein. Das Ganze geht mir aber zu langsam. Wir müssen schneller werden und mutiger sein.
Durch mehr Privatinitiativen?
Ja, auch. Ich bin nicht der Meinung, dass der Staat überall der bessere Investor ist. Wir müssen die Rahmenbedingungen mit Bebauungsplänen setzen und öffentliche Infrastruktur schaffen. Ich unterscheide mich insofern von der Position der CDU und vom aktuellen Bezirksvorsteher, die mit öffentlichen Mitteln ein Parkhaus für den Maxipark bauen wollen. In Dortmund gibt es ähnliche Flächen. Da werden Investoren, die das Grundstück haben wollen, verpflichtet, Parkplätze zu bauen. In Werries könnten mit öffentlichen Geldern Flächen und Projekte entwickelt werden, auf denen sich Menschen begegnen und wohlfühlen können. Wir haben es im Stadtbezirk Uentrop bisher nicht geschafft, ein richtiges Zentrum zu entwickeln, obwohl die Dörfer seit 45 Jahren zu einem Stadtbezirk zusammengelegt sind.
Auf ein gut funktionierendes Nahversorgungszentrum wie im Maxicenter können Menschen in anderen Stadtbezirken nur neidisch sein. Was fehlt?
Einkaufen ist nicht alles! Das allein schafft keine Identität. Es fehlen Einrichtungen mit zentralen Funktionen, wie eine Stadtbezirksbücherei, ein Bürgertreffpunkt oder ein Ärztezentrum. Die ärztliche Versorgung kann ich zum Beispiel nicht überall im Stadtbezirk aufrechterhalten. Es ist ein Trend, dass es immer mehr Ärzte gibt, die sich nicht mehr alleine selbstständig machen wollen. Gemeinschaftspraxen müssen daher gut erreichbar angesiedelt werden. Mit Blick auf die Schließung der letzten Hausarztpraxis im Uentroper Dorf hätten wir viel schneller sein müssen. Andere Einrichtungen muss ich dagegen vor Ort lassen. Ich brauche keine Groß-Kita mit acht Gruppen, so wie sie an der Feuerdornstraße geplant ist. Kita-Plätze müssen vor Ort entstehen, wo die Menschen wohnen –- im Uentroper Dorf und im Birkenfeld. Vor dem Hintergrund werden aus meiner Sicht derzeit falsche Akzente gesetzt.
Ist der sprichwörtliche Zug für eine hausärztliche Versorgung im Uentroper Dorf abgefahren?
Ich glaube ja, weil sich alle einen neuen Hausarzt gesucht haben. Mittlerweile sind Vertrauensverhältnisse entstanden. Ich halte es nicht für sinnvoll, nur aus nostalgischen Gründen wieder Neuansiedlungen zu fordern. Da noch weitere Praxen schließen, müssen wir eine gute Versorgung für die Bevölkerung im ländlichen Osten für den Notfall entwickeln. Deshalb bin ich der Meinung, dass eine neue Feuerwache zusammen mit einer hauptamtlichen Rettungswache gebaut werden muss, so wie in Rhynern. Dadurch bekommen die Menschen im äußersten Hammer Osten zumindest eine gute notärztliche Versorgung.
Wie soll sich die „Neue Mitte“ in den kommenden fünf Jahren entwickeln?
Wir müssen auf der Grundlage des Rahmenplans schnell Baurecht schaffen, kluge Bebauungspläne entwickeln und überlegen, was wir ansiedeln möchten. In unserem Vorschlag stecken auch städtische Einrichtungen, wie eine Stadtteilbibliothek, die ein Ort der Begegnung sein soll, wo sich Menschen gerne aufhalten. Wohnen ist gefragt. Auch das Bürgeramt können wir uns hier vorstellen. Wir müssen mehr Aufenthaltsqualität schaffen, das geht nur mit Gastronomie. Ich stelle mir die Mitte auch mit Blick auf die Verkehrswende vor. Als Zug-Pendler wünsche mir eine Möbilitätsstation. An der kann ich als Radfahrer umsteigen und mit dem Bus, der im Zehn-Minuten-Takt fährt, zum Bahnhof kommen. Oder alle halbe Stunde fährt der Ringbus. Vielleicht noch eine kleine Fahrradwerkstatt dazu, eine E-Scooter-Station für den Nahbereich, Aufladesäulen für E- Autos. Solche Ideen, wie auch eine Stadtbahn durch Uentrop auf der RLG-Trasse, müssen mit Dampf nach vorn gebracht werden, auch weil 2027 die Internationale Gartenbau-Ausstellung mit Beteiligung des Maxiparks stattfinden soll. Da darf Uentrop eben nicht in einer Blechlawine untergehen. Die Neue Mitte soll mehr sein als die begrünte Maximilianstraße, für die es jetzt Planungsgelder gibt.
Eine Reihe dieser Ideen hat die SPD schon vor Jahren vorgestellt. Warum ist man nicht schon weiter?
Wir haben in der Stadt politisches Personal, das sagt: Das muss alles mit Fördergeldern von Bund oder Land finanziert werden. Fließen die nicht, müssten wir eben warten. Das ist nicht in jedem Stadtbezirk so und das ist nicht meine Vorstellung von gestaltender Politik. Bei unseren SPD- Spaziergängen zur Neuen Mitte haben wir gehört, dass manch einer glaubt, das alles nicht mehr zu erleben. Ich schon.
Weil Sie mit 40 Jahren vergleichsweise jung sind?
Nein, ich trete an, um schneller zu werden und Uentroper Interessen durchzusetzen. Der Bezirk braucht neue Ideen und neue Köpfe. Das sehen nicht nur die Sozialdemokraten so.
Von einer politischen Mehrheit im Bezirk ist die SPD derzeit weit entfernt.
Bei der letzten Kommunalwahl fehlten 34 Stimmen für den sechsten Platz in der Bezirksvertretung. Mit dem wäre die absolute Mehrheit der CDU schon einmal gebrochen. Das muss das Minimalziel sein, damit sie nicht mehr durchregieren kann. Auch in einer Koalition mit anderen Parteien können wir eine Gestaltungsmehrheit in der Bezirksvertretung erreichen.

Zur Person

Stefan Heitkemper ist gebürtiger Uentroper und lebt mit seiner Frau und den beiden Kindern im Uentroper Dorf. Mitglied und aktiv war und ist der 40-Jährige seit vielen Jahren in mehreren Uentroper Vereinen, in der Freiwilligen Feuerwehr, bei den Schützen Uentrop-Haaren und Schmehausen, im TuS Uentrop – er ist neben Trainer Alexander Daun Initiator der weit über die Grenzen Hamms bekanntgewordenen Aktion Gemeinsam für Hamm zur Rettung der Damen-Tischtennis-Mannschaft in der 2. Bundesliga.

Nach dem Abitur am Freiherr-vom-Stein-Gymnasium begann Stefan Heitkemper im Jahr 2000 bei der Stadt Hamm mit der Ausbildung und dem Dualen Studium „Verwaltungsbetriebswirtschaft“ in Münster. Bis 2016 arbeitete er im Jugendamt, war 1. kaufmännischer Leiter des Jobcenters, später im Bereich Organisation und IT. 2016 wechselte er als Referent des Kämmerers zur Stadt Dortmund, managte Organisations-Projekte, wodurch er 2019 als kaufmännischer Geschäftsführer zum Dortmunder U gekommen ist.

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