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In Hamm verschwinden immer mehr Kirchen - Was bleibt?

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Hamm - Wie füllt man eine leere Kirche? Aktenstapel sind eine Möglichkeit. In der Heessener Theresienkirche ziehen sich endlose Regalreihen durch Kirchenschiff und Taufkapelle. Nach der Entwidmung zog hier 2012 das Archiv des Oberlandesgerichtes ein.

Andernorts rollen die Bagger an, wenn die Gläubigen fernbleiben. Acht Kirchen und Gemeindezentren sind in den vergangenen zwölf Jahren in Hamm stillgelegt worden. Vier von ihnen wurden abgerissen, eine fünfte wird folgen.

Vor zehn Jahren wurde die Erlöserkirche abgerissen, als erste in Hamm.

Die Erlöserkirche im Hammer Süden verschwand vor zehn Jahren als erste aus dem Stadtbild. Gut eine Million Euro hätte die Evangelische Kirchengemeinde für die Sanierung aufbringen müssen. 2007 wurde die Kirche entwidmet und abgerissen. „Ein schmerzhafter Prozess“, sagt Pfarrerin Ute Brünger. Doch eine alternative Nachnutzung habe nicht zur Diskussion gestanden: „Wo Kirche draufsteht, muss auch Kirche drin sein.“

Die Erlöserkirche war typisch für die Gebäudegeneration, die jetzt zur Disposition steht: 1959/60 erbaut, als die Gemeinden wuchsen und wohlhabend wurden. Mehr als die Hälfte der 57 evangelischen und katholischen Kirchen in Hamm wurde nach 1945 errichtet.

St. Theresia hat die Akten des Oberlandesgerichtes aufgenommen und ist dafür vom Abriss verschont geblieben.

So wie die katholische Hl.-Geist-Kirche im Bahnhofsviertel. Als die Zahl der Gottesdienstbesucher sank, wurde sie 2006 entwidmet, als Kunstdepot ans Erzbischöfliche Diözesenmuseum vermietet und soll nun an einen Investor verkauft werden, von gefördertem Wohnungsbau ist die Rede.

Abriss des Turms  von St. Josef.

Pfarrer Ralf Dunker hätte sich auch eine Umnutzung vorstellen können, eine Markthalle oder ein Stadtteilzentrum beispielsweise. Doch dafür fehlten die Geldgeber. Weiteren Möglichkeiten setzt die Kirche selbst Grenzen: Eine Nachnutzung müsse mit katholischen Werten vereinbar sein, sagt Dunker. Keine Diskotheken, keine Restaurants, keine nicht-christlichen Religionsgemeinschaften.

Die Justiz dagegen gilt als passender Nachnutzer. Alte Aktenbestände aus dem Oberlandesgerichtsbezirk Hamm, die zuvor in Minden gelagert waren, sind in der Theresienkirche gut untergebracht, meint OLG-Geschäftsführerin Brigitte Ferling. Den Kirchencharakter hat St. Theresia von außen behalten, aber im Inneren vollständig verloren.

Stillgelegte Kirchen in Hamm (seit 2006):

Hl. Geist (2006 entwidmet), Ev. Gemeindehaus Alleestraße (2006), Erlöserkirche (Süden, 2007), St. Paulus (Lohauserholz, 2010), Ev. Gemeindezentrum Dasbeck (2011), St. Theresia (2011), St. Josef (Heessen, 2013), Herz Jesu (Osten, 2013)

Nachnutzungen in Hamm:

Abbruch: Erlöserkirche (Süden), St. Josef (Heessen), Herz Jesu (Osten), St. Paulus (Lohauserholz), Hl. Geist (geplant).

Nichtkirchliche Nutzung: Ev. Gemeindezentrum Alleestraße (Bildungswerk), St. Theresia (Archiv des Oberlandesgerichtes), Kapelle St. Bonifatius in der Argonner-Kaserne (Gewerbe).

Kirchliche Nutzung: Apostelkirche (interkulturelle Arbeit), Ev. Gemeindezentrum Dasbeck (Sinti-Gemeinde), Liboriuskirche (Familienkirche), Lutherkirche (Jugendkirche), Thomaskirche (Kulturkirche).

Ideenwettbewerb: Herz Jesu (Hövel).

Nachnutzungen in der Region:

Altenheim: St. Barbara, Recklinghausen (2008)

Büros und Gewerbe: St. Bonifatius, Münster (Dialog-Verlag, 2006); Dreifaltigkeitskirche, Münster (2013)

Gemeindezentrum: Evangelische Kirche zu Eving, Dortmund (2009)

Kindergarten: St. Sebastian, Münster (2013)

Kolumbarium: St. Konrad, Marl (2006); St. Michael, Rheine (2013); Liebfrauenkirche, Dortmund (2014)

Kultur- und Veranstaltungszentren: Markuskirche Gladbeck (2009 „Martin-Luther-Forum Ruhr“), St. Bernardus, Oberhausen (2007 „Hochzeitskirche“); St. Marien, Bochum („Musikforum Ruhr“, 2016)

Schulaula und Sporthalle: St. Elisabeth, Münster (2014)

Wohnungen: Maria Königin, Dülmen (2012), Dreifaltigkeitskirche, Münster (2013)

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