Kunden vergessen?

Stadtwerke reagieren auf massive Kritik: Fahrplanbuch kommt - aber mit deutlicher Verspätung

Am Sonntag wird das Liniennetz in Hamm umgestellt. Im September wird dazu passend auch ein Fahrplanbuch herausgegeben.
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Am Sonntag wird das Liniennetz in Hamm umgestellt. Im September wird dazu passend auch ein Fahrplanbuch herausgegeben.

Die Stadtwerke haben auf die deutliche Kritik ihrer Fahrgäste reagiert und bringen anders als geplant nun doch ein Fahrplanbuch zum neuen Liniennetz heraus.

Hamm – „Aufgrund der aktuell sehr großen Nachfrage nach einer Neuauflage haben wir das Thema intern noch einmal aufgegriffen und beschlossen, eine kleine Auflage drucken zu lassen“, sagte Sprecherin Cornelia Helm nach Rücksprache mit der Geschäftsführung.

Stadtwerke reagieren auf Kritik - Buch kommt im September

„Wir möchten ausdrücklich betonen, dass uns unsere älteren Fahrgäste keineswegs egal sind. Allerdings wurden 2016 (dann erschien das aktuellste Buch, Anm. d. Red.) weitaus weniger Bücher abgenommen, als erwartet. Zwei Drittel landeten damals im Altpapier.“ 15.000 Bücher waren gedruckt worden, 5.000 wurden abgenommen – allerdings gegen eine Schutzgebühr von einem Euro.

„Wir waren davon ausgegangen, dass alternativ die Mini-Fahrpläne ausreichend seien. Dem großen Wunsch vieler Fahrgäste entsprechend, werden wir nun noch einmal auf die gedruckte Fahrplanvariante zurückgreifen“, kündigte Helm an. Eine mittlere vierstellige Anzahl soll gedruckt, im Zweifel auch nachgelegt werden.

Weil das Fahrplanbuch nun erst erstellt werden muss, wird es erst im September verfügbar sein. „Wir bitten in diesem Zusammenhang schon jetzt alle Interessierten um Verständnis.“

Neues Liniennetz ab Sonntag: Lotsen stehen für Fragen parat

Zur Einführung des neuen Nahverkehrsplanes ab Sonntag werden unterdessen in der kommenden Woche Lotsen an der Insel, am Westentor und in der Nordstraße im Einsatz sein, um den Fahrgästen die Orientierung im neuen Liniennetz zu erleichtern. Mit Beginn der Schule werde diese Aktion vom 16. bis zum 21. August wiederholt.

Das Umsteuern in Sachen Fahrplanbuch ist Resultat von zahlreichen Beschwerden bei den Stadtwerken, die auch die WA-Redaktion erreichten. Aufgrund der Berichterstattung am Donnerstag gab es noch einmal etliche Reaktionen. Tenor: Die Stadtwerke vergessen eine wichtige Kundengruppe – ältere Fahrgäste, die auf den Bus und einfache Informationen angewiesen sind. Auch ein sturer Fokus auf das Digitale wurde kritisiert.

Treue Kunden ziemlich vor den Kopf gestoßen

Eine Leserin beschwerte sich darüber, an der Insel barsch abgewiesen worden zu sein, als sie nach einem Fahrplanbuch fragte. Die benötige doch eh niemand mehr, sei ihr gesagt worden. Dabei habe sie sich in den vergangenen Jahren regelmäßig danach erkundigt, weil sie sich eine aktualisierte Ausgabe für das Exemplar von 2016 wünschte.

„Mein Mann und ich fahren seit Jahrzehnten in Hamm mit dem Bus und haben nie ein Auto gehabt. Für uns ist dieses Buch sehr wichtig. Man sollte doch meinen, dass in den heutigen Zeiten - mit Klimawandel und ökologischem Bewusstsein - nicht mehr für Fahrgäste gemacht wird“, sagte die Frau. „Das ist ein ziemliches Armutszeugnis.“

CDU: „Digitalisierung ist nicht alles“

Auch die Hammer CDU setzte sich am Donnerstag dafür ein, dass ein Fahrplanbuch kommt. „Kundenfreundlich ist anders“, sagte CDU-Geschäftsführer und Mitglied im Stadtwerke-Aufsichtsrat, Michael Pricking. Die Stadtwerke müsse erkennen, wer ihre Kundengruppe ist und dürfe keine ganze gesellschaftliche Gruppe abhängen. „Digitale Lösungen sind ja schön und gut. Aber gut gemeint ist nicht immer gut gemacht“, so Pricking. „Digitalisierung ist eben nicht alles.“

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