Hoher ökologischer Wert

Sandbochumer Heide soll jetzt doch unter Naturschutz gestellt werden

Die Sandbochumer Heide ist das größte zusammenhängende Waldgebiet in Hamm.
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Die Sandbochumer Heide soll unter Schutz gestellt werden.

Die neue Ampelkoalition im Rat lässt ihren Worten Taten folgen und möchte den Landschaftsplan Hamm-West im Bereich „Sandbochumer Heide und umliegender Wälder“ ändern. Das Ziel: Die Unterschutzstellung vom größten zusammenhängenden Waldgebiet in Hamm.

Sandbochum/Lerche – IIn den Bezirksvertretungen Herringen und Pelkum stieß das auf breite Zustimmung. Lediglich in Pelkum gab es eine Enthaltung. Ansonsten empfahlen alle Bezirksvertreter die Vorlage. Lars Menneke (CDU Pelkum) bat allerdings darum, die umliegenden landwirtschaftlichen Flächen herauszunehmen, um den Landwirten keine zusätzlichen Auflagen zu machen. Und Julian Janssen (SPD Herringen) mahnte an, dass die Sandbochumer Heide auch nach der Unterschutzstellung als Naherholungsgebiet zur Verfügung stehen müsse.

Die Sandbochumer Heide

Westlich (auf Bergkamener Gebiet) und östlich der Autobahn 1 umfasst die „Sandbochumer Heide“ eine Fläche von rund 200 Hektar, was der Größe von mehr als 250 Fußballfeldern entspricht. Sie besteht zu 80 Prozent aus Laub- und zu 20 Prozent aus Nadelwald. Dominierend in den jeweiligen Bereichen sind Eichen- und Kiefernbestände. Sie sind mehr als 120 beziehungsweise über 100 Jahre alt. Ein Großteil der Waldflächen befand sich im Eigentum des Bergbaus und wurde in diesem Jahr vom Regionalverband Ruhr (RVR) übernommen. Der will die Erholungsfunktion der Waldgebiete erhalten und sie ökologisch bewirtschaften. Ab 2021 sollen im Zuge der Verkehrssicherung einige Schwarzpappelhybriden beseitigt und Neuanpflanzungen vorgenommen werden.

Nach Angaben der Stadt ist den Waldgebieten zwischen der Autobahn 1 im Westen, der Kamener Straße im Süden und im Grenzbereich zwischen Herringen und Pelkum eine „hohe ökologische Wertigkeit zuzusprechen“. Daher sollten sie als Naturschutzgebiete festgesetzt werden. Schon jetzt sei der überwiegende Teil im seit 1989 rechtskräftigen Landschaftsplan Hamm-West als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen. Die aktuellen Biotopkartierungen des Landesamtes für Umwelt-, Natur- und Verbraucherschutz zeigten jedoch eine Vielzahl an gesetzlich geschützten und als schutzwürdig eingestufte Biotope an. Außerdem seien natürliche und naturnahe Lebensräume von einem gemeinschaftlichen Interesse, hieß es.

Doch was genau macht den Waldkomplex so besonders? Durch seine Flächengröße im lokalen Biotopverbund sei er als Lebensraum und Vernetzungselement vor allem für Höhlenbrüter wie Mittel- und Kleinspecht, für Greifvögel wie Sperber und Mäusebussard sowie für weitere, an Wald gebundene Arten, von großer Bedeutung.

Sandbochumer Heide unter Naturschutz: Seltene Fledermausarten

Ausdrücklich erwähnt werden auch die kleinen Gewässer. So weist der Neustädter Bach einen „ausgeprägt naturnahen Zustand“ auf. Der südliche Teil werde aktuell über ein temporäres Pumpwerk entwässert, hier bestünden konkrete Planungen zur weiteren Optimierung und Wiederherstellung der natürlichen Abflussverhältnisse. Darüber hinaus sind nach Angaben der Verwaltung weitere Kleingewässer zu finden, die insbesondere für Amphibien einen bedeutsamen Lebensraum darstellen. Und im Bereich des Beverbachs seien wichtige Fledermaus-Arten wie die Fransenfledermaus und Braunes Langohr festgestellt worden. Als weitere „strukturierende Elemente“ werden Hecken, Baumreihen, Sumpf- und Moor-Bruchwald sowie Nass- und Feuchtgrünland genannt.

Das alles belegt die hohe Wertigkeit dieser Waldgebiete. Oberstes Schutzziel einer Festsetzung zum Naturschutzgebiet sollten der Erhalt und die Entwicklung der naturnahen Laubwälder und Fließgewässer sein. Die Konkretisierung des Schutzzweckes und die zu seinem Erreichen notwendigen Verbote und Gebote sollen im Zuge des Änderungsverfahrens gebiets- beziehungsweise flächenweise festgesetzt werden.

Allerdings: So schnell geht das alles nicht. Und so befürchten vor allem die Naturschützer, dass der Regionalverband Ruhr (RVR) als Eigentümer die eine oder andere Maßnahme durchführt, die den genannten Entwicklungszielen widerspricht. Das Verfahren zur Unterschutzstellung dürfte mehrere Monate, wenn nicht sogar Jahre dauern. Es handelt sich um ein mehrstufiges Verfahren, das unter anderem die Erstellung eines Fachbeitrags des Naturschutzes und die Beteiligung Träger öffentlicher Belange vorsieht. Am Ende steht dann die Darstellung der Schutzmaßnahmen im geänderten Landschaftsplan

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