Langes Warten auf Gerechtigkeit

Ostermann-Stalker im Gefängnis - Hammer Unternehmerin erleichtert

Späte Genugtuung bei Marie-Christine Ostermann: Der Stalker, der der Rullko-Geschäftsführerin sieben Jahre lang mit weit über 2000 Briefen, E-Mails, Paketen und Telefonaten nachgestellt hat, befindet sich hinter Schloss und Riegel in einem Leipziger Gefängnis.

Hamm - Wie Ostermann gegenüber unserer Zeitung erklärte, sei die Nachricht nicht von der Justiz gekommen, sondern vom TV-Sender Sat.1, der in diesem Fall recherchiert habe. Die Staatsanwaltschaft Dortmund bestätigte nun auf Nachfrage gegenüber unserer Zeitung die Inhaftierung des Mannes. Demnach wurde Ostermanns Peiniger am 18. Mai festgenommen und sitzt in einem Leipziger Gefängnis. Verurteilt worden war er allerdings schon viel früher.

Im Juli 2019 vor dem Hammer Amtsgericht erfolgte der erste Richterspruch in dem Gewaltschutzverfahren. Rechtskräftig wurde das Urteil aber erst in zweiter Instanz nach dem Berufungstermin vor dem Landgericht Dortmund (Mai 2020) zum Ende des vergangenen Jahres. Der 58-jährige Leipziger war damals nicht zum Berufungstermin erschienen. Damit verfiel sein Rechtsmittel. Abzüglich der Untersuchungshaft sitzt er nun für ein Jahr im Gefängnis.

Marie-Christine Ostermann wurde jahrelang von einem Stalker verfolgt.

Es ist nicht das erste Mal, dass der Mann hinter Gittern ist, denn bereits von 2016 auf 2017 wurde er per Gewaltschutzanordnung eingesperrt. Sein damaliges Opfer: ebenfalls Marie-Christine Ostermann. Sie hatte das Verfahren 2015 angestrengt. Wie wenig aber selbst Gefängnismauern den Stalker von seinem penetranten Nerventerror abhalten konnte, erfuhr Ostermann damals schnell. Von einem Telefon aus der Haftanstalt heraus kontaktierte der Mann die Hammer Unternehmerin. Und auch der Postweg sei damals nicht unterbunden worden, so Ostermann.

Die neuerliche Nachricht von der Verhaftung des 58-Jährigen löst bei Ostermann unterschiedliche Emotionen aus: „Einerseits spüre ich große Erleichterung und bin stolz darauf, dies am Ende erreicht zu haben. Das ist nur gerecht.“ Andererseits kommt bei der 43-Jährigen aber auch Frust auf angesichts des langen Weges, den sie dafür gehen musste: „Es ist mir manchmal unbegreiflich, wie lange die Dinge dauern und wie schleppend Rückmeldungen von der Justiz eingehen.“

Stalker im Gefängnis: Ostermann begrüßt Gesetzesänderung

Ausdrücklich begrüßt sie eine Gesetzesänderung, die das Kabinett beschlossen hat und der Bundestag noch verabschieden muss. Damit sollen Stalker wesentlich leichter zur Verantwortung gezogen und ihre Opfer besser geschützt werden. „Die Justiz muss die Praxis im Umgang mit solchen Fällen dringend ändern“, sagt Ostermann.

Für sie hatte das Martyrium, das sie erleiden musste, einschneidende Folgen: Sie zog sich aus politischen und gesellschaftlichen Ämtern zurück, mied die Öffentlichkeit, verlegte ihren Wohnsitz und zog sich zwangsweise in die Anonymität zurück.

Signal für andere Opfer

Marie-Christine Ostermann sieht in ihrem Fall und der Bestrafung ihres Peinigers ein Signal für andere Opfer: „In jedem Fall sollten Betroffene eine rechtliche Beratung aufsuchen“, sagt sie. Zudem könnten sich Stalking-Opfer beispielsweise an Organisationen wie Weißer Ring oder SOS-Stalking (Berlin) wenden. „Sofern möglich, sollten alle Rechtsmittel ausgeschöpft werden“, so die 43-Jährige. Inzwischen habe sie das Gefühl, dass das Thema Stalking ernster genommen werde.

Aufgegeben hat Ostermann in all den Jahren aber nie: „Ich lasse mir mein Lebensglück von diesem Menschen nicht zerstören“, sagt sie.

Rubriklistenbild: © Wiemer (Archiv)

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