Rhynern

Corona-Probleme in Hamm: Stammgäste einer Kneipe zeigen sich kreativ und spendabel

Mehr Platz für die Dorfkneipe: Die „Freischwimmer“, Stammgäste der Gaststätte „Zum Isenbecker“, schenkten den Wirtinnen Anne Wendel und Hildegard Henker ein Zelt für die Außenterrasse, um die schwere Corona-Zeit zu überstehen.
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Mehr Platz für die Dorfkneipe: Die „Freischwimmer“, Stammgäste der Gaststätte „Zum Isenbecker“, schenkten den Wirtinnen Anne Wendel und Hildegard Henker ein Zelt für die Außenterrasse, um die schwere Corona-Zeit zu überstehen.

Rhynern - In einem Dorf halten die Bewohner zusammen. Das zeigt sich jetzt an einem Beispiel in Rhynern, wo Stammgäste der Kneipe „Zum Isenbecker“ eine kreative Spende tätigten.

Die Gastronomie gehört zu den Branchen, die am stärksten von den Einschränkungen in Corona-Zeiten betroffen sind. Gaststätten mussten zunächst komplett schließen. Mit der Öffnung gab es Auflagen: Weniger Tische wegen des Abstandsgebots, keinen Thekenbetrieb und jetzt droht die Sperrstunde.

Für die kleinen Dorfkneipen im Stadtbezirk Rhynern mit ihrem überschaubaren Platzangebot bedeutet dies große Einschnitte. Gäste bleiben fern, unter anderem weil ihnen das Gemütliche am Tresen einfach fehlt. Auch für die Betreiber der Gaststätten fehlt etwas. Denn auch ihr Arbeitstag lebt ein Stück weit vom Gespräch an der Theke. In Lokalen wie Pietig in Westtünnen, Zum Isenbecker und Auf´m Berg in Rhynern kennt man sich eben, dies- und jenseits der Theke.

Die Kneipe „Zum Isenbecker“ in Rhynern hat das Glück, durch die kleine Terrasse an der Alten Salzstraße das Platzangebot ausweiten zu können. Doch jetzt kommt die kalte und regnerische Jahreszeit, so dass diese zusätzliche Sitzmöglichkeit an der Alten Salzstraße mehr oder weniger wegfällt.

Aber die Wirte-Schwestern Hildegard Henker und Anne Wendel können auf ihre Stammgäste setzen. Die Mitglieder der „Freischwimmer“, eine Art Interessengemeinschaft „Schwimmen und Geselligkeit“, schenkte der Wirtschaft nun ein wetterfestes Zelt, das sie jetzt auf der Terrasse aufbauten. Ausgestattet mit Heizlüftern und Lichterketten soll dieses Zelt den Kneipengästen auch in den kommenden Wochen und Monaten Platz bieten.

„Wir sind sehr dankbar“

„Darüber sind wir sehr dankbar“, sagt Hildegard Henker, während sie ihren Stammgästen eine Runde Bier reicht. Es sei wirklich eine sehr tolle Idee der Freischwimmer gewesen, lobt sie. Dank so einer Gemeinschaft könne die Krise am Ende gemeistert werden. Denn die Corona-Zeit sei nicht leicht für die Betreiber dieser kleinen Kneipe, die eigentlich vom Thekenbetrieb lebt. In den Sommermonaten habe die Terrasse einiges auffangen können. „Jetzt können wir sogar im Herbst und vielleicht im Winter weiter draußen bedienen“, freut sie sich.

Die Freischwimmer treffen sich übrigens jeden Dienstag dort zum Stammtisch, nachdem sie zuvor im Freizeitbad in Bönen ihre Bahnen gezogen haben. Beim Bierchen klönen die Männer dann über Frauen, Fußball, Dorfgeschehen, Wetter und neuerdings Corona. Aktuell muss sich die Gruppe zwar splitten und an mehreren Tischen à fünf Personen sitzen. „Aber wir können uns auch über den Tisch hinweg unterhalten“, sieht Dietmar Wilmes dies ganz locker.

Dienstags ist das Zelt reserviert

Mit dieser Spende möchten die Stammgäste die Dorfkneipe unterstützen. „Lediglich dienstags, wenn wir hier sind, ist das Zelt reserviert. Ansonsten darf natürlich jeder dort sein Bier trinken“, erklärt Wilmes. Bei der Auswahl des Zeltes haben sie natürlich auf die Wettbeständigkeit geachtet. „Und wir haben bewusst die Farbe grün gewählt“, sagt er. „Zum einen passt sich das Zelt der grünen Hecke an, zum anderen ist die es die Farbe des Schützenfestes, das hoffentlich im Juni im Dorf und damit auch im Isenbecker gefeiert wird. Die Freischwimmer sind inzwischen auf 14 Mitglieder angewachsen.

Sperrstunde wirkt in Rhynern überzogen

Hildegard Henker und Anne Wendel blicken voller Sorge auf die steigenden Corona-Zahlen. „Die angedrohte Sperrstunde sei nicht schön, aber noch weitgehend zu verkraften. Eine erneute Schließung dagegen wäre eine Katastrophe“, sagt Henker. Zur Erklärung: Das Land NRW hat angeordnet, in Hotspots, wie Hamm derzeit einer ist, die Sperrstunde auf 23 Uhr vorzuziehen. Die Stadt Hamm muss sich daran halten, auch wenn sie von dieser strengen Regelung nicht viel hält. Es sei ein Unterschied, ob zu dieser Uhrzeit in Rhynern oder in der Altstadt in Düsseldorf noch ein Bier getrunken wird, meinte ein Stadtsprecher dazu. Denn der Alltag in Rhynerns Kneipen sieht so eher aus, dass zu diesen späten Uhrzeiten nur noch ein paar Gäste die letzten Absacker trinken. Hier wird nicht in großen Scharen gefeiert, die Abstandsvorgaben lassen sich einhalten.

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