Star in Arrest: So lebt Uwe Kröger in Barcelona

Musicalstar Uwe Kröger kämpft in Barcelona mit den Auflagen der Regierung.
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Musicalstar Uwe Kröger kämpft in Barcelona mit den Auflagen der Regierung.

Gestrandet in Barcelona ist der geborene Hammer Uwe Kröger. Finanziell wird es langsam eng für den 55-Jährigen Künstler.

Hamm – In 65 Vorstellungen hat Uwe Kröger vor der Krise eine Maske getragen und als „Phantom der Oper“ viel Applaus bekommen. Am 13. März wurde die Tour des gebürtigen Hammers mit der amerikanischen Sängerin Deborah Sasson dann in der Schweiz wegen Ausbruch der Coronapandemie vorzeitig beendet.

„Ich habe zu den ersten gehört, die hier in Barcelona mit Maske und Handschuhen unterwegs waren“, berichtet der Sänger und Entertainer, der seit drei Jahren in der katalanischen Metropole lebt und seit sieben Wochen den strengen Maßnahmen der spanischen Regierung folgt.

Gewalt und kulturelles Leben

Was ihn am meisten beim Blick nach Deutschland erschreckt: „Da gibt es höhere Gewalt und die Kultur wird zum Kollateralschaden.“ Durch den Wohnsitz im Ausland ist der Sänger dazu in einer speziellen Situation. „Freie Künstler haben ja keine Gewerkschaft. Viele Kollegen, die keine festen Engagements hatten, stehen ohne Einnahmen da.“ Er weiß von Fällen, bei denen Kollegen nach einem Zeitvertrag – üblich in der Branche – nicht die unter Soforthilfemöglichkeiten, sondern unter Hartz IV fielen.

An Tag 32 der Einschränkungen in Barcelona vermisst Uwe Kröger seine Freiheit.

Sorge um freien Kunstbetrieb

Uwe Kröger schaut auch skeptisch darauf, wie dem Profifußball Möglichkeiten eröffnet werden und fordert „eine faire Behandlung auch für Kulturschaffende. Es darf nicht heißen, wir haben eine Krise, der Harlekin darf gehen.“ Es gehe ihm nicht um seine persönliche Situation, aber er fürchtet um die Kreativität und Angebote im freien Kunstbetrieb.

Dabei ist auch die Situation des Sängers, der seine Karriere in einer Hammer Ballettschule startete, nicht gut. Vor drei Jahren zog Uwe Kröger aus privaten Gründen von Wien nach Spanien. Dort ist sein Lebenspartner in der Fitnessbranche beruflich verwurzelt. Darum der Wegzug aus Österreich. „Ob man von Wien oder Barcelona aus auf Tournee geht, war vor der Krise eigentlich egal“, so der Künstler.

Keine Ersparnisse

Er zahlt zwar in Spanien Steuern, hat dort aber nie gearbeitet und fällt somit nicht unter spanische Hilfsregelungen. Kröger, der kein Hehl daraus macht, dass er vor einiger Zeit eine Privatinsolvenz überstanden und deswegen keine Rücklagen hat, zehrt jetzt vom Honorar der Phantom-Tournee. Er versucht damit hauszuhalten, weiß aber nicht, wie es im Sommer für ihn weitergeht. Da er in Spanien lebt, fühlen sich Österreich und Deutschland, wo er hauptsächlich arbeitet, in Sachen Unterstützung für ihn nicht zuständig.

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Eigentlich hätte der 55-Jährige jetzt im Berliner Spiegelpalast in dem Ein-Personen-Stück „Ein wenig Farbe“ auf der Bühne gestanden – in 16 Rollen. Auch Galaauftritte und Moderationen sind in Österreich und Deutschland in weiter Ferne. Im Oktober 2019 hat der Sänger im fränkischen Hof das erste Mal Regie geführt – beim Monty-Phyton-Musical „Spamalot“. Es gibt dort Pläne für eine weitere Regiearbeit, die auch mit eigenem Bühnenauftritt verbunden sein soll. Auch das liegt auf Eis.

Menschen verschiedener Länder

Der Künstler, der vielen Kritikern als größter männlicher deutscher Musicalstar gilt, sieht deutliche Unterschiede zwischen seinem Gastland und den deutschsprachigen Ländern: „Spanier und Italiener sind familienorientiert. Kinder und alte Leute stehen im Mittelpunkt. Da wurden die strengen Maßnahmen sofort akzeptiert. Hier in Barcelona spürt man den Zusammenhalt.“

Dagegen kamen ihm viele Maßnahmen hierzulande zögerlich vor. Er ist via Facebook auf dem Laufenden: „Im Moment bin ich mehr im Internet als sonst was.“

Frische Luft nach Stundenplan

Seit sieben Wochen ist Kröger in der Wohnung im Zentrum Barcelonas in „Hausarrest“. Nach Stundenplänen dürfen die Einwohner nach Altersgruppen getrennt kurze Zeit an die frische Luft. Er darf in den Morgen- und Abendstunden aus dem Haus – etwa zum Joggen.

Er hofft, im Herbst auch wieder in NRW unterwegs zu sein: mit Maske – als Phantom. – Von Michael Imberg

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