Firmengründung mit 15 Jahren

Startup-Wettbewerb: Hammer Schüler kämpfen im Finale um 10.000 Euro

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Lukas Flockert (links) und Paul Büning wollten, dass Kunden nicht direkt merken, wie alt sie sind. Deshalb arbeiteten sie an einem professionellen Erscheinungsbild.

Hamm - 15 und 16 Jahre waren Paul Büning und Lukas Flockert alt, als sie im vergangenen Jahr ihr eigenes Unternehmen gründeten. Unter dem Namen PBM Visuals kümmern sich die Jungunternehmer für ihre Kunden um Videos, Homepage und Social Media. Damit erreichten sie nun das Finale des 3. Businessplan-Wettbewerbs der Startup-Teens. Wenn sie am Freitag die Jury in Berlin überzeugen, gewinnen sie 10 000 Euro.

Die Jungunternehmer sitzen in einem kleinen Raum in der ersten Etage des Hamtec an der Münsterstraße. In dem Büro fallen die vielen unterschiedlichen Sitzgelegenheiten ins Auge: Neben Schreibtischstühlen gibt es hier einen Sessel, einen Sitzsack und einen Gymnastikball. „Wir wollen uns hier wohlfühlen. Die Aussicht ist hier zwar nicht so gut wie weiter oben, aber es reicht. Es kommen viel Licht und frische Luft rein. Mehr brauchen wir nicht“, sagt Lukas Flockert (17).

Er sitzt entspannt am Schreibtisch, vor sich zwei große Bildschirme, einen Laptop, ordentlich aufgereiht mehrere Handys. Am Platz daneben balanciert Paul Büning (16) eine Plastikdose mit Reis und Gemüse auf den Knien. Der Abiturient aus Oelde ist direkt von der Schule ins Büro gekommen. „Man muss Pausen effektiv nutzen“, erklärt er zwischen zwei Bissen. „Im Zug auf dem Weg hierher habe ich zum Beispiel eine Präsentation für die Schule vorbereitet. Wenn ich im Büro bin, konzentriere ich mich nur auf die Arbeit.“

Von Freunden zu Geschäftspartnern

Vor zwei Jahren haben sich die Schüler im Internet kennengelernt. „Wir haben beide Produktvideos für Youtube produziert und sind ins Gespräch gekommen. Da haben wir festgestellt, dass wir gar nicht so weit voneinander entfernt wohnen“, erinnert sich Lukas. Sie trafen sich, produzierten gemeinsam Youtubevideos, entwickelten die Geschäftsidee. „Wir waren Schüler und brauchten Geld. Wir haben vorher schon Videos gemacht, warum dafür nicht Geld nehmen?“, sagt Lukas.

Der erste Imagefilm entstand eher zufällig. „Wir sind am Blueliner (Sportsbar an der Eishalle, Anm. der Red.) vorbeigelaufen, die haben ja den neuen Burgerbus. Und da dachten wir uns: Es wäre cool, einen Imagefilm darüber zu drehen“, erzählt Paul. Sie sprachen mit dem Besitzer, holten sich den Auftrag. Inzwischen betreuen sie auch die Social-Media-Präsenz von Firmen. „Gerade mittelständische Unternehmen, wie es in Hamm viele gibt, haben oft niemanden, der sich um die Internetseite oder Social Media kümmert, und müssen für jeden Bereich eine eigene Agentur beauftragen. Wir übernehmen das alles“, erklärt Lukas.

Die beiden sind längst beste Freunde und ein eingespieltes Team: Einer beginnt den Satz, der zweite beendet ihn. Während des Gesprächs klingelt zwei Mal das Handy, die Jungs sind gefragt. Rund 60 Aufträge haben sie inzwischen bearbeitet, aktuell laufen 15 Projekte.

Weiterer Mitarbeiter im Herbst

Das bringt sie an ihre Grenzen. „Wir können zur Zeit die Projekte, die wir rein bekommen, nicht mehr alle bearbeiten“, sagt Lukas. Im Herbst wollen sie einen Mitarbeiter einstellen. Dabei würde ihnen das Preisgeld helfen. „Aber wir werden es auch so schaffen“, sagt der 17-Jährige.

Tipps holen sich die Schüler aus dem Internet, von ihren Gründerkollegen im Hamtec und aus Büchern. So stehen im Regal hinter dem Schreibtisch zwei gelbe Bücher: „GmbH-Geschäftsführer for Dummies“ und „Erfolgreich führen for Dummies“. „Wir wollten wissen, wie kriegen wir es hin, die Leute an uns zu binden, ohne dass sie merken, wie alt wir sind“, erklärt Lukas. Die Antwort ist ein professionelles Erscheinungsbild. Jeder Ordner, jedes Blatt im Büro der Jungs trägt das Firmenlogo, ein gelbes Dreieck mit abgerundeten Ecken, es erinnert an ein umgedrehtes „Play“-Zeichen und daneben in Großbuchstaben PBM.

Hier geht's zum Bewerbungsvideo der Hammer

„Die Abkürzung steht für Paul Büning Media. Weil wir noch minderjährig sind, habe ich für die Gewerbeanmeldung eine Vormundschaft beantragt. Sobald Lukas im nächsten Jahr 18 ist, melden wir eine UG an“, sagt Paul. Nervös sind die Schüler vor dem Finale in Berlin nicht. „Wir werden unsere Idee vorstellen. Die Jury wird sich alles ansehen und die Beste auswählen. Egal ob wir am Ende erster, zweiter oder dritter werden, wir werden enorm viel mit den Leuten reden und Kontakte zu Unternehmen knüpfen. Das ist verdammt viel wert“, sagt Paul. „Die Gewinnprämie wäre natürlich ein netter Bonus“, ergänzt Lukas.

Startup-Teens:

„Startup-Teens“ ist eine Non-Profit-Initiative, die es sich zur Aufgabe macht, Schüler aller Schulformen für Unternehmertum zu begeistern. Die laut Initiatoren in Deutschland bislang einmalige Online-Plattform wurde im Herbst 2015 von sechs Personen ins Leben gerufen und wird bereits zum Start von 75 Unternehmern unterstützt. Hauptsitz der Initiative ist im Hammer Hamtec. Weitere Infos gibt es auf der Internetseite.

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