Hochwasserschutz in der Lippeaue

Stahlwand und mehr: So läuft der Deichbau im "Erlebensraum" ab

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Wie der neue Hochwasserschutz für Heessen (im Hintergrund) aussehen soll, lässt sich aus der Luft bereits ausmachen: Ein Teil des neuen Damms (in der Bildmitte) ist bereits aufgeschüttet, um den Boden zu verdichten. Ab dem kommenden Jahr soll der bestehende Deich (vorne) abgetragen und das Material für den Neubau verwendet werden.

Seit fast 70 Jahren schützt der Lippedeich Heessen und den Hammer Norden vor Hochwasser. Für die Umgestaltung der Lippeaue wird der Damm nun nach Norden versetzt – und künftig ganz anders aussehen.

Hamm - Es fängt schon beim Begriff an. Was umgangssprachlich meist als Deich bezeichnet wird, ist für Dirk Klingenberg eine Hochwasserschutzanlage. Der Unterschied liege im Kern, erläutert der Projektleiter des Lippeverbandes. Im Deich steckt demnach Sand, der das Wasser schnell versickern lässt, in der Hochwasserschutzanlage dagegen eine stählerne Spundwand, die das Wasser aufhalten soll.

Die Stadtteile nördlich der Lippe sollen mit dem Neubau vor einem „250-jährigen Hochwasser“ geschützt werden, also einem Ereignis, das statistisch gesehen alle 250 Jahre vorkommt. Bisher hat ein relativ schmaler, dafür aber sehr hoher Deich den Norden hochwasserfrei gehalten. Um Überflutungsfläche zu schaffen und naturnah zu gestalten, wird der bisher nah der Lippe verlaufende Damm nun zwischen Mattenbecke und Fährstraße ein ganzes Stück nach Norden verlegt. Zwischen Bahndamm und Kläranlage bleibt der alte Damm bestehen, um dann zum flacheren neuen Abschnitt abzufallen.

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Bergsenkungen spielten große Rolle

1950 hatten Stadt und Lippeverband mit dem Bau begonnen. Weil man wegen des Bergbaus mit Bodensenkungen gerechnet habe, sei der Damm damals „ein bis zwei Meter“ höher als notwendig gebaut worden, sagt Klingenberg. Die neue Anlage werde deutlich flacher und breiter ausfallen. Und sie soll sich in die Landschaft einfügen.

Kein Deich, sondern eine Hochwasserschutzanlage (im linken Bereich die Spundwand): Das neue Bauwerk wird deutlich breiter sein. (Ein Klick rechts oben ins Bild zeigt die komplette Grafik!)

Die Vorarbeiten haben bereits begonnen. Klingenberg spricht von einer „Vorballastierung“: Man schütte einen kleinen Deich auf, um den Boden bereits vor den eigentlichen Bauarbeiten zu verdichten – Bodensetzungen sollen lieber jetzt als später stattfinden. Die erst 2011 gebaute Fernwärmeleitung der Stadtwerke ist inzwischen aus dem kritischen Bereich verlegt worden und seit September auch wieder in Betrieb.

Im Juni soll die Spundwand kommen

Mit dem eigentlichen Neubau will Klingenberg im nächsten Jahr beginnen: Ab Juni soll die Spundwand gesetzt werden, die dann vollständig unter den Aufschüttungen rechts und links verschwindet. Das Material dafür stammt aus dem dann abzutragenden alten Deich.

Verantwortlicher Planer für den Lippeverband: Dirk Klingenberg.

Obwohl hier Bergbauabraum, Kriegstrümmer und Eisenschrott verwendet wurden, kann das Material Klingenberg zufolge wiederverwertet werden. Das spare Entsorgungs- und Transportkosten.

Oben auf den neuen Damm soll genügend Platz für eine breiten Radweg und einen zusätzlichen Fußweg sein. Bis die neuen Weg nutzbar sind, müssen Radler und Fußgänger wegen der Bauarbeiten allerdings mit einer einjährigen Sperrung der Ost-West-Route rechnen.

Eindrücke vom Erlebensraum Lippeaue im Herbst 2019

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